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02.06.2000 - 

Wenig Überraschungen auf der Anwenderkonferenz Sapphire 2000

SAP leistet Überzeugungsarbeit für Mysap.com

MÜNCHEN (CW) - Auf der Anwenderkonferenz Sapphire 2000 in Berlin versuchte SAP abermals, die zahlreichen Besucher von seiner Internet-Strategie Mysap.com zu überzeugen. Wer spektakuläre Ankündigungen erwartet hatte, wurde allerdings enttäuscht. Auch der erwartete Deal mit Commerce One wurde noch nicht bestätigt.

Rund 10000 Kunden, Partner, Analysten und Journalisten hatten sich in Berlin zu SAPs Hausmesse "Sapphire 2000" eingefunden. Im Mittelpunkt stand dabei die bereits im Vorjahr vorgestellte Internet-Umgebung "Mysap.com". In seiner Auftaktrede, die unter dem Titel "Visions of a new economy" angekündigt worden war, zeichnete Vorstandssprecher und Firmengründer Hasso Plattner das Bild einer global vernetzten Geschäftswelt, in der Beziehungen vorwiegend über das Internet geknüpft werden. Insgesamt ging es jedoch weniger um Visionen als vielmehr darum, SAPs schwaches Internet-Profil aufzupolieren. Vehement verwahrte sich Plattner gegen den Vorwurf, sein Unternehmen habe die Zeichen der Zeit zu spät erkannt und die Entwicklung rund um das Internet verschlafen: "Ich lese das überall, und ich kann nur sagen: Es ist falsch." Vielmehr habe SAP im Gegensatz zu manchen Konkurrenten reale Erfolge vorzuweisen: "Bereits ein Jahr nach der Einführung von Mysap.com haben wir eine Million lizenzierte Anwender."

Mit einem Bündel von Maßnahmen versuchen die Walldorfer nun, weitere R/3-Anwender zur Migration auf das Web-basierte Mysap.com zu bewegen. So hat SAP die Wartung der Euro-fähigen R/3-Releases 3.1I, 4.0B, 4.5B und 4.6B bis August 2003 verlängert. Darüber hinaus soll SAPs "Mysap.com Starter Pack" eine unkomplizierte Verbindung älterer R/3-Versionen mit dem Internet ermöglichen. Das vorkonfigurierte Paket enthält den "Mysap.com Workplace" sowie die Komponenten "Business-to-Business-Procurement" und "Internet Sales".

Zu Spekulationen über die erwartete Zusammenarbeit der Walldorfer mit dem Marktplatzkonkurrenten Commerce One befragt, äußerte sich Plattner nur vage: "Die haben durchaus etwas anzubieten." Zu detaillierteren Aussagen gedrängt, hieß es lediglich "Kein Kommentar". Unabhängig davon zeigte Plattner sich für SAP-Verhältnisse ungewöhnlich offen, was Kooperationen angeht. "Wir können nicht alle Ideen, alle Produkte selbst kreieren", so der Firmenchef. Nicht zuletzt um die hämischen Kommentare zu Lücken und Schwachpunkten im SAP-Portfolio zu widerlegen, fährt der Softwareriese nun eine "Strategie der offenen Integration". Künftig will die SAP ausgewählte Produkte von Drittanbietern in Mysap.com integrieren und supporten. Auf diese Weise sollen "Best-of-Class"-Lösungen entstehen, in denen unterschiedliche E-Business-Anwendungen wie Supply-Chain-Management (SCM), Customer-Relationship-Management (CRM) oder E-Commerce zu einem "lückenlosen Gesamtsystem" zusammengefasst sind. Auf dessen Funktionen sollen Anwender über die rollenspezifischen Portale von Mysap.com zugreifen können.

Jüngstes, bereits seit einigen Wochen bekanntes Beispiel der neuen Strategie ist die Hereinnahme der Call-Center-Lösung von Clarify in SAPs Customer-Relationship-Management-Produkt "CRM 2.0B". Sowohl Plattner als auch SAP-Vorstandsmitglied Peter Zencke gaben in ihren Reden zu, mit ihrer CRM-Lösung spät dran zu sein. Gleichwohl könne man jetzt ein konkurrenzfähiges Produkt anbieten. Helmuth Gümbel, Analyst bei Strategy Partners in München, sieht SAPs CRM-Engagement allerdings weniger rosig: "SAP ist zwar auf dem richtigen Weg, sie werden aber bis Ende des Jahres gerade dort sein, wo sie eigentlich schon vor zwei, drei Jahren sein wollten."

Insgesamt zeigten sich Beobachter enttäuscht, weil SAP zwar eine neue Integrationsstrategie ankündigte, aber in diesem Zusammenhang nicht mit Neuankündigungen aufwarten konnte. Alles in allem verlief die Berliner Veranstaltung trotz Rekordbesucherzahlen derart unspektakulär, dass sich Hasso Plattner auf der Pressekonferenz unangenehme Fragen zur Vision der SAP gefallen lassen musste. Seine daraufhin äußerst dünnhäutige Reaktion machte deutlich, dass es mit dem Selbstbewusstsein des Softwareriesen zur Zeit nicht zum Besten bestellt ist. Sorgen bereitet dem Unternehmen offenbar vor allem die schwache Entwicklung des US-Geschäfts. Besserung erwartet SAP hier durch eine Neuorganisation des Managements, wie sie der neue US-Chef Wolfgang Kemna angekündigt hat. Statt sich an den Walldorfer Forschungslabors zu orientieren, müsse sich die US-Dependance stärker auf die Wünsche der Kunden vor Ort ausrichten.

Für die Finanzanalysten hat SAP ungeachtet aller Bemühungen seine beste Zeit hinter sich. Das Unternehmen rechnet künftig mit geringeren Umsatzzuwächsen als in den vergangenen Jahren, als die Walldorfer noch Zuwächse bis zu 40 Prozent verzeichnen konnte. Dies liegt laut Vorstandssprecher Henning Kagermann vor allem am Wandel des geschäftlichen Umfeldes: "Bisher waren wir im Produktgeschäft. Künftig werden wir Projektgeschäfte machen."