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02.08.2007

SAP lockt den Mittelstand mit Festpreisen

Der Softwarekonzern legt mit "All-in-One Branchenkomplettlösungen" vorkonfigurierte ERP-Pakete auf, die ab 90 000 Euro zu haben sein sollen.

Eigentlich war das Konzept der All-in-One-Lösungen schon immer, dem Mittelstand vordefinierte Branchenpakete zu bieten, um so die Projektkosten gering zu halten. Nun will SAP mit neuen Branchenkomplettlösungen Unternehmen überzeugen, die 100 bis 500 Mitarbeiter beschäftigen und somit bisher nicht zur typischen SAP-Kundschaft zählten. Technisch handelt es sich um die gleiche Software wie All-in-One; Grundlage ist auch hier SAPs Kernprodukt ERP 6.0.

Installation in wenigen Tagen

Nach Angaben von Andreas Naunin, Leiter des Geschäftsbereichs Mittelstand in Deutschland, ist "die Individualisierung der Software die Ausnahme". Partnerfirmen von SAP sollen das Produkt installieren und die Anwenderunternehmen schon nach wenigen Implementierungstagen wieder verlassen. "Viele Kunden benötigen kaum individualisierte Produkte", ist sich Naunin sicher. Die nicht mehr nötige Anpassung stellt das eigentliche Novum der Branchenlösungen dar.

Zunächst bietet SAP gemeinsam mit Partnerfirmen diese branchenspezifischen All-in-one-Lösungen für Komponenten- und Kleinserienfertiger, Automobilzulieferer sowie Metall- und Kunststoffverarbeiter an. Die Business-Software ist Naunin zufolge so ausgelegt, dass der Einführungspartner lediglich Materialstämme, Kontenrahmen sowie die Organisationsstruktur des jeweiligen Kundenunternehmens anlegen muss. Hierzu wurden zahlreiche Felder, Tabellen und Prozesse des ERP-Produkts ausgeblendet. SAP-Lösungen stehen in dem Ruf, aufwändig in der Einführung und damit kostspielig zu sein, was viele Firmen abschreckt.

Über eine Personalverwaltung verfügen die Komplettlösungen nicht. Als Grund nennt SAP-Manager Naunin dass Unternehmen der Zielgruppe ihr Personalwesen oft teilweise auslagern. Ferner seien diesen Firmen andere Themen derzeit wichtiger.

Angriff auf Microsoft und Sage

Mit der Offerte will SAP in eine Marktregion vordringen, in der zahlreiche kleinere ERP-Häuser sowie Konkurrenten wie Sage und Microsoft unterwegs sind. Lukrativ ist das Geschäft des-halb, weil viele mittelständische Unternehmen allen voran Fertigungsbetriebe ihre Business-Software modernisieren wollen.

Partner, die diese Branchenkomplettangebote verkaufen wollen, müssen dafür einen eigenen Geschäftsbereich einrichten, da sich diese Projekte von typischen SAP-Einführungen abgrenzen sollen. Bisher, so Naunin, war es das Ansinnen von Partnerfirmen, die eigenen SAP-Experten möglichst gut auszulasten. Das Geschäft mit kleineren Firmen passte diesen Partnern da kaum ins Konzept, weil ERP-Implementierungen dort wesentlich kürzer dauern. Daher handle es sich Naunin zufolge bei den bisherigen All-in-One-Branchenlösungen eher um Schablonen, weniger um vorkonfigurierte und somit rasch implementierbare Produkte. Bei den nun aufgelegten Branchenkomplettlösungen überwiege das Produktgeschäft. Dass die Partner die neuen Lösungen in diesem Sinne verkaufen, will Naunin über Projekt-Reviews sicherstellen.

Abgrenzungsprobleme

Der Produktpreis für Softwarelizenzen (zehn Benutzer) sowie etwa zehn Tage für die Implementierung für 90 000 Euro ist sportlich, weshalb SAP diese Summe vorsichtshalber als Minimalwert angibt. Tatsächlich dürften viele Firmen deutlich mehr zahlen, da beispielsweise eine Stammdatenübernahme aus Altsystemen viel Zeit in Anspruch nimmt. Nicht im Preis enthalten ist ferner die erforderliche Hardware. SAP empfiehlt, neben dem Produktivsystem eine separate Testinstallation auf einem weiteren Rechner aufzusetzen.

A1S mischt ERP-Karten neu

Ganz neu ist die Idee, SAP-Systeme zu Festpreisen anzubieten, indes nicht. Das zum Konzern gehörende Systemhaus Steeb verkauft schon seit einiger Zeit Lösungen, bei denen für die ERP-Einführung ein fester Betrag von 75 000 Euro sowie weitere 50 000 Euro für ein zusätzliches Branchenpaket zu zahlen sind.

Unbenommen der neuen Offerte bleiben die bisherigen 67 All-in-One-Lösungen bestehen. Abgrenzungsprobleme sieht Naunin nicht. Doch das könnte sich bald ändern: Nächstes Jahr bringt der Konzern mit "A1S" eine On-Demand-Geschäftsanwendung auf den Markt, die sich ebenfalls an den Mittelstand richtet. Und nach wie vor vermarktet der Hersteller das für kleine Firmen gedachte "Business One". (fn)