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16.06.1989 - 

"Homogene konzernweite Anwendungen" für den Kugelfischer-Konzern auf lange Sicht zwingend:

SAP macht IBM das Bett beim Bull-Anwender

MÜNCHEN (bi) - Nach dreißig Jahren Partnerschaft trennt sich einer der gewichtigsten Bull-Kunden, die FAG Kugelfischer, Schweinfurt, "mittelfristig" von seinem inzwischen fast zum "Exoten" gewordenen Hersteller. Buchstäblich vor der Tür stehen bereits zwei IBM-Großrechner 3090. Abgelöst werden die Japan-Jumbos Bull DPS 90/92T (NEC), eine Nixdorf 8890 (Hitachi) sowie zirka 20 Bull-Minicomputer der Serie 6.

Als weitere Nachfolger für die Präsentier-Installation der Franzosen hat sich das traditionsreiche und auf internationale Märkte expandierende Industrieunternehmen neben den Mainframes des Marktführers, eine davon für Nordamerika, dessen AS/400 und PS/2-Systeme erkoren. Aber auch Siemens und DEC haben, so ist aus der Beraterszene zu hören, noch Chancen in einem künftigen Drei-Hersteller-Konzept. In diesem Zusammenhang ist von Investitionen in einer Größenordnung von 100 Millionen Mark die Rede. Ziel: eine konzernweit einheitliche Informationstechnologie.

"Zur beiderseitigen Zufriedenheit", wie Kugelfischer sich zwar beeilt zu erklären, scheint die 30jährige Liaison mit Bull in den vergangenen drei bis vier Jahren also nicht mehr verlaufen zu sein. Ex-Bull-Mitarbeiter erklären: Das einst führende Industrie-Know-how US-amerikanischer Herkunft, als Bull noch Honeywell-Bull warf ging verloren. Konsequenz: Zunächst gab es Seitensprünge in' Softwarebereich. Deutschlands zur Zeit "höchstfliegendes" Softwarehaus, die SAP aus Walldorf, knüpfte vor vier Jahren bereits erste Kontakte zu den Schweinfurtern, die sich heute konzernweit im Bereich der "kommerziellen Rückgratsysteme" ganz und gar zur "SAP-Standard-Software" bekennen.

Zunächt war jedoch "nur" das auserkorene Flaggschiff aus Paderborn, die 8890, Zielsystem der eifrigen Softwerker - und zwar für deren Warenwirtschaftssystem. Bislang hatte sich die FAG noch in großem Umfang auf Bull- und eigenentwickelte Software auf Bull-Anlagen verlassen. Offiziellen Aussagen zufolge soll diese beispielsweise im Bereich einiger Landesgesellschaften noch für fünf oder sechs Jahre herhalten. Aber die Entscheidung, von der maßgeschneiderten Software auf SAP umzusteigen, führt, so die Schweinfurter, "logischerweise und aus strategischen Gründen" dennoch zu einer Beendigung der French Connection.

Logische Konsequenz nicht unbedingt AS/400

Hört man sich SAP-Leute an, so muß die logische Konsequenz daraus zur Zeit nicht unbedingt AS/400 samt PS/2 und im Gefolge dieser Entscheidungen dann auch Officevision heißen, wie es Kugelfischer-Experte Gerhard Öhring als selbstverständlich annimmt. Die Erfolgssoftware unter dem Generalnenner R/2 der High Flyer aus Walldorf soll nämlich sowohl auf IBM- als auch auf BS2000-Systemen laufen. Das erfolgreiche R/2-Paket besteht aus mehrsprachiger, kommerzieller Standard-Anwender-Software und ist ein modulares Real-Time-System.

Im nächsten Jahr wollen - einige Anzeichen sprechen dafür - die Walldorfer die Unix-Herausforderung auch für R/2 publikumswirksam annehmen. Das bedeutet, daß R/2 mittelfristig auch auf Unix-Maschinen lauffähig werden könnte. Und, so SAP. "Dann kommen auch DEC und HP mit ins Spiel, aber ob wir mal Bull machen, das ist eine Frage, die noch nicht geklärt ist."

Wechsel hat sich über Software aufgedrängt

Weitere SAP-Schwerpunkte in Schweinfurt sind bereits über das Materialwirtschaftssystem hinaus durch ein PPS-System aus Walldorf gesetzt, das in verschiedenen Werken auf Siemensrechnern läuft. Selbstbewußt räumt SAP ein, daß sich der heute vollziehende Herstellerwechsel über die SAP-Softwarepräsenz speziell im Bereich Wälzlager aufgedrängt hat. Kugelfischer ist inzwischen einer der zehn größten Kunden von SAP; 65 der hundert größten deutschen Industrieunternehmen sind, wie der SAP-Vorstand versichert, SAP-Kunden.

Ob freilich das Informatik-Management des Konzerns, das sich zur Zeit von seiner angestammten Bull-Kultur trennt, in eine eher homogene IBM-Welt einmündet oder ob sich Kugelfischer das neuerdings häufig propagierte Drei-Hersteller-Konzept ins Stammbuch schreibt, ist noch ungewiß und hängt offenbar auch vom Geschick gleich dreier Hersteller ab: IBM, Siemens und DEC. Bull scheint nicht mehr im Spiel zu sein.

Trendsetter: US-Gesellschaften

Hauptdarsteller IBM steht für den internationalen und mehr kommerziellen Bereich; Trendsetter dürften dort die US-Beteiligungsgesellschaften von Kugelfischer sein, die sich auf eine zentrale Lösung mit einer 3090 geeinigt haben. Bereits eine ganze Palette von SAP-Standard-Anwendungen ist "an Bord" genommen worden, offenbar sei damit die gesamte Logistikseite abgedeckt sowie das Rechnungswesen, erklären die Walldorfer.

Siemens ist bereits im Bereich Industrietechnik vertreten und hat das Plus, einesteils als nationaler Hersteller, anderenteils auch als SAP-fähig gelten zu können, sowohl mit BS2000 als auch demnächst, so wird von Siemens- und SAP-Seite angedeutet, mit seinen Unix-Systemen. Das Thema Bürokommunikation ist "angedacht"; Gespräche gäbe es jedoch nicht. Für diesen Sektor wird indes auch Officevision von IBM diskutiert.

Last, but not least hat DEC aufgrund seiner weitgehenden SNA-Kompetenz und Praxis im technischen Bereich gute Karten.

Alle Hersteller werden sich jedoch an der SAP-Richtschnur messen lassen müssen, die für Kugelfischer offenbar zwingend ist: "Diese Entscheidung beruht auf folgenden Zielen: Integration und Beschleunigung der betrieblichen Abläufe und Informationsströme durch integrierte Informationssysteme, (und) damit verbesserte und effizientere Kommunikation mit unseren Geschäftspartnern, effizientere Kommunikation im Konzern durch homogene konzernweite Anwendungen und Benutzeroberflächen, mittelfristig Reduzierung der Kosten für den Einsatz von Anwendungssoftware und deren ständige Weiterentwicklung, Vermeidung von Softwarelücken durch Engpässe in den eigenen Softwareentwicklungskapazitäten."

Soweit, kurz umrissen, im O-Ton die Schweinfurter Aussage zur künftigen Strategie in Sachen Informationssysteme.