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06.02.2004 - 

Kagermann: R/3-Wartung läuft gegen Aufpreis erst 2012 aus

SAP macht Zugeständnisse in Sachen Release-Wechsel

MÜNCHEN (fn) - Mit Nachdruck versucht SAP, die R/3-Kundschaft vom Umstieg auf Mysap ERP zu überzeugen. Bis 2009 sollen die Anwender entsprechende Lizenzverträge abgeschlossen haben. Ab dann wird es keine R/3-Wartung zu den üblichen Konditionen mehr geben. Anwender können gegen eine höhere Gebühr die Standardwartung jedoch bis 2012 sicherstellen.

"Mir fehlen die Worte", so kommentiert Martin Luckmann, Geschäftsführer des Beratungshauses M2 Consulting aus Berlin, SAPs Art, Kunden über das Auslaufen der Wartung für die Software "R/3 Enterprise" zu informieren. Vorstandschef Henning Kagermann hatte auf einem vom "Handelsblatt" und Euroforum veranstalteten Kongress unter anderem vor IT-Managern und CIOs über die zukünftige Produktentwicklung gesprochen. Doch erst in einem Interview mit der Wirtschaftszeitung gab der Firmenchef zu Protokoll, dass das aktuelle R/3-Release nur noch bis 2008 gepflegt wird und Kunden auf Mysap ERP umzusteigen hätten. Auf Anfrage hatte SAP diese Angaben korrigiert: Demnach endet die Standardwartung im ersten Quartal 2009.

Offenbar überrascht von den Reaktionen vieler ungehaltener Kunden rudert SAP jetzt zurück: Gegen eine höhere Gebühr bietet der Konzern Anwendern die Wartung für R/3 Enterprise noch bis ins Jahr 2012 hinein an. Der Wartungszuschlag erhöht sich in zwei Stufen um jeweils zwei Prozent. Mit der ersten Erhöhung verlängert der Anwender die Wartung um eineinhalb, mit der zweiten um weitere zwei Jahre. Die jährliche Standardgebühr beträgt 17 Prozent des Lizenzpreises und würde dann auf 21 Prozent ansteigen.

Kunden sind verunsichert

Dass der Hersteller R/3 als eigenständiges Produkt nicht mehr ewig pflegen würde, war den Anwendern bekannt, allerdings hatte SAP bisher keinen Termin für das Wartungsende genannt. "Die Botschaft hätte viel professioneller vorbereitet werden müssen. Sie per Interview publik zu machen ist schlichtweg instinktlos", zürnt Luckmann, der Geld mit der Beratung von SAP-Kunden verdient.

Viele SAP-Kunden nutzen fast ausschließlich die ERP-Software R/3. Ein Großteil davon betreibt Releases, die älter als 4.6c sind und schon heute nur gegen einen Aufschlag gewartet werden. Aus diesem Grund migrieren Anwender auf Anraten der SAP ihre Systeme derzeit auf R/3 Enterprise oder planen, solche Projekte in diesem Jahr anzugehen. Sie fühlten sich durch Kagermanns Äußerungen verunsichert. "Bei uns rufen Kunden an und fragen, ob sie ihre Migrationsprojekte stoppen sollen", berichtet die Unternehmensberatung Pikon Deutschland AG aus Saarbrücken, die R/3 Enterprise bei Anwendern einführt. Die Deutsche SAP Anwendergruppe (DSAG) rät den Kunden, ihre begonnenen Migrationen zu Ende zu führen. Wer mit dem Umstieg noch nicht begonnen hat, kann auch direkt auf Mysap ERP migrieren, möglich ist dies ab Release 3.1i.

SAP-Kunden fürchten, dass sich ein Umstieg auf Mysap ERP aufwändig gestaltet und zudem hohe Lizenzkosten auf sie zukommen. Zwar erhalten sie mit Mysap ERP ein neues Produkt, dennoch wirft SAP die R/3-Technik nicht weg: R/3 Enterprise bildet den Kern von Mysap ERP (siehe www.computerwoche.de/go/80111106). Technisch gesehen ist das neue ERP-Produkt eine Kopplung von Teilen aus bestehenden Mysap-Produkten, der Infrastrukturplattform Netweaver und R/3 Enterprise. Allerdings müssen Kunden, die bisher nur R/3-Verträge hatten, neue Lizenzvereinbarungen mit SAP abschließen.

Mit der Ankündigung, R/3 Enterprise nach Anfang 2009 nur noch gegen Aufschlag zu warten, drängt SAP die Kunden dazu, Mysap-Verträge abzuschließen. Die bisherigen R/3-Investitionen werden nach einer "Conversion Rate" mit den Mysap-ERP-Lizenzen verrechnet.

Anrechnung von R/3-Investitionen

Nach Angaben der Anwendervereinigung DSAG bekommen Kunden, die sich 2004 für Mysap ERP entscheiden, ihre R/3-Investition angerechnet. Unklar ist jedoch, welche Konditionen Firmen erhalten, die erst danach umsteigen. "Nach 2004 verringert sich die Anrechnung", sagte ein Firmensprecher, ohne Details zu nennen. Wie viel die Anwender für das neue Produkt zu zahlen haben, ist ohnehin reine Verhandlungssache und dürfte von der Größe des Kunden und dessen Auftreten gegenüber den Walldorfer Vertriebsleuten abhängen. Die im "Handelsblatt" genannte Anrechnung von bis zu 75 Prozent sei nicht in Stein gemeißelt, verlautete aus Unternehmenskreisen.

Vom Umstieg der R/3-Kunden auf den Mysap-Lizenzvertrag erhofft sich der Hersteller zusätzliche Einnahmen mit Softwarelizenzen. Zurzeit sind vor allem Wartungsgebühren ein großer Posten in der SAP-Bilanz, börsennotierte Softwarehersteller werden aber an den verkauften Lizenzen gemessen.

Derzeit sehen allerdings selbst Anwender, die bereits einen Mysap-Vertrag abgeschlossen haben, keine Veranlassung, Mysap ERP bald einzuführen. Zurückhaltend ist beispielsweise der schweizerische Handelskonzern Migros. SAP-Projektleiter Viktor Meier hat dort unlängst R/3 Enterprise eingeführt und erkennt keinen Grund, demnächst ein weiteres Projekt in Angriff zu nehmen: "Wir wollen keine Instabilität reinbringen." Auch ihn ärgert die Informationspolitik des Herstellers: "Als wir R/3 Enterprise einführten, wussten wir noch nicht, dass dieses Produkt schon so bald auslaufen würde." Migros war vergangenes Jahr von Release 4.5b auf R/3 Enterprise umgestiegen, da die Wartung der Vorgängerversion Ende 2003 zu Ende ging.

Mit dem Umstieg der R/3-Klientel auf Mysap ERP will SAP zudem verhindern, dass Kunden Integrations- beziehungsweise Portallösungen von Firmen wie IBM, Bea, Plumtree und Microsoft erwerben. Zum ERP-Produkt gehört dann auch die Integrationsplattform Netweaver, die aus Sicht der SAP konkurrierende Plattformen überflüssig machen soll.

Abb: Generationswechsel eingeleitet

SAP macht Druck, damit Anwender vom im Jahr 1992 eingeführten R/3 auf den Nachfolger Mysap ERP umsteigen. Quelle: SAP AG