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16.05.2006

SAP - nur die Börse zählt

Der größte deutsche Softwarehersteller legt die Messlatte für den eigenen Erfolg hoch. Bis 2010 soll sich der Marktwert verdoppeln.

Wenn wir alle alles geben, kann dieses Unternehmen in die alleroberste Liga der globalen Unternehmen aufsteigen." Neben Jürgen Klinsmann verfolgt auch SAP-Vorstandssprecher Henning Kagermann ehrgeizige Pläne. Konzentriert sich für den Coach der deutschen Nationalelf alles auf das Finale am 9. Juli in Berlin, visiert der Chef des größten europäischen Softwarehauses den 31. Dezember 2010 als Ziellinie an. Bis dahin sollen die Umsätze deutlich zulegen, die Kundenzahl von derzeit 35000 auf 100000 steigen und der Börsenwert auf rund 90 Milliarden Euro klettern.

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300 Millionen Prämie

Wie auch die Fußballrecken nur gegen Bares gegen den Ball treten, muss auch Kagermann tief in die Tasche greifen, um seine Mitstreiter zu Höchstleistungen anzuspornen. Rund 300 Millionen Euro in bar hat der habilitierte Physiker ausgelobt. Als Zielvorgabe gilt es, die Marktkapitalisierung bis Ende 2010 auf 89,6 Milliarden Euro zu hieven und die SAP-Aktie über der Entwicklung des Goldman Sachs Technology Index (GSTI) zu halten. Die Verteilung der Boni regelt der "Incentive Plan 2010". Demnach sollen an Vorstand, Führungskräfte und besondere Leistungsträger im Erfolgsfall jeweils 100 Millionen Euro ausgeschüttet werden. "Wir wollen sicherstellen, dass Vordenker und Leistungsträger ihr Handeln im Unternehmen an diesem längerfristigen Ziel ausrichten", sagte SAP-Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender Hasso Plattner.

Während die zurückliegenden Ergebnisse der Nationalelf nicht gerade Anlass zur Hoffnung gaben, konnte Kagermann seine Zuversicht zuletzt auf der Hauptversammlung des Softwarekonzerns mit konkreten Zahlen begründen. So habe der Aktienkurs allein in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres um rund 17 Prozent auf 179 Euro je Papier zugelegt. Ende März habe die Marktkapitalisierung des Konzerns bereits 57 Milliarden Euro betragen. Inzwischen ist der Höhenflug an der Börse jedoch gestoppt. Das SAP-Papier rangiert wieder deutlich unter 170 Euro.

Allerdings entwickle sich SAP schneller als der Markt, betonte der SAP-Chef. Wuchs das weltweite Geschäft mit Business-Software 2005 um fünf Prozent, legten die SAP-Einnahmen um 13 Prozent zu. Mit Lizenzen verdienten die badischen Softwerker zuletzt 18 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Für das laufende Geschäftsjahr bestätigte der SAP-Chef die eigenen Prognosen. So strebt der Softwarehersteller 2006 ein Plus bei den Lizenzeinnahmen von 15 bis 17 Prozent auf etwa 3,2 Milliarden Euro an. Das Pro-forma-Ergebnis pro Aktie soll zwischen 5,80 und sechs Euro betragen nach 5,01 Euro im zurückliegenden Geschäftsjahr. Wachstumstreiber würden einmal mehr die USA sein. Hier legten die Lizenzumsätze zuletzt um über 30 Prozent zu. Für Europa und Deutschland rechnen die Walldorfer indes nur mit Steigerungsraten im einstelligen Prozentbereich.

Damit die Wachstumshoffnungen der SAP in Erfüllung gehen, wird jedoch das Softwaregeschäft insgesamt eine neue Dynamik entwickeln müssen. Laut Rechnung des SAP-Managements soll der adressierbare Markt für Business-Software von weltweit 30 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr auf rund 70 Milliarden Dollar im Jahr 2010 anwachsen. Nur wenn sich diese These bewahrheitet, dürfte der künftige Geschäftserfolg SAPs gesichert sein.

SAP will organisch wachsen

Durch die Entwicklung der zurückliegenden Quartale sieht Kagermann seine Strategie bestätigt. SAP wolle auch in Zukunft organisch wachsen. Zukäufe dienten lediglich dazu, das eigene Portfolio in puncto Technik beziehungsweise Branchen-Know-how zu erweitern. SAP habe in den vergangenen zwei Jahren rund 500 Millionen Euro für Akquisitionen ausgegeben, sagte der SAP-Lenker, "und damit Marktanteile gewonnen". Wettbewerber hätten dagegen 19 Milliarden Dollar in Zukäufe gesteckt, die Position gegenüber der SAP im Markt für Business-Software aber nicht verbessern können, stichelte er in Richtung Oracle, ohne den Konkurrenten jedoch beim Namen zu nennen.

In Analystenkreisen ist man geteilter Meinung über die Aussichten für die ehrgeizigen Pläne. Während die Finanzexperten die Entwicklung des Aktienkurses wohlwollend kommentieren, warnen Beobachter des Softwaremarkts vor Euphorie. In den vergangenen Jahren hätten sich die Großen im Softwaregeschäft zunehmend als Komplettanbieter in den Vordergrund gedrängt und die Konsolidierung des Marktes vorangetrieben, berichtet Jim Shepherd von AMR Research. Künftig werde es aber verstärkt darum gehen, mit Hilfe von Softwarepartnern Ökosysteme rund um die eigenen Plattformen zu bauen, um die individuellen Kundenbedürfnisse zu erfüllen. Die Softwareindustrie stehe damit vor einschneidenden Veränderungen.

Großer Anreiz - großer Auftrag

Auch innerhalb der SAP-Führung scheint es durchaus Zweifel zu geben, wie sich der Markt künftig entwickeln wird. Nach jeder erfolgreichen Phase gab es Fragen, wie lange die gute Entwicklung anhalten könne, berichtete Kagermann aus seiner persönlichen Erfahrung. "Auch ich kann diese Frage heute nicht beantworten", räumte er ein. Allerdings habe SAP die Möglichkeit, selbst die nächste große Welle ins Rollen zu bringen. "Dies ist für mein Team und mich ein großer Anreiz - aber auch ein sehr großer Auftrag." Ähnliches sagte auch Klinsmann auf die Frage nach den Chancen Deutschlands, Weltmeister zu werden. (ba)