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SAP öffnet sich .NET und Websphere

22.10.2004
Weil SAP eingesehen hat, dass sich Netweaver nicht immer als einzige Standardinsfrastruktur etablieren lässt, gibt es Schnittstellen zu den Plattformen von IBM und Microsoft.

Die Vermarktungsstrategen von SAP propagieren das System als Standardinfrastruktur für den Kunden. Die setzen aber oft schon IBMs Websphere-Plattform beziehungsweise in Microsofts .NET-Technik ein, entwickeln für diese Umgebungen eigene Software oder betreiben auf ihnen Applikationen. Solche Anwender wünschen sich Mechanismen, um diese bestehende IT-Landschaft mit Netweaver zu verbinden. SAP, Microsoft und IBM haben deshalb Teams zusammengestellt, die sich um die Interoperabilität zwischen Netweaver und der jeweiligen Konkurrenzplattform kümmern sollen.

Zu den Anknüpfungspunkten zwischen .NET und Netweaver zählt ein unlängst fertig gestelltes "Enterprise Portal Development Kit for .NET 1.0". Dieses Modul gestattet es dem Softwareentwickler, in Microsofts "Visual Studio .NET" Portalmodule ("SAP .NET Iviews") für SAPs "Enterprise Portal 6.0" zu bauen. Das objektorientierte Entwicklungspaket wird hierzu um eine SAP-spezifische Klasse erweitert, die Eigenschaften von ASP.NET erbt. Für den Anwender ähnelt der Entwicklungsvorgang dem für eine ASP.NET-Seite.

Über solche Iviews können Nutzer des SAP-Portals auf .NET-Applikationen zugreifen, darunter auch auf solche, die noch auf COM- beziehungsweise DCOM-Technik basieren. Hierbei sorgen "SAP .NET Controls" für das Look and Feel von SAP-Oberflächen. Auf die Funktion "Drag & Relate", eine Besonderheit des Enterprise Portal, müssen die Anwender jedoch verzichten.

Ein "Interoperability Framework" agiert als Übersetzer zwischen den Programmierschnittstellen des Java-Servers, auf dem das SAP-Portal läuft, und dem .NET-Server. Beide Umgebungen können auch gemeinsam auf einem Computer (unter Windows) installiert sein. Die Kopplung funktioniert neuerdings aber auch zwischen Windows- und Unix-Systemen beziehungsweise zwischen Windows- und Unix-Clustern.

Integration von R/3 und Mysap

Zur .NET-Integration von R/3 und Mysap dient der "SAP .NET Connector". Die erste Version dieses Koppelelements ist bereits seit November 2002 verfügbar. Ihm wurde die Aufgabe zuteil, bestehende BAPIs und Remote Function Calls (RFCs) mit der .NET-Umgebung zu verknüpfen. Falls das SAP-System auf dem "Web Application Server" (WAS) läuft, erhält der Konnektor die Schnittstellenbeschreibungen im XML-Format der Web Services Description Language (WSDL), die Kommunikation mit der SAP-Software vollzieht sich über das Simple Object Access Protocol (Soap). Im Falle eines R/3-Systems (ab 4.0B) spricht der .NET Connector die SAP-Schnittstellen direkt an.

Die nun freigegebene Version 2.0 des Konnektors gestattet es dem Nutzer, alle Geschäftsobjekte der SAP-Umgebung unter Visual Studio .NET im "Server Explorer" anzuzeigen und per Drag and Drop in das aktuelle Entwicklungsprojekt einzubinden. Auf diese Weise könnte der Programmierer beispielsweise bestimmte BAPIs eines R/3-Systems auswählen und die darin enthaltenen Datenfelder ansprechen. Eine weitere Neuheit des Konnektors ist die Unterstützung von Visual Basic .NET.

Outlook-Mails im SAP-Portal abrufen

Damit SAP-Nutzer ihre in Outlook gespeicherten E-Mails im Enterprise Portal betrachten können, ersannen die Microsoft- und SAP-Entwickler eine Single-Sign-on-Komponente. Dabei werden die zur Anmeldung an SAP-Applikationen verwendeten "Logon Tickets" über eine "Ticket Bridge" an einen Web-Server ("Internet Information Server") weitergeleitet, der die Benutzerumgebung "Outlook Web Access" bereitstellt.

Weitere geplante Schritte in Sachen .NET/Netweaver sind eine Integration des "Sharepoint Portal Server" und des "Exchange Server" von Microsoft in SAPs "Knowledge Management" sowie die Anbindung des "Content Management Server" in Enterprise Portal. Ferner arbeiten beide Seiten daran, ihre Integration Broker "Exchange Infrastructure" beziehungsweise "Biztalk" aufeinander abzustimmen. So soll es möglich sein, Web-Services-Transaktionen über entsprechende Messaging-Mechanismen plattformübergreifend abzuwickeln. Hier werden Spezifikationen wie Business Process Execution Language (BPEL), Web Services Interoperability (WS-I) und Web Services Reliable Messaging (WS-RM) zum Tragen kommen.

IBM und SAP schwören auf Java und Eclipse

Während .NET und Netweaver sich technisch stark unterscheiden, gibt es zwischen IBMs Websphere und der SAP-Plattform manche Übereinstimmungen. So verwenden beide Plattformen Java als Ablaufumgebung für Anwendungen. Ferner nutzen die Hersteller das Open-Source-Framework "Eclipse" zur Entwicklung. Somit stützen sich "Websphere Studio Application Developer" und "Netweaver Developer Studio" auf die gleiche Architektur, was das Schreiben von Programmen für die jeweils andere Infrastrukturlösung wesentlich vereinfacht. Beispielsweise können Websphere-Entwickler Java-Klassen schreiben, die auf Schnittstellen von SAPs Business-Applikationen zugreifen. Entsprechende Plug-ins gibt es bereits.

Es gibt mehrere Optionen für die Portalkopplung

Ähnlich wie im Fall von Microsofts .NET steht auch für Websphere ein Entwicklungspaket für Iviews zur Verfügung. Mit dem "Portal Development Kit for Websphere" baut der Anwender Iviews, mit denen SAP-Nutzer auf Websphere-basierende Applikationen zugreifen kann.

Um auch eine Interoperabilität zu erreichen, lassen sich die Portale von SAP und IBM über eine erweiterte URL-Integration miteinander verbinden. Dabei würde der Websphere-Portal-Nutzer beispielsweise über einen Button oder definierten Absprung in der Navigation das Enterprise Portal als Iframe (Portal-in-Portal) aufrufen oder umgekehrt. Auf diese Weise können Unternehmen ihre über das SAP-Portal zugänglichen Anwendungen wie etwa "Mysap Manager Self Service" (MSS), eine Komponente von Mysap ERP, in das Websphere-gestützte Firmenportal einbinden. Ein gemeinsames Single-Sign-on-Konzept erspart es dem Anwender dabei, sich zweimal anmelden zu müssen. Darüber hinaus ist es möglich, die Navigation und das Look and Feel der beiden Portalumgebungen aneinander anzupassen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, beide Portale über eigenständige HTTP-Sessions zu bedienen. Hierbei müsste der Nutzer dann zwischen beiden Sitzungen wechseln ("Portal Switching").

Integration Broker sprechen Soap oder JMS

Auch die Integrationslösungen von IBM und SAP lassen sich zusammenführen. Dies ist erforderlich, um Mysap-Software mit Websphere-Applikationen zu verknüpfen. So verbindet ein "Websphere Business Integration Adapter" die "Exchange Infrastructure" von SAP mit dem IBM-Broker. Beide tauschen dabei Daten per Java Messaging Services (JMS) oder Soap aus. JMS dient der asynchronen Kommunikation zwischen XI und "Websphere MQ" während Soap den synchronen Informationstransfer mit dem "Websphere Interchange Server" bewerkstelligt. Eine weitere Option liefert die Java Connector Architecture (JCA). SAP hat XI 3.0 mit einem JCA-kompatiblen "Adapter Framework" versehen, für das Softwareanbieter JCA-Adapter entwickeln können. Dazu zählen auch IBMs JCA-Koppelelemente für Websphere Business Integration.

Web-Services erlauben künftig adapterlose Anbindung

Zukünftig können Anwender, die IBMs und SAPs Integrationsprodukte gemeinsam einsetzen, auf Adapter verzichten, da sich beide Systeme direkt über Web-Services koppeln lassen. Hier mangelt es jedoch noch an Standards wie WS-RM (RM = Reliable Messaging), die für eine zuverlässige Transaktionsverarbeitung im Web-Services-Umfeld sorgen. In Zukunft sollen Firmen zudem in der Lage sein, die Business-Process-Management- und Workflow-Engines beider Firmen zusammenzuschalten.

Die Integration der Lotus-Produktfamilie der IBM in die SAP-Umgebung ist nur zum Teil realisiert. Über "Inotes Web Access" greifen Benutzer des Enterprise Portal auf ihre E-Mail- und Kalenderumgebung in Lotus Notes zu. Die Instant-Messaging-Komponente "Lotus Sametime" hingegen wurde noch nicht entsprechend eingebunden. Gleiches gilt für die Collaboration-Software "Lotus Team Workplace" (vormals "Lotus Quickplace"). Heute schon verfügbar sind Schnittstellen, um in Lotus Notes gespeicherte Dokumente über SAPs Knowledge Management zu nutzen. Für die erforderliche Ankopplung fremder Datenspeicher (Repositories) haben die Walldorfer das Repository Manager API definiert. Auf diese Weise lassen sich Notes-Dateien mittels der Suchmaschine "Trex" klassifizieren. An die besagte SAP-Schnittstelle soll künftig auch IBMs Dokumenten-Management-Lösung "Content Manager" angebunden werden.