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12.05.2006

SAP-Partnern fehlt noch SOA-Praxis

Acht SAP-Dienstleister im Vergleich: Wer hilft in SOA-Projekten am besten weiter?

Bevor SAP-Kunden eine Service-orientierte Architektur (SOA) im ganzen Unternehmen einführen, benötigen sie einen Gesamtüberblick über die einzelnen Puzzleteile, die sie im Rahmen eines solchen Vorhabens zusammenfügen wollen. Um zu erkennen, wie die einzelnen Services zueinander passen, sind eine Blaupause der gesamten Unternehmensarchitektur und eine EA-Methode (Enterprise Architecture) für die Umsetzung hilfreich. Anwenderunternehmen verfügen in der Regel über wenig Erfahrung in diesem Umfeld und ziehen daher zumeist externe SAP-Consulting-Häuser zu Rate. Die Marktforscher von AMR Research haben daher die EA-Methoden acht in Europa aktiver IT-Dienstleister einer näheren Betrachtung auf ihre SOA-Tauglichkeit hin unterzogen.

Hier lesen Sie …

Wer braucht eine Architektur?

Jeder SAP-Kunde benötigt laut AMR Research eine unternehmensweite Architektur (Enterprise Architecture), um

• der Vielzahl von Projekten im Unternehmen mit ihren unterschiedliche Anforderungen ein gemeinsames Dach zu bieten;

• einheitliche Prozesse, Ser- vices, Schnittstellen und Tool-Standards zu definieren;

• das über das gesamte Unternehmen erforderliche Mit- arbeiterwissen zu festigen;

• SAPs ESA Adoption Roadmap, die vornehmlich auf die Nutzung der Netweaver-Technik zielt, um eine unternehmensweite EA-Methode zu ergänzen.

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www.computerwoche.de/

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Viele Experten betreiben wenige Projekte

Enterprise- Enterprise-Archi- Reifegrad,

Architecture- tecture-Projekte laut Berater mit europäischen AMR Research SAP-Kunden

Accenture >500 185 44

Atos Origin 40 20 44

Bearingpoint 20 12 44

Capgemini >300 25 444

CSC 50 10 44

Deloitte >400 3 4

HP >900 keine Angaben 44

IBM >100 20 44

Legende: 444Anbieter mit detaillierter Enterprise-Architecture-Methode, sehr gutem Erfahrungsschatz und tiefem SAP-Verständnis; 44Anbieter mit detaillierter Enterprise-Architecture-Methode und gutem Know-how; 4Anbieter ohne ausgeprägte Enterprise-Architecture-Methode.

Accenture hat viel investiert

Der US-amerikanische IT-Dienstleister Accenture betreibt weltweit sämtliche Projekte auf Basis der "Accenture Delivery Method". Speziell für SAP-Vorhaben gibt es zudem die leicht abgewandelte Form "Delivery Method for SAP" die speziell auf den Lifecycle-Prozess zugeschnitten ist. In beide Einführungsverfahren fließen zum einen vorgefertigte SOA-Muster, zum anderen auch ESA-Content (Enterprise Services Architecture) beziehungsweise -Profile ein, Ziel ist ein detailliert beschriebenes Framework.

Insgesamt verfügt Accenture über eines der weltweit größten SAP-Expertenteams. Im vergangenen Jahr hat der Anbieter nochmals kräftig investiert und ein Netweaver Innovation Center in Walldorf eröffnet. AMR Research attestiert dem Anbieter gutes Wissen über EA-Methoden, außerdem kann Accenture bereits auf einige Implementierungen bei SAP-Kunden in Europa verweisen. Dennoch: Etwas mehr Erfahrung im SOA-Umfeld könnte Accenture nicht schaden, meinen die Marktforscher.

Atos Origin schaut auf Prozesse

Die "Atos Enterprise Architecture Methodology" konzentriert sich darauf, einen hochwertigen Gesamtplan beziehungsweise einen EA-Governance-Prozess zu entwerfen, lässt aber konkrete Angaben im Detail vermissen. Die Methode des französischen IT-Dienstleisters orientiert sich am Togaf-Entwurf (The Open Group Architecture Framework), der Empfehlungen für Entwurf, Planung, Implementierung und Wartung von unternehmensweiten IT-Installationen formuliert und der von Atos Origin um eigene Definitionen erweitert wurde. So berücksichtigt die hauseigene EA-Einführungs-Methode die Empfehlungen, Beschränkungen und Profile von SAPs ESA-Initiative. SAP-Kunden können von Atos Origin einen eng am Kerngeschäft ausgerichteten ESA-Masterplan erwarten. Der Anbieter punktet mit sehr gutem EA-Know-how, doch das SOA-Praxiswissen mit SAP-Kunden ist ausbaufähig.

Bearingpoint prüft den Nutzen

Bearingpoint hat seine weltweit angewandte Delivery-Methode "Provencourse" vor rund eineinhalb Jahren um SOA-Muster erweitert. "Provencourse for SOA" bietet einen ESA-Blueprint in fünf Phasen, der in Walldorf entwickelt wurde und sich an der Asap-Implementierung (Accelerated SAP) orientiert. Die Methode sieht ein unternehmensweites SOA Competence Center vor und bietet Möglichkeiten, um die Geschäftsvorteile, die entsprechende Vorhaben bieten können, besser abzuschätzen. Bearingpoint zeigt enorm gutes Verständnis für EA-Methoden, AMR Research attestiert dem Unternehmen aber auch noch praktischen Nachholbedarf im europäischen SAP-Markt.

Capgemini ist erfahren

Seit elf Jahren nutzt Capgemini das "Integrated Architecture Framework" (IAF) als Planungs-Tool für EA-Projekte. Damit kann der Service-Provider auf eine sehr reife und detaillierte Lösung verweisen. Das Framework orientiert sich ebenfalls an Togaf-Methoden, bietet aber insgesamt eine komplettere Ausführung. Darüber hinaus nutzen die Berater in SOA-Projekten auch das "Infrastructure Design Framework" (IDF), ein detailliertes Vorgehensmodell für die Einrichtung einer SOA-konformen Infrastruktur. Es schafft die Basis für dynamische Web-Services und SAPs Adaptive Computing Infrastructure. Capgemini ist der Anbieter, der die strengsten Zertifikationsanforderungen an seine Berater stellt und dem AMR-Analysten den tiefsten Einblick in Enterprise-Architecture-Projekte für SAP-Kunden attestiert.

CSC entwirft detaillierte Pläne

CSC nutzt derzeit die fünfte Version des Delivery-Modells "Catalyst Enterprise Architecture", das auch Muster für SOA-Projekte umfasst. Nach dem darin definierten Schema arbeiten alle CSC-Berater weltweit. Die Methode beschreibt eine detaillierte Architektur, die sowohl selbst entwickelte Softwarelösungen als auch Standardpakete berücksichtigt. Das Gewicht des Vorgehensmodells liegt auf dem Lifecycle-Support. CSC kann auf ein tiefes Verständnis der Materie verweisen, solange Enterprise-Architecture-Vorhaben gefragt sind. SOA-Projekte mit SAP-Kunden sind bislang jedoch noch spärlich gesät, meinen die ARM-Analysten.

Deloitte hat viele Experten

Deloitte hat sich lange Zeit als europäischer Marktführer für SAP-Implementierungen brüsten können. Das in den Projekten gewonnene Know-how fließt in die "Enterprise Value Map for SAP", die "Enterprise Value Delivery for SAP Methodology" und eine "SOA Strategic Transformation Roadmap" ein. Diese Vielzahl kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine umfassende Methode fehlt. In die Waagschale kann Deloitte aber die sehr große Zahl erfahrener Netweaver-Experten werfen. Deloitte nähert sich den Projekten zumeist von einer geschäftsorientierten Sichtweise an und entwirft eine Roadmap, die den Einsatz von bestimmten Techniken für eine SOA empfiehlt. Deloittes Stärke ist das breite Branchenwissen, die Schwäche die dürftige EA-Methode.

HP managt die Infrastruktur

Auch Hewlett-Packard (HP) hat den Togaf-Ansatz aufgegriffen und daran die weltweite Projektmethode "Global Method for IT Strategy and Architecture" (ITSA) ausgerichtet. HP-Berater findet man vornehmlich in den Branchen Fertigung und Versorgung. Speziell für Kunden aus diesen Marktsegmenten hat HP die "Manufacturing and Distribution Industries Reference Architecture" (Mira) entwickelt, die, basierend auf dem hauseigenen ITSA-Modell, SAP-ESA-Profile und Inhalte einarbeitet. Im Ergebnis liefert HP einen detaillierten Entwurf für virtuelle Umgebungen mit dynamischen Web-Services. Ergänzend bietet HP mit dem "Openview SOA Manager" ein Tool für das Lifecycle-Management der Services und der darunter liegenden Infrastruktur. Das ist in diesem Umfeld außergewöhnlich, doch im SAP-Consulting-Markt muss sich HP erst ein Profil verschaffen.

IBM muss konsolidieren

Als führender Anbieter von Infrastruktursoftware und Beratungsdiensten folgt der IBM-Konzern mehreren Vorgehensmodellen, darunter das "Component Business Model" (CBM) und die "Service-Oriented Modeling and Architecture" (Soma). CBM spricht die geschäftsorientierten Vorhaben an. Soma konzentriert sich auf IT-lastige SOA-Projekte und unterteilt sie in die Phasen Identifikation, Spezifikation und Realisation. IBM-Berater kennen sich sehr gut im EA-Umfeld aus, sie haben bereits einige Projekte für europäische SAP-Kunden betrieben. Big Blue unterhält zudem eines der weltweit größten SAP-Expertenteams. Wie auch immer: IBM sollte die Vielzahl der Einführungsmodelle konsolidieren und deren sinnvolle Anwendung in SAP-Kundenprojekten demonstrieren, rät AMR Research.

Wahlempfehlungen

Die meisten SAP-Kunden befinden sich noch im Frühstadium einer SOA- oder ESA-Einführung. Zumeist folgen die Projekte keinen strategischen, sondern taktischen Überlegungen. Dennoch werden aus der Hälfte der Projekte in den kommenden drei Jahren strategische Vorhaben entspringen, vorausgesetzt, ein bewährtes Vorgehensmodell kommt zur Anwendung. Um den richtigen Partner zu finden, sollten die Anwender besonderes Augenmerk auf die Reife der Einführungsmethoden legen. Fehlendes Netweaver- und ESA-Know-how können sie den IT-Dienstleistern verzeihen. Mit Wissenslücken um eine Enterprise-Architecture-Modellierung sollten sie nicht so großzügig verfahren. (jha)