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04.04.1997 - 

Walldorfer liebäugeln mit mehr individuellen Kundenprojekten

SAP peilt Umsatzgröße von fünf Milliarden Mark an

Wie schon Anfang Februar in einer vorläufigen Bilanz veröffentlicht, konnte die SAP AG in ihrem 25. Geschäftsjahr den Umsatz 1996 gegenüber dem Vorjahr um 38 Prozent auf 3,72 Milliarden Mark steigern. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit vor Steuern wuchs um 43 Prozent auf 967 Millionen Mark. Der Gewinn nach Steuern konnte aufgrund der gestiegenen Ergebnisse in Ländern mit hoher Steuerquote nicht ganz mithalten und erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent auf 568 Millionen Mark. Der Gewinn je Aktie stieg von vier auf 5,48 Mark.

Trotz dieser guten Kennzahlen sprach Hopp von einem "recht spannenden Jahr 1996 mit Höhen und Tiefen". Der SAP-Chef hob in diesem Zusammenhang auf die im Frühjahr vergangenen Jahres für heftigen Wirbel sorgende Forrester-Studie ab, die den Walldorfern eine fehlende Internet-Strategie vorgeworfen hatte. Kritik hatte es außerdem für die zu früh getroffene Oktoberprognose gegeben, die man anschließend hatte revidieren müssen. Unter dem Eindruck eines für SAP-Verhältnisse ausgesprochen schlechten dritten Quartals mit Einnahmen von lediglich 778 Millionen Mark hatte der Vorstand die Umsatzerwartung für das gesamte Geschäftsjahr von 3,8 auf 3,5 Milliarden Mark korrigiert - eine Fehleinschätzung, wie sich nach dem außerordentlich guten Geschäftsverlauf im vierten Quartal herausstellte.

Die Folge der zu pessimistischen Prognose war ein Kurssturz der SAP-Aktie von rund 30 Prozent binnen zwei Wochen. "Wir müssen lernen, in Zukunft die Erwartungen der Analysten besser zu managen", zog der SAP-Chef nun ein selbstkritisches Fazit aus dem Oktober-Crash. Die in den USA teilweise gängige Praxis, Quartalszahlen "zu glätten", um in der Folge mit einem außerordentlich guten Jahresabschluß die Stimmung an den Aktienmärkten positiv zu beeinflussen, lehnte Hopp jedoch kategorisch ab.

Ebenso ist er gegen Ad-hoc-Meldungen im Vorfeld eines Quartalsberichts, falls es dazu "keinen konkreten Anlaß gibt".

Den Rest der Bilanzpressekonferenz verwendete Hopp, um die weiteren Ziele des Unternehmens zu erläutern. So soll unter anderem die Einführungszeit für R/3 beim Kunden weiter verkürzt werden. Die Frage nach der Dauer einer Implementierung sei um so wichtiger, je näher der Jahrtausendwechsel heranrücke, hieß es. Der SAP-Chef geht dabei schon für das laufende Jahr - insbesondere aber für 1998 - von einem Boom aus, weil seiner Aufassung nach es sich kein Unternehmen leisten kann, "noch 1999 mit einer zweistelligen Jahreszahl zu operieren". Aus diesen Geschäftserwartungen sowie der ebenfalls bei vielen Unternehmen anlaufenden Umstellung auf den Euro resultiert auch die Prognose des SAP-Vorstands in puncto Umsatzwachstum für 1997, die auf 25 bis 30 Prozent beziffert wurde. Damit käme man schon relativ nahe an die Fünf-Milliarden-Mark-Grenze.

Mit einem Anteil des Auslandsgeschäfts von 75 Prozent am Konzernumsatz habe man, so der SAP-Chef, mittlerweile "den Weltmarkt erobert". Hauptsächlich ausschlaggebend für den Erfolg war und ist laut Hopp die Tatsache, daß man in Walldorf und im Markt "den Glauben an die Zukunftsfähigkeit von R/3 nicht verloren hat". Immerhin seien die Einnahmen aus dem reinen Softwaregeschäft auch im abgelaufenen Geschäftsjahr wieder höher als die der drei Wettbewerber Baan, Oracle und Peoplesoft zusammen gewesen, rechnete der SAP-Chef vor. Speziell zum niederländischen Konkurrenten habe sich der Abstand beim Umsatz, Gewinn und den Lizenzeinnahmen "erheblich vergrößert".

Trotzdem gebe es in der Zwischenzeit einen breiten Konsens darüber, den Standardumfang von R/3 nicht "zu überfrachten". Um dennoch die immer spezifischer werdenden Anforderungen der Kunden zu erfüllen, sollen wieder mehr individuelle Kundenprojekte realisiert werden, kündigte Hopp an. SAP-Vize Hasso Plattner sprach in diesem Zusammenhang von einer partiellen Rückkehr zu den Anfängen des Unternehmens in den 70er Jahren, als die Walldorfer fast ausschließlich beim Kunden entwickelten. Dies bedeute "nicht den Abschied von der Standardsoftware", man werde aber wieder verstärkt vor Ort auf "entwickelnde Berater" setzen müssen.

Zudem soll beim Hauptumsatzträger R/3 1997 mit geplanten 300 neuen Kunden der für Deutschland seit längerem versuchten Mittelstandsoffensive endgültig zum Durchbruch verholfen werden. Unabhängig davon sei man hierzulande, so Hopp, schon heute mit 50 Prozent aller R/3-Neuinstallationen bei Unternehmen mit weniger als 350 Millionen Mark Jahresumsatz "auch in diesem Bereich längst Marktführer".