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29.11.2002 - 

Angeblich verschleppt das Verteidigungsministerium Entscheidungen

SAP-Projekt der Bundeswehr stockt

MÜNCHEN (mo) - Die SAP-Einführung bei der Bundeswehr kommt nicht so schnell voran wie geplant. Unklare Zuständigkeiten im Verteidigungsministerium und fehlende Fachkräfte behindern den schnellen Fortgang des R/3-Projekts.

Nach Darstellung der Bundeswehr handelt es sich in erster Linie um organisatorische Probleme, die nicht über das übliche Maß solcher Großprojekte hinausgehen. Damit widerspricht die Behörde einem Bericht des "Handelsblatts", in dem die Schwierigkeiten dargestellt worden waren. Das Projekt läuft unter der Bezeichnung "Standard-Anwendungs-Software Produkt-Familien" (SASPF). Es sei Viertel vor zwölf, zitiert die Wirtschaftszeitung Projekt-Manager Adolf-Peter Bröhl, der auf einer Expertentagung in Bonn gesprochen hatte. In einem Beitrag für die SAP-Kundenzeitung "Sapinfo" kritisiert Bröhl, die Abstimmung in der heutigen Bundeswehrorganisation sei unzureichend und zeitaufwändig. Die Verantwortlichkeiten müssten klarer, die Entscheidungswege kürzer werden.

Die Einführung von R/3 bei der Bundeswehr ist auf mehrere Jahre ausgelegt. Das Projekt, an dem 300 Personen mitarbeiten, umfasst drei Phasen und läuft bis 2006. In der Endausbaustufe sollen 45000 Anwender mit der Software arbeiten. Rund 1000 bestehende Systeme sollen durch die Software abgelöst werden. Allein im laufenden Jahr beträgt das Budget für externe Beratungsleistungen 70 Millionen Euro. Ein wesentlicher Teil fließt dabei in begleitende Maßnahmen wie Organisationsberatung. Zum Beispiel kennt die Bundeswehr bislang kein betriebliches Rechnungswesen, wie es mit R/3 etabliert werden soll. Die größte Herausforderung stellt der Umfang der Integration dar. Über die gesamte Projektlaufzeit müssen 25 Teilprojekte integriert werden.

Die erste Ausbaustufe umfasst darüber hinaus ein strategisches Entwicklungsprojekt, bei dem mobile und autarke SAP-Komponenten entwickelt werden sollen. Damit kann die Software auch von im Ausland stationierten Soldaten unabhängig von dem Zentralsystem eingesetzt werden. Der Abschluss dieser Entwicklung ist für Ende 2003 vorgesehen, der Rollout für Anfang 2004. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums betonte, dass das Projekt im Rahmen der Erwartungen ablaufe. Natürlich gebe es Verzögerungen und Reibungsverluste in Teilprozessen, die aber nicht über das hinausgingen, was im Rahmen solcher Großprojekte üblich sei.

Das Vorhaben wird zunächst unabhängig von dem Outsourcing-Projekt Herkules betrieben. Mit Herkules soll die Standard-Informations- und -Kommunikationstechnik der Bundeswehr auf eine eigenständige IT-Gesellschaft übertragen werden, an der der Bund maximal 49,9 Prozent Eigentumsanteile hält.

Frage um Outsourcing-Gesellschaft bleibt offen

Für die Mehrheit von 50,1 Prozent wird zurzeit in einem europaweiten Vergabeverfahren ein Partner gesucht. Angeblich soll ein Konsortium aus Mobilcom, CSC Ploenzke und EADS bereits den Zuschlag erhalten haben. Durch die Insolvenzdiskussion um Mobilcom macht sich aber auch die konkurrierende Bietergruppe aus IBM, Siemens Business Services (SBS) und T-Systems wieder Hoffnung. Bei Herkules soll die interne und externe Kommunikation der Bundeswehrverwaltung sowie der drei Waffengattungen (Heer, Luftwaffe, Marine) samt Auslandsdienststellen und mobilen Einheiten in den möglichen Einsatzgebieten in einer homogenen Infrastruktur zusammengeführt werden. Rund 140000 PC-Arbeitsplätze sind zu betreuen, 300000 Fernsprechteilnehmer suchen Anschluss.

Die SAP-Einführung ist offiziell nicht Teil von Herkules und erfolgt durch eine bundeswehreigene IT-Gruppe mit Unterstützung der SAP. Über die externen Beratungsleistungen in Höhe von 70 Millionen Euro gibt es eigene Verträge, die unabhängig vom Ausschreibungsverfahren für Herkules geschlossen worden sind. Die beiden Projekte seien vertragstechnisch voneinander getrennt, erklärt ein Sprecher im Bundesverteidigungsministerium. Die Verzögerungen beim Vertragsabschluss von Herkules haben daher zunächst keinen direkten Einfluss auf SASPF. Auch umgekehrt sollten mögliche Verzögerungen bei der SAP-Einführung das Vergabeverfahren von Herkules nicht berühren.

Aber natürlich gibt es konzeptionelle Abhängigkeiten. So wird der spätere Betrieb, also Wartung und Administration der SAP-Anwendung, über die im Rahmen von Herkules zu gründende Outsourcing-Organisation abgewickelt. Außerdem wird die Informations- und Kommunikationstechnik im Zuge von Herkules modernisiert, so dass sich Schnittstellen mit SAP ergeben. Allerdings ist noch nicht klar, wie sich diese Verquickungen in der Praxis auswirken.