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07.10.2014 - 

1 Milliarde Dollar

SAP-Projekt wird für New Yorker Stromversorger zum Albtraum

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Der New Yorker Strom- und Gaslieferant National Grid kämpft mit einem außer Kontrolle geratenen SAP-Projekt. Geplant war eine Generalüberholung der Software-Infrastruktur, für die 383,8 Millionen Dollar veranschlagt waren. Inzwischen belaufen sich die Kosten auf knapp 1 Milliarde Dollar.

Bereits am 25. Juli 2014 hatte die New York Public Service Commission im Rahmen eines Audits die Kostenexplosion festgestellt, doch erst jetzt hat sie den Bericht veröffentlicht. Demnach ging das Upgrade der SAP-Infrastruktur bei National Grid bereits im November 2012 live - zeitgleich in etwa mit dem historischen Hurrikan "Sandy", der damals an der amerikanischen Ostküste wütete. Schon kurz nach dem Go-Live begannen die Probleme, die vor allem den Bereich Lohn und Gehalt betrafen. Das Chaos rund um die Naturkatastrophe mit den anschließenden Aufräumarbeiten sollen die Schwierigkeiten noch verstärkt haben.

Der Versorger musste 450 Experten hinzuziehen, um das Payroll-Problem zu lösen. Dem Prüfbericht zufolge kamen weitere 400 Spezialisten dazu, die sich mit Probleme rund um Zulieferketten und Finanzabschlüssen beschäftigt hätten. So sollen im Geschäftsjahr 2015 Projektkosten von 945,1 Millionen Dollar anfallen, schreibt der "IDG News Service".

Auch in New York laufen SAP-Projekte ab und an kostenmäßig aus dem Ruder - wie jetzt bei National Grid.
Auch in New York laufen SAP-Projekte ab und an kostenmäßig aus dem Ruder - wie jetzt bei National Grid.
Foto: Beboy/Fotolia.de

Der Audit geht ins Detail, was die Ursachen für das Softwaredesaster betrifft. National Grid habe sich nicht auf "SAP-Implementierungspartner mit nachweislichen Erfolgen bei amerikanischen Versorgern verlassen", heißt es. Ursprünglich habe der Energieriese Deloitte verpflichtet, sich später aber für einen Wechsel der Partner entschieden und sowohl Ernst & Young als auch Wipro beauftragt.

Intransparentes Auswahlverfahren

Dem Versorger wird vorgeworfen, SAP als neue Plattform gewählt zu haben, ohne sich vorher ausgiebig mit anderen Behörden über deren Erfahrungen ausgetauscht zu haben. Stattdessen habe man sich weitgehend auf National Grid UK verlassen, das ebenfalls auf SAP-Software gewechselt hatte. So sei auch Wipro zum Zuge gekommen, das große Erfahrung in Europa aufweisen könne, aber mit den spezifischen regulatorischen Anforderungen an US-Versorger zuvor kaum zu tun gehabt habe.

Bevor National Grid aus einer Oracle- in eine SAP-Welt wechselte, sollen mehrere interne Stimmen vor Problemen mit dem System und der offenbar mangelhaften Vorbereitung auf einen Umstieg gewarnt haben. Bis heute kann der Versorger das SAP-System nicht vollständig nutzen. Für das Management-Reporting müssen dem Audit zufolge "komplexe Excel-Sheets" herangezogen werden.

SAP-Sprecher Andy Kendzie sagte gegenüber dem "IDG News Service", man habe die Herausforderungen, mit denen National Grid zu kämpfen habe, erkannt und arbeite gemeinsam mit dem Kunden kontinuierlich an der Behebung der Probleme.

National Grid-Sprecherin Jackie Barry erklärte zudem: "Es ist wichtig zu verstehen, dass viele der im Prüfbericht erwähnten Probleme auf den November 2012 zurückgehen, als wir das SAP-System eingeführt haben." Viele verschiedene Faktoren hätten dazu beigetragen. Doch heute laufe das System im Wesentlichen stabil.

National Grid selbst erklärte die Probleme mit einem "überambitionierten Systemdesign", teils unklaren Verantwortlichkeiten, schlechter Datenqualität in den Legacy-Systemen und wenig effektivem Training.

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