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17.10.1997 - 

Abap wird objektorientiert

SAP: Schulterschluß mit Microsoft bremst Java-Hype

Pünktlich auf die Minute schwebte der Software-Tycoon per Hubschrauber in Karlsruhe ein. In seiner folgenden Keynote-Rede betonte er die gute Zusammenarbeit mit der deutschen Softwareschmiede und stellte in Aussicht, diese Kooperation künftig zu vertiefen: "Mehr als jedes andere Unternehmen, mit dem wir arbeiten, hat SAP starken Einfluß auf unsere Produktentwicklung, und das wird in Zukunft noch zunehmen", sagte Gates. Mit einigen Seitenhieben in Richtung Sun nutzte er die Veranstaltung, um Microsofts "Distributed Internet Applications Architec- ture" (DNA) vorzustellen.

Integration von DNA und BAPIs

SAP und Microsoft kündigten eine Integration von DNA und SAPs Schnittstellen, den Business Application Programming Interfaces (BAPIs), an. Damit sollen sich DNA-basierte Software und Bausteine aus SAPs Business-Framework-Architektur, die Komponenten wie Finanzbuchhaltung und Personal-Management enthält, verbinden lassen. Unternehmen erhielten somit die Möglichkeit, verstärkt Geschäftstransaktionen via Internet auszuführen. Dazu präsentierten beide Anbieter vor rund 3000 Besuchern einen Live-Link zwischen R/3 und Microsofts "Transaction Server". In dem Beispiel wurde ein Kundenauftrag auf einem PC erfaßt und von dort einmal an ein R/3-System und parallel an eine Legacy-Datenbank mittels des Transacation Servers versendet.

Als weiteren Beweis für den deutsch-amerikanischen Schulterschluß stellten die Walldorfer den "Distributed Component Object Model (DCOM) Component Connector" vor, der Anfang 1998 verfügbar sein soll. Die Software läuft auf einem Windows-NT-Server und fungiert als Gateway zwischen Microsoft- und SAP-Anwendungen.

Anscheinend als Tribut an die neuen R/3-Installationen, die zu 45 Prozent auf Windows NT laufen, verkündeten die Walldorfer, daß die mit 4.0 verfügbaren R/3-Komponenten "Information Warehouse" sowie das Supply-Chain-Management-Werkzeug "Advanced Planner and Optimizer" (APO) auf NT-Server basieren werden.

Zur Integration von Desktop-Lösungen kündigten die Walldorfer einen "Business Client" an (ehemals SAP-GUI). Dazu wird SAP mit R/3 4.0 Microsofts Object-Linking-and-Embedding-(OLE-) Technik unterstützen. Anwender können damit Produkte wie Word, Excel, Corel Office, Lotus Smartsuite und das Modellierungswerkzeug Visio innerhalb der R/3-Welt verwenden. Da sich die SAP als Hersteller von betriebswirtschaftlichen Applikationen alle Türen bei Technologiefragen offenhält, fehlten in Karlsruhe weder Ankündigungen zu ihrer Entwicklungssprache Abap/4, noch wurden Tools für die Java-Entwicklung vergessen.

Die nächste Generation der hauseigenen Programmiersprache ist laut Hersteller eine Erweiterung von Abap/4 um objektorientierte Funktionen. "Mit Abap Objects zeigen wir den nächsten Schritt innerhalb unserer Business-Famework-Strategie", sagt Günther Tolkmit, verantwortlich für Technologie-Marketing bei SAP. Mit dem Business Framework kündigten die Walldorfer eine schrittweise Objektorientierung ihres R/3-Paketes an. Damit sollen die bisher eng gekoppelten Anwendungskomponenten künftig "lose" verbunden werden. Dadurch läßt sich laut SAP eine von den einzelnen Modulen unabhängigere Weiterentwicklung und Wartung des R/3-Systems erreichen.

Abap Objects soll mit der Version 4.0 von R/3 Ende des Jahres verfügbar sein und läßt sich für R/3 ab Version 3.0 und jünger verwenden. Das zugrundeliegende Objektmodell unterstützt Einfachvererbung sowie Kapselung, Polymorphismus und Persistenz. Enthalten sind Tools für die Individual- und Teamentwicklung. Mit der neuen Entwicklungsumgebung wird auch eine sogenannte "Abap Virtual Machine" ausgeliefert, mit der sich sowohl alte Abap/4- als auch Abap-Objects-Programme ausgeführen lassen.

Analysten werten den Schritt der SAP in Richtung Objektorientierung positiv, haben sie doch in der Vergangenheit immer wieder die stärkere Entkopplung der einzelnen Bausteine gefordert. Die Trennung der beiden großen Anwendungsblöcke Finanz-Management und der Logistikfunktionen bleiben die Walldorfer dagegen noch schuldig.

Zu Java scheint man angesichts der Microsoft-Euphorie in Walldorf ein eher nüchternes Arbeitsverhältnis entwickelt zu haben. "Durch Java wird R/3 nicht automatisch besser, aber wir werden es dort verwenden, wo wir es für angebracht halten", sagte Karl-Heinz Hess, Cheftechnologe der SAP. Programmierer können dazu künftig auf IBMs "Visual Age" zurückgreifen, wenn sie R/3 um Java-Komponenten erweitern wollen oder auf R/3-Funktionen zugreifen möchten. Entsprechende BAPIs werden zur Verfügung gestellt, so daß sich Java-Anwendungen nahtlos in R/3-Komponenten einbinden lassen. Dabei übernimmt Big Blue die Anpassung des Entwicklungswerkzeugs an die SAP-Schnittstellen.

Als weitere Neuerung in Release 4.0 stellte die Softwareschmiede den "Form Painter" vor. Mit dem Tool lassen sich per Drag and drop Anwendungsmasken erstellen, die heute noch per aufwendige Programmierung entwickelt werden müssen. Damit, so schätzt SAP-Mann Hess, lassen sich künftig rund zehn Prozent Entwicklungszeit einsparen.