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26.10.2001 - 

Peoplesoft glänzt, Siebel und i2 mit mäßigen Zahlen

SAP schwächelt in schwierigen Zeiten

MÜNCHEN (CW) - Ein Einbruch im Lizenzgeschäft, insbesondere in den USA, hat dazu geführt, dass die SAP AG ein enttäuschendes Quartalsergebnis ablieferte und ihre Erwartungen für das Fiskaljahr 2001 zurücknehmen musste. Auch Siebel und i2 haben sich nicht mit Ruhm bekleckert - Peoplesoft dagegen legte ein gutes Ergebnis vor.

Noch am 20. September hatte das SAP-Management ungeachtet der Konjunkturkrise und der Terroranschläge in den USA seine Prognose bekräftigt, im laufenden Geschäftsjahr um 20 Prozent wachsen zu können. Diese Zahl musste der weltweit führende Anbieter betriebswirtschaftlicher Standardsoftware nun angesichts eines schwachen dritten Quartals auf 15 Prozent revidieren.

SAP legte in den vergangenen drei Monaten beim Umsatz um 16 Prozent auf 1,65 Milliarden Euro zu und wies ein Konzernergebnis von lediglich 37 Millionen Euro aus - 55 Prozent weniger als im dritten Quartal 2000. Ohne akquisitionsbedingte Aufwendungen für den Kauf der Softwareschmiede Top Tier und die 20-prozentige Beteiligung an Commerce One hätte SAP unter dem Strich 78 Millionen Euro verbucht.

Desaster in den USABesonders bitter für die Walldorfer war der Rückgang im margenträchtigen Lizenzgeschäft, das um sieben Prozent auf 447 Millionen Euro schrumpfte. In den USA brach es sogar um 32 Prozent ein. Deutlich mehr als mit Software verdiente SAP mit produktnaher Beratung (524 Millionen Euro, plus 30 Prozent), Services (637 Millionen Euro, plus 28 Prozent) und Softwarewartung (548 Millionen Euro, plus 27 Prozent).

Ein Plus verbuchten die Walldorfer zu ihrem Leidwesen vor allem auf der Kostenseite: Die Ausgaben stiegen um 17 Prozent auf 1,49 Millionen Euro. Auffällig sind dabei die um 26 Prozent höheren Aufwendungen für Vertrieb und Marketing, während der Forschungs- und Entwicklungsetat um drei Prozent auf 217 Millionen Euro schrumpfte. Offenbar investiert das Unternehmen derzeit vor allem in Werbung für die neue Produktpalette Mysap.com.

Angesichts der für SAP-Verhältnisse eher mäßigen Zahlen plant der Softwarehersteller nun eine Reorganisation, in deren Rahmen anscheinend auch über den Abbau von Arbeitsplätzen nachgedacht wird. Anlässlich der Bilanzveröffentlichung war im Management von einer "Anpassung der Zahl der Mitarbeiter sowie der Mitarbeiterstruktur" die Rede. SAP-Mitgründer und Vorstandssprecher Hasso Plattner orakelte zudem in einem Interview mit dem "Tagesspiegel": "Wir haben allein in den ersten drei Quartalen 3700 Mitarbeiter weltweit eingestellt. Wenn aber die Umsätze rückläufig sind und Konjunkturspritzen nicht wirken, müssen wir neu nachdenken."

Auf der Bilanzpressekonferenz rechnete ein Journalist dem SAP-Management vor, im vierten Quartal müssten um 28 Prozent höhere Einnahmen als im soeben beendeten dritten Quartal erzielt werden, wolle SAP seine revidierte Jahresprognose von 15 Prozent Umsatzwachstum erreichen. Plattner antwortete, nach eingehender Prüfung der Aufträge, die sich gegenwärtig in der Pipeline befänden, betrachte er dieses Wachstum als realistisch.

Besonders stolz ist SAP darauf, im vergangenen Quartal erstmals mehr als die Hälfte des Umsatzes (57 Prozent) rund um ihre neuen Produkte - einschließlich "Mysap CRM" und "Mysap SCM" - erzielt zu haben. SAP verkaufte allein für 78 Millionen Euro CRM-Lizenzen, das sind 17 Prozent der Lizenzeinkünfte, und für 98 Millionen Euro SCM-Software (22 Prozent). Marktbeobachter schließen daraus, dass die Walldorfer gegenwärtig Boden gegenüber den Spezialisten Siebel und i2 Technologies gutmachen.

Alles andere als erfreulich liest sich denn auch die jüngste Quartalsbilanz des CRM-Spezialisten Siebel: Der Umsatz fiel im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent von 554,6 Millionen auf 478 Millionen Euro. Beim Umsatz mit verkauften Lizenzen brach Siebel von 344,9 Millionen auf 216,1 Millionen Euro ein - ein Rückgang um 37 Prozent. Immerhin schrieb Siebel noch einen Gewinn von 39,3 Millionen Euro. Das sind 48 Prozent weniger als im dritten Quartal 2000, aber - ein schwacher Trost - gut zwei Millionen Euro mehr, als dem Erzrivalen SAP unter dem Strich blieb. Anders als SAP hat Siebel angekündigt, vier Prozent der Belegschaft bis Ende des Jahres zu entlassen.

Während SAP und Siebel trotz des Konjunktureinbruchs immer noch schwarze Zahlen schrieben, fiel das Ergebnis von SCM-Spezialist i2 Technologies in jeder Hinsicht miserabel aus. Die Einnahmen sanken von 357 Millionen Euro im dritten Quartal 2000 um 39 Prozent auf 217 Millionen Euro. Gleichzeitig brach der Lizenzumsatz ein - von 225,5 Millionen auf nur noch 75,9 Millionen Euro. Aufgrund außerordentlicher Belastungen und Abschreibungen, die insbesondere auf Kosten der Übernahme von Aspect Development gehen, schrieb i2 einen Nettoverlust von 6,17 Milliarden Euro. Das Unternehmen betont allerdings, das um Sonderaufwendungen bereinigte Pro-Forma-Ergebnis liege bei minus 61,8 Millionen Euro und entspreche exakt den Erwartungen der Wallstreet-Analysten.

Der SCM-Spezialist aus dem texanischen Dallas kündigte an, binnen der nächsten zwei bis drei Quartale die Kosten um 20 Prozent zu senken und einen Großteil der Entwicklungskapazitäten nach Indien zu verlegen, wo die Arbeitskosten geringer sind. Nachdem in diesem Jahr bereits in zwei Entlassungswellen 20 Prozent der Mitarbeiter vor die Tür gesetzt wurden, sollen in den nächsten Monaten noch einmal 1000 Jobs wegfallen.

Peoplesoft im PlanWährend die Spezialisten Siebel und i2 Umsatzeinbrüche verzeichnen, stehen die Generalisten besser da. Das gilt nicht nur für SAP, sondern auch für Peoplesoft. Das Softwarehaus aus dem kalifornischen Pleasanton steigerte seine Einnahmen im dritten Quartal um 15 Prozent auf 571 Millionen Euro gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Anders als bei den Walldorfern wuchs das Lizenzgeschäft ebenfalls um 15 Prozent auf 170 Millionen Euro. Den operativen Gewinn erhöhte Peoplesoft sogar um 113 Prozent auf 56 Millionen Euro nach 26 Millionen Euro im Vorjahr. Ganz spurlos blieb die Konjunkturkrise aber auch bei Peoplesoft nicht: Im vorhergegangenen zweiten Quartal hatte der Umsatz mit 596 Millionen Euro höher gelegen.

Abb: Generalisten sind krisenfester als Spezialisten

In den vergangenen sechs Monaten schlugen sich SAP und Peoplesoft an der Börse besser als Siebel und i2. Quelle: yahoo