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29.10.1993

SAP-Software kuenftig auch auf Sun-Rechnern NT-Version von R/3 wird frueher fertig als erwartet

MUENCHEN (hv) - Bei der deutschen Software-Vorzeigefirma SAP ist Hoffen auf Windows NT angesagt. Microsofts neues Betriebssystem werde vor allem im Office-Bereich interessant, bei Grossanwendern, die keine Unix- und Open-Systems-Migrationsstrategien verfolgten, so die SAP-Erwartung.

Gemeinsam haben die Softwarehaeuser auf der Systems +93 angekuendigt, die betriebswirtschaftliche Standardsoftware R/3 werde bereits im Maerz 1994 auf NT-Plattformen zur Verfuegung stehen - ein halbes Jahr vor der geplanten Markteinfuehrung. Gut 700 R/3- Installationen gibt es gegenwaertig, 20 000 muessten es mindestens sein, damit sich die Investitionen in die R/2-Nachfolge-software auszahlen, meint Gerd Oswald, Mitglied der Geschaeftsleitung des Walldorfer Softwarehauses.

Um dieses Ziel zu erreichen, legt das groesste deutsche Softwarehaus Wert auf drei Dinge: die moeglichst breite, plattformunabhaengige Verfuegbarkeit seiner Software, die Oeffnung weiterer Vertriebskanaele und die Praesenz in den groessten Industrienationen der Welt.

Internationale Aufmerksamkeit verschafft sich das Unternehmen, indem es schnell und - wie Firmenvertreter versichern - erfolgreich in den wichtigsten Maerkten, darunter vor allem den Vereinigten Staaten, expandiert. Darueber hinaus soll nun auch der japanische Markt erobert werden. So gab SAP Anfang Oktober 1993 den Startschuss fuer den Vertrieb der japanischen R/3-Version durch die SAP Japan Co. Ltd. in Tokio.

Mit Unterstuetzung grosser Beratungskonzerne wie Andersen Consulting, Price Waterhouse oder Deloitte & Touche soll hier im ersten Geschaeftsjahr ein Ergebnis von immerhin zehn Millionen Mark erwirtschaftet werden.

Um einen Massenmarkt zu erreichen, legt sich SAP derzeit auch mit der Portierung von R/3 auf Windows NT maechtig ins Zeug. Version 2.1 der R/3-Software soll bereits ab Maerz naechsten Jahres auf Intel- und Alpha-Plattformen unter NT laufen. Als Datenbanksystem wird zunaechst Oracle in der Version 7 unterstuetzt.

"Wir sehen Anzeichen dafuer, dass sich einige sehr grosse Firmen mit dem NT-Thema beschaeftigen", gibt sich Gerd Oswald, Mitglied der Geschaeftsleitung bei der SAP AG, zuversichtlich. Dabei handele es sich ueberwiegend um Unternehmen, die bisher keine Unix-Strategie verfolgt haetten und sich nun auf breiter Ebene fuer die Office- Produkte von Microsoft entscheiden wollten.

SAP und Microsoft kalkulieren mit der wachsenden Bedeutung der Fachabteilungen in den Unternehmen. Diese legen zunehmend Wert darauf, dass sich neue Produkte in die eigene Bueroumgebung integrieren lassen. Das Herstellerduo reagiert auf diesen Trend, indem es Front-end-Produkte wie Excel, Access oder Project von Microsoft in die SAP-Produktpalette einbettet. So wird sich etwa das Spreadsheet Excel in das R/3-Release 2.1 einbinden und als "verlaengerter Arm" fuer Analysen und fuer die grafische Praesentation von R/3-Objekten nutzen lassen.

Fuer die weitere Verbreitung von R/3 auf NT-Plattformen soll auch ein neues Kompetenzzentrum sorgen, das SAP gemeinsam mit Microsoft und dem Muenchner Softwarehaus Ixos gruenden will. Ziel ist es, R/3- Partner und -Kunden bei Konfiguration und Betrieb der Standardsoftware auf NT-Plattformen zu unterstuetzen. Zudem wollen die Entwickler Windows-NT-Rechner auf ihre R/3-Eignung hin testen und zertifizieren.

Fuer die breite Vermarktung von R/3 strebt SAP auch die Oeffnung neuer Vertriebskanaele an. Bisher hat nur Siemens-Nixdorf das Recht, R/3 wie ein eigenes Produkt zu vermarkten - und das soll laut SAP auch so bleiben. Andere Anbieter wie IBM, DEC, Hewlett- Packard oder Bull sollen als Loesungsanbieter ebenfalls SAP- Software vertreiben, allerdings werden hier die Vertraege mit den Kunden auch kuenftig von der SAP unterzeichnet.

Darueber hinaus, so kuendigt Geschaeftsfuehrer Oswald an, werde die SAP weitere Vertriebspfade erschliessen.

"Unser Ziel ist es, R/3 in den naechsten Jahren sehr stark OEM- faehig zu machen. Mit eigenen Vertriebsmitteln wuerden wir die Tausenden von Installationen, die wir benoetigen, nicht erreichen." Bis die SAP-Software von weiteren Loesungsanbietern verkauft werden koenne, muesse jedoch in Bereichen wie Einfuehrung, Service und Support noch eine Menge geschehen.

Dass sich die SAP trotz des gegenwaertigen NT-Fiebers nicht ausschliesslich auf Microsoft verlassen mag, zeigen die juengsten Abkommen mit Sun Microsystems und Sequent. Sun wird R/3 bis Anfang naechsten Jahres auf die eigenen Sparc-Plattformen portieren, wo es unter dem Unix-Derivat Solaris laufen soll.

Sun portiert R/3 auf Sparc-Plattformen

Der Workstation-Anbieter wird laut Vertrag Vertriebsbeauftragte und Systemingenieure sowie Marketing-Ressourcen zur Vermarktung von R/3 zur Verfuegung stellen. Unter Windows NT will dagegen Sequent die SAP-Software verfuegbar machen - und zwar auf den eigenen Mehrprozessor-Systemen der Winserver-Reihe.

Die grosse Verbreitung der R/3-Software auf diversen Plattformen macht der SAP AG aus finanzieller Sicht kein Kopfzerbrechen. "Einen Grossteil der Kosten tragen die Hersteller, auf deren Rechnern das System laufen soll", erklaert Oswald. "Wir tragen unser Know-how bei und legen offen, welche Erfahrungen wir bei anderen Portierungen gemacht haben." Die gemeinsamen Kompetenzzentren, die SAP mit Hardwareherstellern wie Hewlett- Packard, Bull oder DEC eingerichtet hat, werden weitgehend von den Partnern finanziert. Diese nutzen die Zentren nicht zuletzt fuer vertriebsunterstuetzende Aktivitaeten.