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09.12.1998 - 

Die Zukunft des R/3-Systems heißt Java und XML

SAP stellt Abap Alternativen zur Seite

MÜNCHEN (CW/IDG) - Softwareriese SAP hat einen großen Satz in die Zukunft gemacht: Künftig spielen Programmiersprachen wie Java und die Extensible Markup Language (XML) eine gewichtige Rolle in der R/3-Welt. Die hauseigene 4GL Abap soll aber nicht abgelöst, sondern vielmehr durch zeitgemäße Alternativen ergänzt werden.

Nachdem erste Maßnahmen zur Java-Einführung auf der Client-Seite umgesetzt wurden, müssen künftig auch die Server zweisprachig werden. Angeblich will SAP alle proprietären Business-APIs (Application Programming Interfaces) für die Anbindung von fremden Produkten in Java präparieren. Darüber hinaus sollen neue Enterprise-Resource-Planning-(ERP-)Anwendungen zunehmend auch in Java entwickelt werden.

Die Gründe für die SAP-Entscheidung sind nicht allein im technologischen Bereich zu suchen. Als eine Programmiersprache, so der für das SAP-Techno- logie-Marketing verantwortliche Peter Graf, weise Java nicht notwendigerweise entscheidende Vorteile gegenüber Abap auf. Entwicklern solle vielmehr eine Alternative zum herkömmlichen Abap-System geboten werden, das als schwierig zu erlernen gilt.

Günther Tolkmit, Vice-President Corporate Marketing in Walldorf, geht gegenüber der CW ins Detail. Es habe aus seiner Sicht Sinn, neben dem SAP-eigenen Abap noch eine weitere Sprache zu unterstützen, die mehr dem "Public Domain" angehöre: "Java bietet sich hier schon aufgrund der philosophischen Ähnlichkeit - Hochsprache, Portabilität - an."

Es gebe allerdings eine Reihe wichtiger Elemente, so Tolkmit, die der Sun-Sprache derzeit noch fehlten. Dazu zählten beispielsweise Features wie Dictionary-Support oder das Change-Management von Ressourcen.

Als Ad-hoc-Alternative für Abap scheidet Java in Walldorf also aus. Die Java-Runtime werde so in die R/3-Laufzeitumgebung integriert, daß ein Miteinander von Java- und Abap-Anwendungen möglich sei. In ein bis zwei Jahren allerdings könne Tolkmit zufolge die Situation ganz anders aussehen.

Zusätzlich zu Java nimmt auch die Internet-Sprache XML in den strategischen Überlegungen der Walldorfer künftig einen wichtigen Platz ein. Mit XML lassen sich Dokumente einfacher strukturieren, was nicht zuletzt dem Austausch von Geschäftsdaten zwischen Computern zugute kommt. Laut Graf soll SAPs neue E-Commerce-Anwendung für das Beschaffungswesen via XML mit Produkten von Drittanbietern über das Web kommunizieren können.

Beobachter sehen die kleine Revolution vorsichtig optimistisch. Durch den späten Zeitpunkt der Java- und XML-Ankündigung bringe das Unternehmen erneut zum Ausdruck, wieviel Wert es auf eine vorsichtige und methodische Orientierung am Markt lege. Laut Steve Tirone, Analyst bei AMR Research in Boston, geht SAP selten irgendwelchen bloßen IT-Moden nach. Wenn sich das Unternehmen etwas auf die Fahnen geschrieben habe, werde das Ziel mit einem Forschungsaufwand verfolgt, der in der Branche seinesgleichen sucht.

Daß eine langfristige Strategie nicht von heute auf morgen umgesetzt werden kann, weiß auch SAP. Mindestens zwölf Monate rechnet das Unternehmen, bis die ersten Anwendungen in Java auf den Markt kommen. Tolkmit wollte gegenüber der CW keinen exakten Termin für die Java-Integration nennen. Er vertraut vielmehr auf den Faktor Zeit, der für Java spreche: Die Weiterentwicklung der Systeme sei auch eine Frage des Potentials, das sich auf dem Arbeitsmarkt finden lasse. Hier werde der Java-Anteil steigen, äußerte Tolkmit.