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09.08.2002 - 

IT-Dienstleister im Spannungsfeld der SAP-Partnerstruktur

SAP Systems Integration: Das Leid der Tochter

DRESDEN (jha) - Der IT-Dienstleister SAP Systems Integration (SAP SI) steckt in der Zwickmühle. Als börsennotiertes Beratungshaus kann sich die SAP SI nicht den Marktzwängen entziehen: Sie muss wachsen. Als SAP-Tochter muss sie Rücksicht auf die Partnerstruktur des Softwarekonzerns nehmen. In diesem Spannungsfeld baut sie ihre Beratungskapazitäten aus.

Die SAP SI will sich zum Full-Service-Provider entwickeln. Schon heute bietet sie neben dem Kerngeschäft, der IT-Beratung und Implementierung von SAP-Produkten, auch Outsourcing-Dienste und strategische Beratung an. Während die Betriebsservices einen zumindest sichtbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten (rund 8,5 Prozent der Einnahmen), sind die reinen Consulting-Dienste bislang eine Randerscheinung,. Sie weren nur auf besonderen Kundenwunsch gewährt. Das soll sich ändern: "Wir werden die strategische IT-Beratung ausbauen", kündigte Ulrich Assmann, Vorstand der SAP SI, an. "Zurzeit arbeitet schon ein internes Team aus 30 bis 40 Mitarbeitern daran, die wesentlichen Inhalte zu formulieren, die eine künftige Consulting-Einheit ausfüllen wird."

Im Lauf des nächsten Jahres wird SAP SI dem derzeitigen Stand der Planung zufolge diese neue Geschäftseinheit an den Start bringen. Damit bahnt sich weiterer hausinterner Diskussionsbedarf an, denn die SAP-interne Global Professional Services Organization (Global PSO), die immerhin auf die Ressourcen von weltweit 5000 Consultants zurückgreifen kann, versteht sich ebenfalls als strategische Beratungseinheit. Sie ist derzeit hauptsächlich im deutschen und amerikanischen Markt aktiv, ebenso wie die SAP SI. "Die Global PSO ist noch dabei, ihren Platz zu finden. Wir führen Gespräche mit den Verantwortlichen, um eine klare Position zu bestimmen", erläutert Assmann. "Aber auch in der derzeitigen Situation ist das Bild falsch, dass SAP SI und Global PSO deckungsgleiche Leistungen anbieten. Zurzeit gibt es im Serviceportfolio allenfalls eine Überlappung von 50 Prozent - darüber müssen wir sprechen und eine Lösung erarbeiten."

Der besondere Draht zur SAP

Immer wieder verfängt sich die SAP SI in dem komplizierten SAP-Konstrukt aus Partnernetz, eigener Beratereinheit (Global PSO), Outsourcing-Division (SAP Hosting) und Mittelstandsstrategie (Steeb, eine SAP-Tochter). Damit die eigene Tochter dieses fragile Gebilde nicht ins Wanken bringt, wachen die Konzernkapitäne Henning Kagermann und Léo Apotheker als Mitglieder des Aufsichtsrats über die Geschicke des sächsischen Dienstleisters, räumen ihm aber angeblich keine Sonderbehandlung gegenüber den Partnern ein. Offenbar hat SAP SI aber einen besseren Draht ins Unternehmen als unabhängige Partner, insbesondere in die Entwicklungslabors. Dort lassen sich geplante Neuerungen und Problemlösungen an der Quelle erfragen, kein unerheblicher Vorteil, wenn es um die Implementierung von SAP-Software bei den Kunden geht. "Durch den direkten Kontakt sind unsere Mitarbeiter immer auf dem aktuellen Stand - und einen solchen schnellen Zugang zu Informationen haben andere Marktteilnehmer nicht in dem Maße", vergleicht der SAP-SI-Chef.

Das hat die SAP-Partner bislang nicht weiter gestört: "Die SAP SI wurde immer von den Partnern akzeptiert, weil diese sie als nationale Erscheinung betrachteten. Außerdem gab es bis dato aufgrund der hohen Zahl von SAP-Installationen in Deutschland auch Bedarf an einem branchenorientierten SAP-Dienstleister", schildert Pascal Matzke, Analyst bei der Giga Information Group. Doch der Markt ist enger und das Neukundengeschäft härter geworden. "Die SAP sollte sich mit der Frage beschäftigen, wie sie die interne Consulting-Einheit und die IT-Tochter aufstellt, ohne die Partner zu verprellen", fordert Matzke.

Outsourcing auch von SAP Hosting

Klärungsbedarf besteht zudem im Outsourcing-Geschäft. Mit der kürzlichen Eröffnung des dritten Rechenzentrums in Dresden sendete der IT-Dienstleister ein eindeutiges Signal, diesen Geschäftszweig ausweiten zu wollen. "Im Outsourcing-Markt ist, verglichen mit dem Consulting-Geschäft, ein überproportionales Wachstum möglich", sagte Assmann anlässlich der offiziellen Inbetriebnahme. Ziel ist es, in vier Jahren rund 20 Prozent des Umsatzes mit dem Betrieb von IT-Umgebungen zu erzielen. Derzeit liegt der Anteil bei 8,5 Prozent. Zum Leistungsspektrum zählen das Application-Hosting und -Management sowie der User-Helpdesk-Betrieb und reine Hosting-Services. Ähnlich liest sich die Angebotsliste von SAP Hosting. Bei der internen Outsourcing-Einheit des Walldorfer Softwarehauses lassen sich Application-Implementation-Hosting sowie Application-Management beziehen.

Vor allem für SAP SI dürfte die Überlappung des Portfolios ein Problem darstellen. Derzeit kommt es zwar selten zu Reibereien, weil die Dresdner den Mittelstand, SAP Hosting dagegen den gehobenen Mittelstand und Großunternehmen anspricht, doch die SAP-interne Outsourcing-Einheit hat gegenüber der SAP-Dienstleistungstochter einen Vorteil: Sie muss sich nur bedingt den Marktmechanismen stellen. Das Kerngeschäft des deutschen Softwareriesen bleibt laut Kagermann das Lizenzgeschäft, SAP Hosting und Global PSO verstehen die Walldorfer nur als flankierende Einheiten für bessere Kundenzufriedenheit. SAP SI ist dagegen börsennotiert und muss sich um die Ausweitung des Geschäfts bemühen.

"Das derzeitige Abhängigkeitsverhältnis erlaubt es SAP SI jedoch nicht, sich ausschließlich von den eigenen Zielen leiten zu lassen", bemängelt Andreas Burau, Analyst bei der Meta Group. Bei der horizontalen Erschließung neuer Märkte ist Vorsicht geboten, weil auch SAP-Partner zunehmend branchenorientierte Services anbieten.

Abhängig vom Walldorfer Befinden

Der Ausbau des Dienstleistungsportfolios, den SAP SI derzeit mit Outsourcing und strategischer Beratung anstrebt, ist aufgrund der SAP-eigenen Angebote auch nur in Maßen durchzusetzen. Zum großen Leidwesen der SAP SI hängt selbst der Börsenkurs am Wohl und Wehe der Walldorfer: "Mit Bekanntwerden der SAP-Zahlen ist unser Aktienkurs um 16 Prozent abgesackt - ohne dass wir irgendetwas veröffentlicht haben", beklagt sich Assmann. "Wir hängen stark an der Entwicklung der SAP und werden nicht als eigenständiges Unternehmen betrachtet."

Abb: Durchwachsenes Ergebnis

Im ersten Halbjahr 2002 steigerte die SAP SI zwar den Umsatz, verlor aber beim Konzernergebnis. Verantwortlich dafür waren Sonderaufwendungen in Höhe von acht Millionen Euro sowie eine niedrige Beraterauslastung. Außerdem revidierte das Unternehmen die Aussichten für das gesamte Geschäftsjahr: Das Umsatzwachstum sowie die Operating-Profit-Marge werden jeweils zwischen neun und zwölf Prozent betragen (geplant waren bislang 15 bis 20 Prozent beim Umsatz sowie 15 bis 17 Prozent bei der Marge). Im zweiten Halbjahr sollen die Kosten um zwölf bis 13 Millionen Euro verringert werden, unter anderem, indem die Belegschaft um 50 bis 70 Mitarbeiter reduziert wird. Ende Juni beschäftigte SAP SI 1831 Mitarbeiter. Quelle: SAP SI