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14.03.2008

SAP übt den Spagat bei Business Intelligence

John Schwarz, SAP-Vorstand und CEO von Business Objects, erklärt CW-Redakteur Sascha Alexander, was Anwender erwartet.

CW: Nach dem Kauf von Business Objects (BO) muss SAP dessen Angebot für Business Intelligence (BI) und Unternehmenssteuerung mit dem eigenen vereinen. Sie werben dabei mit Synergien. Kritiker sehen hingegen große Überschneidungen und rechnen für viele Produkte mit dem Aus.

Schwarz: BO hatte seit 2004 aggressiv auf dem BI-Markt eingekauft, aber bis auf Cartesis alle Firmen vor der Übernahme durch SAP integriert. Mit SAP müssen wir nun eine schrittweise Integration vornehmen, aber die Überschneidungen sind gering. Wir haben viele Kunden über unsere Produktpläne informiert, und deren Reaktion war außerordentlich positiv.

CW: Sie bestreiten also, dass es beispielsweise bei den Endbenutzerwerkzeugen für Analyse und Reporting und den Anwendungen für Planung und Konsolidierung große Überschneidungen gibt?

Schwarz: Es gibt ein paar Überschneidungen, doch lassen sich die bisherigen Produkte überraschend einfach integrieren. Zugleich arbeiten wir an einem gemeinsamen Angebot. Kunden, die nicht migrieren wollen, erhalten weiter Support.

CW: Wie lang?

Schwarz: In den meisten Fällen für mehr als fünf Jahre.

CW: Viele SAP-Kunden nutzen einen der "Bex"-Clients für Analyse und Reporting. Was passiert mit ihnen? Es wird offenbar an einem gemeinsamen Nachfolger-Tool, Codename "Pioneer", gearbeitet. Andererseits gibt es die Werkzeuge von BO.

Schwarz: Bex und das SAP Business Information Warehouse (SAP BW) erhalten weiter Support. Kunden sollten aber mit der Zeit BO-Technik in Lizenz nehmen und ihre künftigen Lösungen auf der BI-Plattform "Business Objects XI" entwickeln sowie auch die Visualisierungs-, Analyse- und Reporting-Werkzeuge von BO beziehen. Viele SAP-Kunden machen dies bereits, zumal Bex nur Basisfunktionen bietet. Nur Kunden, die Produkte von Cognos und Hyperion mit SAP und Bex nutzen, wollen wir zum Umstieg auf BO bewegen.

CW: Erhalten also künftig die BO-Produkte bei SAP den Vorzug?

Schwarz: Im künftigen kombinierten BI-Angebot spielen die BO-Produkte die zentrale Rolle. Die SAP-Produkte werden als Basisangebot positioniert, das sich durch BO-Produkte funktional erweitern lässt.

CW: Welche Rolle spielt dann Pioneer?

Schwarz: Ich möchte nichts zu Pioneer sagen, weil es offiziell noch nicht angekündigt wurde. Grundsätzlich wird weiter in eingebettete Analysefunktionen für die SAP-Produkte für CRM, HR etc. investiert. Die Analyse-Engine und die grafischen Tools liefert künftig BO.

CW: Für Ihre Finanzanwendungen (Planung, Scorecarding, Konsolidierung) gibt es bisher keine Roadmap. Gerade dort scheint aber die Konfusion am größten zu sein.

Schwarz: Bei den Planungswerkzeugen gibt es große Überschneidungen. Alle bestehenden Produkte sollen aber zunächst für mindestens fünf Jahre Support erhalten. Andererseits wollen wir unsere Planungstechnik auf der Basis der Software "Business Planning and Consolidation" (BPC) vereinen, die vom Anbieter Outlooksoft stammt. Bei den Tools für die Finanzkonsolidierung müssen wir die Produkte "SEM BCS", "Integrated Consolidiation" von Outlooksoft und Cartesis zusammenführen. Letzteres soll dabei die technische Basis stellen, kombiniert mit den Frontends von Outlooksoft und integriert mit der BPC-Planungs-Engine.

CW: Wann sollen diese neuen Angebote fertig sein?

Schwarz: Voraussichtlich in zwölf Monaten.

CW: Sollten Kunden ihre Konsolidierungs- oder Planungsprojekte deswegen aufschieben?

Schwarz: Nein. Wenn ihre Technik in die Jahre kommt, erhalten sie einen direkten Migrationspfad. Neukunden sollten aber auf die geplanten Angebote setzen.

CW: Wie sehen die Migrationshilfen aus?

Schwarz: SAP und BO bieten über ihre Serviceorganisation die benötigten Tools und Erfahrungen. Zusätzlich werden die bisherigen "Regional Implementation Groups" der SAP aufgestockt.

CW: Wie wollen Sie die BI-Produkte künftig vermarkten?

Schwarz: BO bleibt als eigenes Unternehmen und vorerst mit eigenem Angebot für BI und Planung bestehen.

CW: Ist vorerst keine gemeinsame Produktarchitektur geplant?

Schwarz: Nein. BO wird zwar für SAP-Kunden manche Netweaver-Komponenten unterstützen, diese aber nicht in die Produktarchitektur einführen. Wir wollen BI-Kunden von Oracle oder Microsoft nicht zwingen, Netweaver-Technik einzuführen.

CW: Wie wollen Sie Ihre vielen Produkte lizenzieren?

Schwarz: Wir harmonisieren derzeit unsere Angebote und Preise für SAP-Kunden. Für Nicht-SAP-Kunden behalten wir das bisherige BO-Lizenzmodell bei.

CW: Glauben Sie nicht, dass BO letztlich doch als SAP-Komponente statt als ein unabhängiger Anbieter betrachtet wird?

Schwarz: Wir werden das auf keinen Fall zulassen!

CW: Kunden müssen also keine ERP-Software von SAP beziehen, um BO nutzen zu können?

Schwarz: Das ist absolut richtig.

Das ganze Interview können Sie auf www.computerwoche.de lesen.