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02.04.1999 - 

CeBIT-Nachlese: Branchenriesen suchen zusätzliche Standbeine

SAP und Co. entdecken den Mittelstand neu

MÜNCHEN (bs) - Daß die Goldgräberzeiten im Enterprise-Resource-Planning-(ERP-)Markt vorbei sind, haben viele Anbieter erkannt. Der Mittelstand, branchenspezifische Lösungen und verbesserter Service sollen den Großen nun als Umsatzmotor dienen.

"Jetzt machen SAP und Co. richtig ernst mit ihrem Engagement im Mittelstand", lautet die Aussage vieler Besucher der diesjährigen CeBIT in Hannover. Zu den vorinstallierten Softwarepaketen, die in den vergangenen Jahren angeboten wurden, gesellen sich seit kurzem eine Reihe branchenspezifischer Lösungen. "Mit vertikalen Lösungen möchten wir in drei bis fünf Jahren etwa ein Drittel unseres Umsatzes erwirtschaften", sagte SAP-Vorstandssprecher Henning Kagermann gegenüber der CW.

Der Walldorfer Softwarekonzern wagte auf der CeBIT als einziger Anbieter die Positionierung als Vollsortimenter - also Lösungen für alle Branchen und jede Unternehmensgröße aus der eigenen Softwareschmiede, während sich Anbieter wie Peoplesoft, Baan und SSA auf ihre Kernkompetenzen und spezielle Branchen konzentrieren.

Ein weiterer Schachzug der ERP-Anbieter ist es, durch einfachere Benutzeroberflächen zusätzliche Endanwender bei bestehenden Kunden an die ERP-Bildschirme zu locken. Vorreiter bei diesen Vorhaben sind Peoplesoft mit seinem "Peoplesoft Business Network" (PSBN) und SAP mit "Enjoy SAP" (siehe CW 11/99, Seite 1). Die Softwarehäuser erhoffen sich mit Hilfe von einfach zu bedienenden Front-ends, die auf Browser-Techniken fußen, einen zusätzlichen Verkaufsanreiz und somit mehr Umsatz innerhalb der Bestandskundschaft. Die neuen Benutzer-Schnittstellen sollen sich auf die persönlichen Bedürfnisse des Users abstimmen lassen, wie man es von Web-Seiten der Internet-Portale von Yahoo, Lycos oder Altavista her kennt. Auch der Schwenk einiger Anbieter, allen voran der SAP, in Richtung des Freeware-Betriebssystems Linux wird als zusätzliches Angebot für kleinere Unternehmen gedeutet.

Noch keinen Bedarf, die eigene ERP-Lösung auf Linux anzubieten, vermeldet die Systems Software Association (SSA) aus Chikago. Das Softwarehaus plagen derzeit auch ganz andere Sorgen: Sinkende Umsätze, eine verschlafene Datum-2000- und Euro-Strategie sowie Mängel im Produkt "BPCS 6.0" sorgten für Mißstimmungen bei den Anwendern und hielten Interessenten im vergangenen Jahr auf Distanz.

Das neue Release "E-BPCS" habe die Kinderkrankheiten nun überstanden, versprach Tano Rebora, President Europe von SSA. Zur CeBIT stellten die Softwerker eine langerwartete neue Strategie vor: "Wir wollen uns künftig als Anbieter im Markt für Enterprise Application Integration (EAI) etablieren", sagte Rebora. Ziel sei es, nicht mehr alles selbst zu machen.

Man liefere mit E-BPCS ein ausgereiftes, stabiles ERP-Kernprodukt. Funktionen, die über diesen Leistungsumfang hinausgehen, werden künftig von Partnern wie i2, Cognos, IBM oder Business Objects bereitgestellt, zu denen enge Kooperationen bestehen. SSA werde sich verstärkt als Systemintegrator betätigen und sein Know-how aus den Branchen Konsumgüterindustrie, Lebensmittel, Pharma und Industrie sowie 6000 Installationen für diesen Geschäftszweig nutzen. Über 1000 ausgebildete Mitarbeiter stünden dafür zu Verfügung. Die Konkurrenz durch bereits etablierte Systemintegratoren und Beratungshäuser fürchtet Rebora nicht.

Backbone für den Schwenk in Richtung EAI ist die "Distributed Component Architecture" (Doca) mit der dazugehörigen Schnittstellen-Technik Semantic Message Gateways (SMGs). Diese Message-basierte, ereignisorientierte Middle- ware erlaube es, so Rebora, unterschiedliche Softwareprodukte auf Applikationsebene zu verbinden. SSA wird eine Reihe von SMGs für die Partnerprodukte, aber auch Lösungen anderer Spezialanbieter vorbereiten. Diese können dann als Adapter zwischen E-BPCS und Fremdprodukten eingesetzt werden. Speziell für den Mittelstand sollen voreingestellte Pakete bereitgestellt werden.

Die Nummer zwei im ERP-Markt Peoplesoft zeigte auf der CeBIT ihr Mittelstandsangebot "Peoplesoft Select". Das Bündel aus Software, Hardware und Service richtet sich in erster Linie an Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 75 bis 750 Millionen Mark. Zum Umfang des voreingestellten Paketes, das auf "Peoplesoft 7.5" basiert, gehören insgesamt 22 Softwaremodule wie zum Beispiel Finanz-, Fertigungs- und Logistikanwendungen so-wie Software für die Lieferkettenoptimierung. "Alle Module verfügen über integrierte Workflow-, E-Commerce- und Internet-Funktionen", teilt Thomas Koenen, Direktor Geschäftsbereich Industrie und Mittelstand bei Peoplesoft Deutschland, mit.

Um den Anforderungen mittelständischer Kunden nach kurzen Einführungszeiten gerecht zu werden, wird die Methode "Select Path" eingesetzt. Aufgrund von Erfahrungen aus einer Vielzahl von Projekten werde das System auf die Belange von mittelständischen Kunden vorbereitet, erklärt Koenen. In einem nächsten Schritt präsentieren die Softwerker dem Interessenten dann die Lösung. Mögliche Anpassungen oder Änderungen werden innerhalb sogenannter "Implementation Labs" iterativ eingearbeitet. Damit seien Projektlaufzeiten je nach Anzahl der Module von drei bis sechs Monaten möglich. Angesichts des drohen- den Datum-2000-Kollapses vieler kleiner Unternehmen stehe mit Select ein Produkt zur Verfügung, das noch vor Jahresfrist eingeführt werden könne, erklärt Uli Lindner, Geschäftsführer von Peoplesoft Deutschland.

Ähnlich mutig gibt sich SAP mit ihren Angeboten "Ready for Work" und "Ready 2000". Bei letzterem handelt es sich um ein DV-Gesamtpaket mit Jahr-2000-Zertifikat vom RWTÜV. Gemeinsam mit Partnern liefern die Walldorfer eine Jahr-2000-fähige Infrastruktur einschließlich Hardware, Betriebssystem, Datenbank, Archivierungssystem und Migrationskonzept. Wie Peoplesoft-Manager Lindner ist auch SAP-Vorstandssprecher Henning Kagermann entgegen der Einschätzung von Analysten davon überzeugt, daß Unternehmen noch genügend Zeit bleibt, auf eine betriebswirtschaftliche Software umzustellen, die vierstellige Jahreszahlen verwendet.

Ein erneuter Vorstoß in Richtung Mittelstand bedeutet SAPs Angebot "Ready to work". Unternehmen mit einem Umsatz zwischen fünf und 25 Millionen Mark werden voreingestellte branchenspezifische Anwendungen angeboten, die sich binnen weniger Monate einführen lassen sollen. Bislang stehen Ready-to-work-Pakete für Dienstleister, Montagebetriebe, die Milchwirtschaft und den Mineralölhandel bereit.

Das SAP-Partnerunternehmen Fistec bietet die Lösung "Engineer" an, die sich an mittelständische Unternehmen im Maschinenbau richtet und ab der Version 4.5 von R/3 erhältlich ist: "Engineer ist ein schlankes R/3-System, das die Geschäftsprozesse von Maschinenbaubetrieben abdeckt", sagt Ralf Oetinger, Geschäftsführer von Fistec.

Seine Mitarbeiter seien in der Lage, die Komplexität des R/3-Systems auf die Funktionen zu beschränken, die für ein Unternehmen dieser Branche notwending sind. So umfaßt der Engineer nur etwa 80 definierte Geschäftsprozesse. Überdies wurden die möglichen Auftragsarten oder Anzahl der Kreditoren drastisch reduziert, Kontenrahmen voreingestellt und eine Datev-ähnliche kundenspezifische Bilanz auf die Klientel abgestimmt: "Die Produktion in einem mittelständischen Unternehmen ist zwar nicht einfacher als die eines Großbetriebes, aber die organisatorischen Abläufe und Schnittstellen sind transparenter", sagt Oetinger.

Mit den vorgefertigten Schablonen, die mehr als 80 Prozent der Anforderungen der Unternehmen abdecken sollen, könnten die Anwender sofort loslegen: "Die Einführung eines Ready-to-work-Pakets ähnelt eher einer Schulung als den bisher bekannten langatmigen Implementierungsprojekten." Vorteilhaft sei zudem, daß Engineer Elemente der neuen R/3-Oberfläche Enjoy SAP nutze. Auf der einen Seite wurde dadurch die Zahl der Masken und Felder insgesamt reduziert. An- dererseits gibt es beispielsweise beim Anlegen eines Kundenauftrags mit der neuen Enjoy-Oberfläche nur noch zwei Masken anstatt 20 oder 30.

Die niederländische Softwareschmiede Baan backt derzeit kleinere Brötchen und hielt sich mit großen Ankündigungen, wie man sie sonst gewohnt war, dezent zurück. Die Umorganisation und Verschlankung des Unternehmens wurde Ende letzten Jahres begonnen und auch die Ausrichtung auf die Kernmärkte öffentliche Verwaltung, Industrie, Automobilindustrie und Telekommunikation sei vollzogen, erklärte Jürgen Richter, Geschäftsführer von Baan Deutschland. Einzige echte Neuerung zur CeBIT ist das Baan Enterprise Software Agreement (Besa), das nun auch hierzulande verfügbar ist. Mit Besa sind alle Geschäftsanwendungen von Baan sowie alle Microsoft-Back-Office-Produkte zu einem monatlichen Festpreis erhältlich. Das Komplettpaket beinhaltet Service, Wartung inklusive Software-Updates und Support von Baan. Zusätzliche Leistungen werden durch die Hardware-Partner Compaq und HP angeboten. Der Preis richtet sich nach der Anzahl der Desktops und beginnt für einen bis 100 Rechner bei 290 Mark pro Monat und Arbeitsplatz. "Der Vorteil für Unternehmen ist, daß sie die Anschaffungskosten nicht auf einmal entrichten müssen", sagt Jürgen Richter. Ein Angebot, das vor allem auch kleinere Unternehmen ansprechen soll.