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15.03.2005

SAP und Oracle liegen wegen Retek-Übernahme im Clinch

Zwischen den beiden Herstellern könnte ein Bieterstreit um das Softwareunternehmen Retek Inc. entbrennen.

Nachdem SAP und Oracle ihre Gebote für den US-amerikanischen Softwarehersteller Retek abgegeben haben, belauern sich nun die beiden Kontrahenten. SAP hatte Ende Februar angekündigt, Retek für 496 Millionen Dollar beziehungsweise 8,50 Dollar je Aktie zu übernehmen. Oracle stieg eine Woche nach der Offerte aus Walldorf kurz entschlossen mit in den Ring und bot 524 Millionen Dollar oder neun Dollar je Anteil. Um seine Ambitionen zu untermauern, hat sich der Datenbankspezialist über den freien Aktienhandel bereits zehn Prozent der Retek-Anteile gesichert.

Retek ist auf den Handelssektor spezialisiert und verkauft unter anderem Software für Vertrieb, Lagerverwaltung und Supply-Chain-Management. Der Anbieter aus Minneapolis hat im vergangenen Jahr mit 550 Mitarbeitern einen Umsatz von 174,2 Millionen Dollar erwirtschaftet. Unter dem Strich blieb ein Profit von 8,2 Millionen Dollar. Das Unternehmen betreut über 200 Kunden in 20 Ländern.

Bei den offenbar überraschten Walldorfern wird nun überlegt, wie auf die Gegenoffensive des Datenbankspezialisten zu reagieren ist. SAP-Vorstandssprecher Henning Kagermann verweigerte bis Redaktionsschluss jede Stellungnahme. Er verwies auf gesetzliche Regularien, die ihn zum Schweigen verpflichteten. Bei SAP warte man nun darauf, dass sich das Retek-Management melde. Das sei bislang nicht geschehen.

Steht ein Bietgefecht bevor?

Die Aktionäre von Retek scheinen zuversichtlich, dass im Bietergefecht das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist: Der Aktienkurs erreichte infolge des Oracle-Angebots 10,54 Dollar - ein Sprung um rund 23 Prozent. Sollte sich Retek für Oracle entscheiden, wäre laut "Wall Street Journal" eine Gebühr von 15 Millionen Dollar an SAP fällig - angesichts der Gesamtkosten wohl eine verschmerzbare Summe für Retek beziehungsweise Oracle.

Während SAP bei Handelsunternehmen schon einen Fuß in der Tür hat, würde die Übernahme für Oracle im Bereich Business-Applikationen einen Einstieg in dieses Marktsegment bedeuten. Der weltweite Markt, der zurzeit noch von einem breiten Spektrum von Anbietern bedient wird - darunter insbesondere auch JDA Software und Retalix - , ist für Softwareumsätze von jährlich rund zehn Milliarden Dollar gut. Außerdem gilt die Retek-Software als technisch ambitioniert.

Oracles Co-President Charles Phillips schrieb in einem Brief an die Retek-Kunden: "Weil es keine Überlappungen zwischen den Produkten gibt, werden Kunden von einer Übernahme durch Oracle mehr profitieren." Die Kontinuität in der Ausrichtung der Produkte sei eher gewährleistet als im Falle einer Übernahme durch SAP. Oracle habe bereits im vergangenen Jahr mit den Retek-Verantwortlichen wegen einer Übernahme verhandelt, berichtete Oracle-Chef Lawrence Ellison. Allerdings habe man sich in der Folge auf die Akquisition und Integration von Peoplesoft konzentriert, so dass SAP seine Offerte platzieren konnte.

Ellison auf Einkaufstour

Joshua Greenbaum, Analyst von Enterprise Applications Consulting, fragt sich jedoch, warum sich Oracle eine weitere schwierige Integrationsaufgabe aufladen will. Durch die Peoplesoft-Übernahme gebe es auch so noch viel zu verdauen. Wenn jetzt noch Retek dazukomme, könnte das die Kunden zusätzlich verunsichern. Der Übernahmeappetit Ellisons scheint indes noch längst nicht gestillt. Auch wenn die Retek-Akquisition gelinge, werde dies Oracle nicht davon abhalten, noch 2005 weitere größere Übernahmen anzuvisieren, heißt es aus dem Umfeld des Datenbankspezialisten.

SAP hätte Geld genug

Für SAP wäre nach Analystenmeinung eine Aufstockung des Angebots angesichts der gut gefüllten Kasse und des hohen strategischen Werts kein großes Problem. Allerdings würde damit ein Bieterwettstreit mit Oracle eingeleitet, auf den sich die Walldorfer vermutlich nicht gerne einlassen. Zudem sind die Badener mit der Modernisierung ihrer eigenen Softwareplattform beschäftigt und dürften wenig Interesse daran haben, zu viel Energie und Mittel für diesen Nebenkriegsschauplatz zu verschwenden. (hv/ba)