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18.07.2006

SAP verfehlt Prognosen im Lizenzgeschäft

Der Business-Software-Anbieter blieb im zweiten Quartal 2006 unter den Erwartungen der Analysten, gibt sich aber einigermaßen zufrieden.
Bislang konnte SAP seinen ärgsten Widersacher Oracle im Lizenzgeschäft auf Distanz halten. Doch jetzt macht der Verfolger Boden gut.
Bislang konnte SAP seinen ärgsten Widersacher Oracle im Lizenzgeschäft auf Distanz halten. Doch jetzt macht der Verfolger Boden gut.

SAP blieb mit seinem Lizenzumsatz für des zweite Viertel des laufenden Jahres deutlich unter den Erwartungen der Analysten. Das deutsche Softwareunternehmen steigerte seine Einnahmen mit Neulizenzen zwischen April und Juni 2006 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um acht Prozent auf 621 Millionen Euro. Die Börse hatte im Vorfeld allerdings mit einem Plus von 17 Prozent auf etwa 675 Millionen Euro gerechnet.

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SAP bestätigt Ziele

"Mit dem Ergebnis für das erste Halbjahr 2006 sind wir im Rahmen unserer Erwartungen", bemühte sich SAP-Vorstandssprecher Henning Kagermann, die Wogen zu glätten. Als Begründung für die schwächer als erwartet ausgefallenen Zahlen nannte er Verzögerungen bei Vertragsabschlüssen. Einige Aufträge hätten im zweiten Quartal noch nicht als Umsatz verbucht werden können. Darüber hinaus habe es in einigen Geschäftsbereichen Enttäuschungen gegeben. Kagermann zufolge haben vor allem Nordeuropa und Großbritannien im abgelaufenen Vierteljahr nicht so abgeschnitten wie ursprünglich erwartet.

"Das ist alles nicht besorgniserregend", beruhigte der SAP-Chef den Finanzmarkt. Der Konzern sei weiterhin zuversichtlich, seine selbst gesteckten Ziele für 2006 zu erreichen. Die badischen Softwerker wollen im laufenden Jahr ihren Lizenzumsatz um 15 bis 17 Prozent im Vergleich zu 2005 steigern. Außerdem soll die operative Marge um 0,5 bis einen Prozentpunkt gegenüber dem Vorjahreswert von 28,3 Prozent zulegen.

Halbjahresquote liegt im Plan

Nach Einschätzung von Knut Woller, Softwarespezialist von HVB Equity Research, kann SAP seine Jahresziele durchaus erreichen. Bis Mitte 2006 habe der Softwarekonzern mit knapp 1,15 Milliarden Euro rund 36 Prozent der für 2006 geschätzten 3,19 Milliarden Euro Lizenzumsätze erwirtschaftet. Diese Quote entspricht etwa dem Wert der drei vorangegangenen Jahre. Allerdings hat Woller seine Erwartungen für 2006 bereits etwas nach unten geschraubt. Zunächst war der HVB-Analyst von einem Lizenzumsatz in Höhe von knapp 3,25 Milliarden Euro für das laufende Jahr ausgegangen. Seine Wachstumsprognose in Sachen Lizenzgeschäft reduziert sich damit von 16,6 auf 14,7 Prozent. Sollten sich die positiven saisonalen Effekte der vergangenen Jahre 2006 nicht wiederholen, müsse man mit einem weiteren Absacken der Lizenzeinnahmen rechnen. Woller zufolge könnte SAPs Lizenzumsatz dann mit etwa 2,975 Milliarden Euro sogar unter die Drei-Milliarden-Euro-Grenze rutschen. Mit negativen Auswirkungen auf das Ergebnis rechnet der Analyst indes nicht.

Weniger Steuern - mehr Gewinn

Die Zahlen des Walldorfer Softwareherstellers stützen die These des Finanzanalysten. Demnach steigerte SAP seinen Umsatz im zweiten Quartal im Jahresvergleich um neun Prozent auf 2,2 Milliarden Euro und lag damit im Rahmen der Erwartungen. Auch das Pro-forma-Betriebsergebnis entsprach mit 558 Millionen Euro, 13 Prozent mehr als im zweiten Quartal 2005, den Prognosen der Finanzwelt. Mit einem Pro-forma-Ergebnis von 1,41 Euro je Aktie (plus 38 Prozent) übertrafen die Walldorfer sogar deutlich die Schätzungen. Woller hatte mit 1,27 Euro je Papier gerechnet. Der unerwartet starke Anstieg ist allerdings einzig und allein positiven Steuereffekten geschuldet.

Auch können die Zahlen nicht über den einen oder anderen Schwachpunkt im SAP-Geschäft hinwegtäuschen. So erwies sich zwar das Amerika-Geschäft mit einem Umsatzplus in Sachen Lizenzen von 18 Prozent auf 239 Millionen Euro einmal mehr als wichtiger Stützpfeiler. Aber in der Region Europa, Afrika und Naher Osten (Emea) nahm der Softwarekonzern 296 Millionen Euro mit Lizenzen ein. Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von gerade drei Prozent. In Deutschland steigerte SAP seine Lizenzeinnahmen um acht Prozent auf 100 Millionen Euro.

Für SAP kommt die Umsatzdelle im Lizenzgeschäft zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Konkurrent Oracle hatte vor wenigen Wochen gerade im Applikationsgeschäft ein glänzendes Ergebnis hingelegt und damit die Hoffnungen auf eine mindestens genauso gute SAP-Bilanz geschürt. Die jüngsten Zahlen beider Softwareanbieter könnten nach Einschätzung von Marktbeobachtern deren Konkurrenzkampf weiter anheizen. Allerdings sprechen die Kräfteverhältnisse nach wie vor eindeutig für SAP, auch wenn Kagermann einräumt, etwa ein oder zwei Prozentpunkte an Anteilen im internen Ranking eingebüßt zu haben. In SAPs mittlerweile auf drei Anbieter geschrumpfter Peer Group dominierten die Deutschen im Mai 2006 noch mit 62 Prozent das Feld. Oracle kam zusammen mit dem übernommen CRM-Anbieter Siebel auf 25 Prozent. Auf den Drittplatzierten Microsoft entfielen laut SAP-Rechnung die restlichen 13 Prozent.

Lizenzgeschäft wird schwieriger

Vehement widersprechen die SAP-Verantwortlichen Behauptungen, der Softwarekonzern verliere insgesamt Marktanteile. Dabei verweisen sie auf das Umsatzwachstum von 13 Prozent im zurückliegenden Jahr, während der Gesamtmarkt lediglich um fünf Prozent zugelegt hatte. Noch deutlicher fiel nach SAP-Angaben der Unterschied beim Lizenzumsatz aus. Einem Plus von 18 Prozent bei SAP stehe im Gesamtmarkt ein Minus von einem Prozent gegenüber.

Inzwischen scheint das schwächelnde Lizenzgeschäft aber auch die SAP eingeholt zu haben. So rechnen zwar die Analysten von Forrester Research für die Jahre bis 2010 mit einem soliden jährlichen Wachstum von 6,3 Prozent im weltweiten ERP-Geschäft. Dieses Wachstum basiere jedoch vor allem auf Wartungsumsätzen, während das Geschäft mit Neulizenzen in Zukunft eher schwieriger werde. (ba)