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27.04.2001 - 

Plattner räumt Fehler ein und hofft auf neue New Economy

SAP vermarktet Mysap als Integrationsplattform

LISSABON (mo) - Die erste Euphorie um E-Business ist verflogen, da kommt SAP mit seinen E-Applikationen erst richtig in Schwung. Die R/3-Kunden sollen mit einer offeneren Architektur in das künftige Mysap.com-Zeitalter gelockt werden.

Die Genugtuung über die Dotcom-Krise war Hasso Plattner auf der SAP-Kundenveranstaltung Sapphire in Lissabon deutlich anzumerken. "Wir sind wieder zurück in der Realität", stellte der SAP-Chef fest. Sich einfach nur im Internet zu präsentieren reiche nicht, um erfolgreich zu sein. Es müsse auch etwas produziert und geliefert werden. Die "New new Economy" soll mit Hilfe des Web die grundlegenden Geschäftsprozesse der Unternehmen unterstützen. Daher wolle Plattner das Internet auch nicht verteufeln. Verschiedene DV-Systeme könnten heute beliebig über eine einheitliche technische Infrastruktur miteinander kommunizieren: "Das ist neu."

Das Internet müssten Firmenlenker weiter auf der Rechnung haben, so Plattner. SAP selbst hatte eine Reihe von Aktivitäten gestartet, um neue E-Business-Lösungen herauszubringen, denen nun endlich auch Produkte folgen. Zum Beispiel stehen jetzt mit "Marketset 2.0" und "Enterprise Buyer 2.0" die ersten gemeinsam mit Commerce One eng in Mysap.com integrierten Marktplatzanwendungen zur Verfügung. Auch das neu gegründete Unternehmen SAP Portals soll das Internet auf der Frontend-Seite als Integrationsplattform für die Einbindung anderer Anwendungen nutzen. Erst kürzlich hatte der deutsche Softwarehersteller sein Tochterunternehmen mit dem Kauf der US-Firma Toptier verstärkt.

Im Frontend-Bereich verfolgt Plattner hochgesteckte Ziele. Mit Standardanwendungen wie E-Mail und Instant Messaging will SAP dem großen Konkurrenten Microsoft Paroli bieten. Die Redmonder hatten mit der Übernahme von Great Plains Ende letzten Jahres ihrerseits begonnen, dem deutschen Softwarehersteller in dessen Marktsegmenten Konkurrenz zu machen.

"Software zu entwickeln benötigt Zeit, und auch wenn wir früh planen, werden wir immer etwas übersehen", räumt Plattner Fehler in der Vergangenheit ein. Künftig müsse unternehmenskritische Software aus austauschbaren Komponenten verschiedener Hersteller bestehen. "Es ist nicht realistisch, dass alle Systeme eines Unternehmens auf SAP-Basis laufen", erklärt der SAP-Chef selbstkritisch. Die Möglichkeit zur Integration sei daher fundamentales Designprinzip von Mysap.com gewesen - eine Strategie, die Jörg Knebenbusch, Manager Consultant & Practice Leader bei der Meta Group, sehr begrüßt: "Hasso Plattner hat verstanden, dass nicht alle Anwender R/3 einsetzen werden." Integration als Strategie sei daher eine wichtige Einsicht.

Um auch Bestandskunden in die neue E-Business-Welt zu führen, bietet SAP im zweiten Quartal kommenden Jahres ein Upgrade auf die neue Technologie an. "R/3 Enterprise" heißt der Nachfolger des aktuellen Release 4.6 von R/3. Das Programm soll auf Mysap.com basieren, aber nur die Geschäftsprozesse abdecken, die R/3 heute bereits bietet. R/3-Kunden erhalten das Release im Rahmen der normalen Wartungsverträge, das heißt, es muss nicht wie Mysap.com neu lizenziert werden. Der Release-Wechsel umfasst auch funktionale Erweiterungen. Details dazu sind aber bislang noch nicht bekannt.

Lob von Analysten erhält der Hersteller für seine Kunden-Management-Lösung "Mysap CRM". "SAP kann mit der neuen CRM-Strategie durchaus mit Siebel oder anderen Anbietern konkurrieren", bescheinigt Karin Henkel, IT-Analystin beim Beratungsunternehmen Strategy Partners, der Software eine gute Qualität. SAP stellt zum Beispiel den Bereich Analyse heraus, der stark erweitert wurde. Außerdem wurden Kommunikationskanäle im Web ausgebaut. Kunden können nun über E-Mail, Chat oder Call-me-back-Button ein Unternehmen kontaktieren.

Ob SAP mit diesen Funktionen aber den Nerv seiner Kunden trifft, muss sich erst zeigen. "Die Schwerkraft wirkt wieder", stellte Plattner mit Blick auf manches hochfliegende E-Business-Projekt fest. Sein Unternehmen sei für das reale Web-Business gut positioniert.

Clarify-Pakt beendetSAP hat das Reseller-Abkommen mit Nortels CRM-Bereich Clarify beendet. Das bestätigte SAP-Vorstandssprecher Henning Kagermann. Der Verkaufserfolg von Clarifys Call-Center-Lösung sei nicht so groß gewesen, wie sich die beiden Unternehmen erhofft hatten. Allerdings will SAP weiterhin auf Projektebene die Anwendung in ihre Mysap.com-Software einbinden, sofern Kunden das möchten.

Statt der Clarify-Software wird SAP-Kunden nun die hauseigene Call-Center-Anwendung angeboten. Nach Angaben von Vorstandsmitglied Peter Zencke ist diese mittlerweile so ausgereift, dass sie sich auch für große Installationen eignet. Daher sei es nicht nötig, einen anderen strategischen Partner als Ersatz für Clarify zu suchen.