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14.03.2006

SAP-Vorstand Shai Agassi: "Oracle macht nur Lärm"

Wie sich SAP mit seiner ESA-Strategie behaupten will, darüber sprach SAPs Technik-Vorstand Shai Agassi mit CW-Redakteur Martin Bayer.

CW: Nächstes Jahr soll die Enterprise Services Architecture (ESA) fertig sein. Was gibt es in den kommenden Monaten noch für SAP zu tun?

AGASSI: Wir liegen gut im Plan. So haben wir bereits eine ganze Reihe von Services in Mysap ERP und unseren anderen Produkten definiert und dokumentiert. Damit haben wir schon ein ganzes Stück Arbeit auf dem Weg zu Version 1 unserer Business Process Platform (BPP) geschafft. Natürlich ist darüber hinaus noch genug zu tun. Es wird mehr Services geben, mehr Composite Applications, mehr Funktionen und so weiter.

CW: Derzeit zögern viele Anwender noch. Wie lange wird es dauern, bis die Kunden in der neuen SAP-Welt angelangt sein werden?

AGASSI: Ich gehe davon aus, dass wir in den kommenden zwölf bis 18 Monaten rund 5000 Migrationen sehen werden. Das entspricht dem normalen Verlauf einer Adaptionskurve, die sich über sieben oder acht Jahre erstreckt. Unsere Wettbewerber machen sich darüber lustig, dies sei nur ein kleiner Teil unseres Markts. Dabei übersehen sie jedoch, dass 5000 Kunden der gesamten Peoplesoft-Klientel entsprechen. Das sollte man in Relation zueinander sehen. Was Oracle für zwölf Milliarden Dollar gekauft hat, migrieren wir jedes Jahr.

CW: Wie würden Sie derzeit Ihre Position im Wettbewerb beschreiben …

AGASSI: Welchen Wettbewerb meinen Sie genau?

CW: Es gibt Unternehmen wie Oracle und Microsoft. Gerade Oracle positioniert sich als Anbieter des gesamten Software-Stacks. Ist SAP hier im Nachteil?

AGASSI: Oracle ist ein großartiger Datenbankanbieter, aber dabei will ich es dann auch belassen.

CW: Aber Oracle investiert stark in die Bereiche Middleware und Applications.

AGASSI: Sicher investiert Oracle eine Menge. Sie haben 20 Milliarden Dollar für Zukäufe ausgegeben. Aber schauen Sie, wo Oracle damit steht. Sie haben längst nicht den Umsatz erreicht, den sie wollten. Datenbankanbieter und Applikationshersteller haben eine komplett unterschiedliche Basis. Datenbanken sind Commodity. Jeder Kunde nutzt im Grunde die gleiche Technik. Kein Kunde passt eine Datenbank an. Dagegen gleicht keine Applikation der anderen. Jeder Kunde passt seine Anwendung an seine persönlichen Anforderungen an. Das sind zwei völlig unterschiedliche Geschäftsansätze. Es funktioniert nicht, beide Bereiche zusammenzubringen. Das führt am Ende zu einem Desaster in beiden Geschäftsbereichen.

CW: Sie glauben also nicht, dass Oracle mit seiner Integrationsstrategie Erfolg hat?

AGASSI: Das Geschäft der SAP ist klar und eindeutig geregelt. Wir fokussieren uns. Wir müssen keine Geschichten rund um unser Portfolio erfinden. Wir müssen nicht für 20 Milliarden Dollar Firmen zukaufen. Oracle wäre das erste Unternehmen, dem es gelingt, 18 verschiedene Softwarefirmen unter einen Hut zu bekommen. Das hat noch nie funktioniert.

CW: Es geht doch heute in erster Linie um die Integrationsplattform und die Middleware. Hier haben Firmen wie Oracle und IBM eine stärkere Position im Markt als Sie.

AGASSI: Es ist die Frage, zu welcher Seite hin die Middleware stärker integriert werden muss. Wir glauben, dass im Zeitalter der Service-orientierten Architekturen die Middleware mit der Definition der Schnittstellen, Prozesse und ihrer Zusammenhänge enger mit der Applikationsseite verknüpft sein müssen. Das sind zwei Seiten derselben Münze. Sie können das nicht von zwei unterschiedlichen Anbietern beziehen. IBM hat keine eigenen Applikationen. Was sollen sie also in ihr Repository packen? Oracle hat ein anderes Problem: Sie haben zu viele Applikationen. Wie wollen Sie einen Kunden definieren, wenn Sie sieben Definitionen aus sieben unterschiedlichen Anwendungsperspektiven haben?

CW: Oracle versucht derzeit, mit dem Kauf von Sleepycat im Open-Source-Geschäft Fuß zu fassen …

AGASSI: Sie machen Lärm.

CW: Was könnte Oracle damit vorhaben?

AGASSI: Das macht Oracle bestimmt nicht, um der quelloffenen Software einen Gefallen zu tun. Sie kaufen nicht ihren Open-Source-Wettbewerber, weil sie Open Source mögen. Sie kaufen ihn wahrscheinlich, um ihn vom Markt verschwinden zu lassen. Manchmal ist es günstiger, einen Konkurrenten zu kaufen und vom Markt zu nehmen, als selbst etwas Besseres zu entwickeln. Das kann eine Verteidigungsstrategie sein.

CW: Wie steht SAP zu Open Source?

AGASSI: Es gibt Leute, die reden darüber, und es gibt welche, die tun es. SAP tut es. Wir waren der erste Applikationsanbieter, der mit Linux und MySQL gearbeitet hat. Wir zerstören nicht, wir schaffen etwas zusammen mit Open Source. Wir haben unseren Code geöffnet, so dass unsere Kunden ihn bearbeiten und modifizieren können. Jetzt öffnen wir unsere Schnittstellen, damit andere Softwareanbieter ihre Lösungen an unsere Plattform und für unsere Kunden anpassen können. Das heißt Offenheit.