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31.03.2000 - 

Fachliteratur/Trotz anfänglicher Versäumnisse

SAP will auch im Internet zu den großen Playern zählen

von Inge Steutzger* "Dem Wandel voraus" versammelt vier Gespräche mit Hasso Plattner, in denen der SAP-Chef unter anderem über die Gründerjahre und den Erfolg von R/3 plaudert. Sein wesentliches Anliegen besteht aber darin, dem Leser glaubhaft zu machen, dass SAP technologisch und wirtschaftlich die Weichen richtig gestellt hat, um den Herausforderungen der Internet-Ökonomie gewachsen zu sein.

Einige Analysten vertreten die Ansicht, dass SAP sich nicht schnell genug auf die neuen Entwicklungen eingestellt hat, die durch das Internet in Gang gesetzt wurden. Auf einer ganz allgemeinen Ebene gibt Plattner zwar Probleme zu: "Ein europäisches Unternehmen muss es da ja schwer haben." Andererseits überrascht es wenig, dass dieses Buch die Botschaft transportiert, SAP sei durchaus gerüstet.

Plattner liefert viele Argumente, wobei er streckenweise aus einer defensiven Position nicht ganz herauskommt. So habe SAP die relativ späte Orientierung Richtung Internet leicht verkraftet, weil R/3 sich aufgrund seiner dreistufigen Client-Server-Architektur ziemlich einfach an den "mehr zentralistischen Ansatz des Internets" anpassen ließ. Auf die immer wieder geäußerte Kritik am monolithischen Aufbau von R/3 reagiert Plattner keineswegs mit ehrgeizigen Plänen, die hauseigene ERP-Software einer gründlichen Restaurierung zu unterziehen. Stattdessen behauptet er, dass nicht mehr die Technologie zähle, "sei es nun Objektorientierung, sei es Komponententechnologie. (...) Das ist Enabling-Technologie." Vielmehr, so der SAP-Chef, ist es die Anwendung, die in den Vordergrund gerückt sei.

Die ganz unterschiedlichen Kunden will man zukünftig besser unter einen Hut bringen, ohne jeweils eine eigene Anwendung bauen zu müssen. Vor allem mit "Mysap.com" will das Unternehmen dieses Ziel verfolgen, ja sogar "dem Wandel voraus" sein. Hinter diesem Titel verbergen sich zwei Portale, nämlich ein Arbeitsplatz und ein Marktplatz.

Der Workplace bietet Kunden einen zentralen Zugriff auf verschiedene Anwendungen, auch auf solche von anderen Herstellern. Dazu können sich Applikationen gesellen, die als Service im Internet angeboten werden. Ein weiterer Vorteil sind rollenspezifische Menüs, also personalisierte Oberflächen.

Plattner forciert insbesondere den Marketplace: Dabei handelt es sich um "die Integration zwischen den Systemen des Verkäufers, des Einkäufers, des Produzenten, des Verteilers", die ein komplexes Gewebe mit vielfältigen Beziehungen bilden. Diese sollen mit Hilfe eines "Umformers", eben dem Marktplatz, vereinfacht und durchschaubar werden. SAP sei in der Lage, diese Marktplatzsysteme nahtlos mit den Systemen zu verknüpfen, die in den Unternehmen nach wie vor laufen werden.

Es gab bei SAP die Überlegung, alles, was mit dem Internet zusammenhängt, auszugliedern. Plattner selbst hat sich dagegen ausgesprochen. Nun will SAP selbst die schwierige Aufgabe bewältigen, so ihr Chef. Das Unternehmen muss "Fantasie zeigen, und andererseits wollen wir es großflächig hinbekommen". Plattner glaubt, dass nur Firmen wie SAP derart hoch gesteckte Ziele erreichen können. Generell gibt er mittelgroßen Softwarehäusern wenig Chancen, am globalen Markt zu bestehen.

Hasso Plattner, August-Wilhelm Scheer, Siegfried Wendt, Daniel Morrow: Dem Wandel voraus: Hasso Plattner im Gespräch. Bonn: Galileo Press 2000. 307 Seiten, 48 Mark.

*Inge Steutzger arbeitet als freie Journalistin in München.