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21.06.1996 - 

Finanzen, Logistik und Human Resources

SAP zerlegt R/3 in drei separate Produkte

Anläßlich der europäischen User-Konferenz "Sapphire" in Wien legte Hasso Plattner, stellvertretender Vorstandschef der SAP, vor rund 4000 Teilnehmern die jüngsten Pläne der Softwareschmiede dar. Demnach wird das monolithische R/3-System in überschaubare, leichter zu pflegende Einheiten zerlegt.

In einem ersten Schritt wolle SAP die Entwicklungsplattform "Abap/4 Development Workbench" und die Einführungshilfe "Business Engineering Workbench" aus dem Paket herauslösen. Außerdem wird ein sogenannter "Information Server" angeboten. Dabei handelt es sich um ein NT-basiertes Datenbanksystem, das ständig über das Internet aktualisiert wird und sämtliches Dokumentations- und Trainingsmaterial, alle Modelltypen sowie Konfigurationsanleitungen und Testdaten enthält.

"Später dann", so Plattner, "werden wir die Anwendung selbst aufspalten." In Zukunft gebe es die drei großen Komponenten Finanzsystem, Logistik und Human Resource (HR) sowie zusätzliche Industrielösungen. Die Interaktion zwischen diesen Bausteinen erfolge über die Messaging-Technik Application Link Enabling (ALE). SAP werde die Anwendungen in "desintegrierter Weise" entwickeln und erst später miteinander verschmelzen. Einen Termin nannte Plattner nicht.

Vorstandsmitglied Peter Zencke räumte ein, daß die Zerstückelung des R/3-Systems zu einem geringfügig verminderten Integrationsniveau des Gesamtpakets führen werde. Dieser Umstand wird von Branchenkennern nicht unbedingt bedauert, denn der extrem hohe Integrationsgrad hatte eine enorme Komplexität bei der Einführung und Pflege zur Folge. Auf Wunsch erhalten Kunden jedoch auch weiterhin ein "superintegriertes Paket" (O-Ton Plattner).

Den Vorteil der R/3-Zerlegung sieht der SAP-Vize vor allem in der besseren Pflegbarkeit: "Wir können verschiedene Systeme auf unterschiedlichen Release-Leveln laufen lassen" Kunden müßten nicht mehr alle Applikationen auf einmal upgraden. Die SAP garantiere die Interoperabilität zwischen den R/3-Komponenten unterschiedlicher Release-Stände. Wolle eine Firma beispielsweise im Fertigungsbereich das neueste Modul einsetzen, könne sie dies künftig tun, ohne daß der Finanz- oder HR-Bereich tangiert werde.

Ebenfalls unabhängig vom Hauptsystem sollen SAP oder assoziierte Softwarehäuser Reporting-Funktionen, Selbstbedienungstransaktionen sowie Internet-Anwendungen - ob es sich nun um kundenorientierte oder um Business-to-Business-Applikationen für das World Wide Web handelt - anbieten können. Diese Lösungen werden über ALE und die sogenannten Business APIs (BAPIs) eingebunden. Plattner machte deutlich, daß man das R/3-System für Third-Party-Softwerker und Kunden öffnen werde. "Wir werden Hunderte, sogar Tausende von R/3- Interfaces haben, die von uns gewartet und von jedermann verwendet werden können."

Mit unverhohlener Begeisterung sprach der Redner über das "Satellitensystem" der Zukunft: "Es gibt eine große Komponente aus Abap/4-Code, eventuell ein wenig Adobe-Acrobat-Code, ein bißchen Visual Basic und Visual Basic Script, vielleicht ein wenig Java." Desktop-Tools wie Microsofts Excel würden ein "Bestandteil der R/3-Umgebung".

Der Theorie, daß Anwendungen der Zukunft sich aus einer Vielzahl kleiner, teilweise als Java-Applets über das Internet beziehbarer Komponenten zusammensetzten, mochte der SAP-Chef nicht folgen - es handele sich um "Dreamware". "Wenn irgend jemand in diesem Raum wirklich glaubt, man könne aus dem Internet Tausende von Komponenten, Applets und Infrastrukturprodukten herausziehen und innerhalb weniger Tage zu einer Anwendung assemblieren, dann irrt er gewaltig.".