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19.01.2009

SAP zieht öffentliche Großprojekte an Land

Millionenschwere Aufträge der Bundesagentur für Arbeit (BA) und der UNO könnten dem von der Wirtschaftskrise gebeutelten Softwarekonzern Luft verschaffen.

Das ist der größte Auftrag aus dem öffentlichen Sektor des vergangenen Jahres", kommentierte ein SAP-Sprecher den Deal mit der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Nach Angaben der Walldorfer ist der Vertrag bereits im August vergangenen Jahres unterzeichnet worden. Die Einführung der Software läuft seit Oktober 2008. SAP wird die Behörde mit ERP-Software für die Finanzverwaltung sowie Human Capital Management (HCM) beliefern. SAP zeichnet gemeinsam mit einem Subunternehmer für die Implementierung der Software verantwortlich. Rund 50 Berater sollen momentan in Nürnberg vor Ort das Projekt vorantreiben. Der Zeitplan sieht vor, das Vorhaben in verschiedenen Rollout-Phasen bis 2012/13 über die Bühne zu bringen.

Behörde will mehr Transparenz

Der Auftrag habe ein "erhebliches Volumen", verlautete von Seiten des Softwarekonzerns. Konkrete Zahlen wollten die badischen Softwerker indes nicht verraten. Von den 100 000 BA-Mitarbeitern sollen 7000 Nutzer direkt mit der ERP-Software des Walldorfer Konzerns arbeiten. An der europaweiten Ausschreibung hätten sich alle namhaften Software- und Beratungshäuser beteiligt.

Die SAP-Anwendungen sollen mehrere Eigenentwicklungen der BA ablösen, heißt es in einer offiziellen Mitteilung zu dem Deal. Die Bundesagentur erwartet sich von der SAP-Software eine verbesserte Transparenz sowie eine zukunftssichere Infrastruktur. "Die Software muss dafür ausgelegt sein, unseren Haushalt von rund 41 Milliarden Euro zuverlässig zu verwalten", sagte Klaus Vitt, CIO der Bundesagentur.

Ob dies gelingt, zweifeln manche Experten an. Der Customizing-Aufwand für die SAP-Applikationen sei immens, da die für Wirtschaftsunternehmen ausgelegte Software nun an die Bedürfnisse einer Mammutbehörde angepasst werden müsse.

Vor einer ähnlichen Aufgabe steht auch die UN. Berichten zufolge wird SAP die Vereinten Nationen mit einer neuen Verwaltungssoftware ausstatten. Offiziell wurde der Auftrag in Walldorf noch nicht bestätigt. Das Volumen des Deals soll 300 Millionen Dollar betragen, verlautete aus UN-Kreisen. Damit gelinge es einem deutschen Unternehmen erstmals seit langem wieder, einen Großauftrag der Vereinten Nationen an Land zu ziehen, hieß es. Welche Software genau zum Einsatz kommen soll, ist noch nicht bekannt. Genauso wenig wie Details zur Implementierung und der Dauer des Projekts.

Chancen in der Krise

Für den deutschen Softwarekonzern kommen die Großaufträge gerade zur rechten Zeit. SAP kämpft seit Herbst vergangenen Jahres mit den Turbulenzen der Wirtschaftskrise. Zum Ende des dritten Quartals 2008 beklagte Vorstandsprecher Henning Kagermann einen deutlichen Einbruch des Auftragseingangs. In der Folge verordneten sich die Walldorfer einen rigiden Sparkurs, der auch 2009 fortgesetzt werden soll. Das Sparprogramm sei eine Reaktion auf die Finanzkrise gewesen, verlautete aus Walldorf, und daran habe sich nichts geändert. Zu den Maßnahmen zählen zum Beispiel ein Einstellungsstopp, befristete Arbeitsverträge nicht zu verlängern sowie der weitgehende Verzicht auf Dienstreisen. Kurzfristig sollen damit rund 200 Millionen Euro eingespart werden.

SAP-Projekt bereitet Probleme

Um sich aus der Krise herauszuarbeiten, muss SAP zusehen, dass die Projekte auch gelingen. Doch das war in der Vergangenheit nicht immer der Fall. Erst kürzlich hat Shane Co., eine Handelskette für Schmuck aus Colorado, Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt. Ein Grund dafür seien Schwierigkeiten mit der Einführung von "SAP for Retail" gewesen, hieß es. Im Jahr 2005 hatte Shane mit dem SAP-Projekt begonnen, um neue Software für Kassen und das Lager-Management einzuführen. Ursprünglich sollte das Vorhaben acht bis zehn Millionen Euro kosten und innerhalb eines Jahres abgeschlossen werden. Die Kosten stiegen jedoch auf 36 Millionen Euro, die Einführung verzögerte sich auf 32 Monate. Als die Lösung im September 2007 in Betrieb ging, lieferte die ERP-Software aber keine akkuraten Lagerdaten, so dass die Bestände anwuchsen und nicht die erforderlichen Waren im Lager vorrätig waren.