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15.03.2002 - 

Ziele für gemeinsame Entwicklung wurden deutlich reduziert

SAPs APO genügt Daimler-Anforderungen nicht

STUTTGART (mo) - Wegen der komplexen Anforderungen an die Produktionsplanung bei der Fahrzeugmontage hat Daimler-Chrysler die Ziele eines gemeinsamen Entwicklungsprojekts mit SAP erheblich reduziert. Ob die Software jemals für den ursprünglich geplanten Einsatzzweck genutzt wird, ist noch nicht entschieden.

Weil die Entwicklung einer gemeinsamen Software für die Produktionsplanung in Fahrzeugmontagewerken zeitlich völlig aus dem Ruder gelaufen ist, haben Daimler-Chrysler und SAP die Ziele des Projekts "Automotive Secam" zusammengestrichen und neue Meilensteine definiert.

Projektpläne radikal geändertZwar ist die gemeinsam entwickelte Software im Prinzip fertig, kommt aber zunächst nicht wie geplant in der Fahrzeugmontage zum Einsatz - vor allem wegen hoher Kosten und den komplexen Anforderungen in Fahrzeugmontagewerken wie Sindelfingen und Rastatt. Nun soll das Programm seine Leistungsfähigkeit erst einmal im Aggregatewerk Untertürkheim unter Beweis stellen, wo Komponenten wie Motoren hergestellt werden. Einige Probleme, unter anderem mit Performance und Ablaufsicherheit, hat SAP mittlerweile gelöst.

Im Jahr 1997 hatten SAP und Daimler-Chrysler die gemeinsame Entwicklung auf der Basis von R/3 eingeleitet. Später wurde die Optimierungssoftware "Advanced Planner and Optimizer" (APO) von SAP hinzugenommen. Ziel war es, binnen zwei Jahren ein Basissystem zu erstellen und damit die bestehenden Individualanwendungen in den Fahrzeugmontagewerken abzulösen. Als Erstes sollte damit Rastatt ausgestattet werden, das rund 150000 A-Klasse-Wagen pro Jahr produziert. Bis heute ist dort aber noch nicht einmal ein Pilot installiert. "Die Verzögerungen im Projekt haben ihre Ursache auch da-rin, dass das zunächst für das Werk Rastatt ausgelegte Programm auch für andere Werke eingesetzt werden sollte und damit die Anforderungen gestiegen sind", kommentiert Wilhelm Zwerger, Senior Vice President Discrete Industries bei SAP und als Entwicklungschef für die Automotive-Lösung zuständig. Insider sehen den Grund für die Verzögerung dagegen auch in fehlendem Knowhow bei SAP, was Zwerger aber dementiert. Daimler-Chrysler habe viel in die Kooperation investiert, und von SAP sei nicht so viel zurückgekommen, so eine interne Quelle. Ferner seien beide Seiten von der Geschwindigkeit des technologischen Fortschritts überrascht worden. Anfang dieses Jahres drohte daher die Kooperation sogar zu platzen.

Die Herausforderung bei den Fahrzeugwerken liegt vor allem in der kundenindividuellen Fertigung der Autos. Beispiel Sindelfingen: Dort werden jährlich 115500 C-Klasse- und 185000 E-Klasse-Limousinen, 87000 S-Klasse, 39 000 E-Klasse T-Modell sowie 3500 CL-Coupés gefertigt. Lässt man die Bestellungen von Großabnehmern wie Sixt außen vor, sind nur zwei Wagen im Jahr zu 100 Prozent identisch. Die mit dieser extremen Mass-Customization verbundene Komplexität abzubilden stellt eine enorme Herausforderung dar. "Die Fertigung in der Automobilindustrie besteht aus einer anspruchsvollen Mischung aus Volumen und Komplexität", weiß auch Andreas Baader, als Partner beim Beratungsunternehmen Barkawi & Partner GmbH, München, für den Automotive-Bereich zuständig. "Diese in Standardsoftware abzubilden ist ein ambitioniertes Unterfangen." Ein Insider kritisiert daher auch, dass die zu bewältigenden Aufgaben für eine Standardsoftware zu speziell seien. SAP habe keine Branchenlösung für Automobilhersteller geschaffen. Die Software aus der SAP-Kooperation sei noch lange nicht in dem Zustand, dass man sie zum Beispiel in Sindelfingen einsetzen könne. Trotzdem ist es nach übereinstimmender Aussage vieler Beteiligter weiterhin das Ziel, auch in diesen Werken die Software, gegebenenfalls versehen mit individuellen Erweiterungen, zu verwenden. Wann das sein wird, ist aber noch unklar.

Einige Kenner der Materie fürchten jedoch, dass es niemals so weit kommt. Bei ihnen besteht der Eindruck, SAP lege nicht genug Engagement bei der Entwicklung für die Fahrzeugwerke an den Tag. Außerdem gebe es wirtschaftliche Überlegungen. Die Betriebskosten der SAP-Lösung sind angeblich höher als die von Individuallösungen. Die Betriebskosten seien, so die interne Sprachregelung bei Daimler-Chrysler, der Hauptgrund, warum die Einführung in den Fahrzeugmontagewerken zurzeit eingefroren wurde.

Tatsächlich müssen Anwender wie Daimler-Chrysler, die ihre Software in so genannten strategischen Kundenprojekten mit SAP zusammen entwickelt haben, die Lösung letztendlich von SAP kaufen - wenn auch mit einem hohen Rabatt. Die Kosten für Automotive Secam sind aber schon dadurch gestiegen, dass die ursprüngliche Planung auf der Basis von R/3 erfolgte, mittlerweile aber APO einen wesentlichen Bestandteil des Systems darstellt. Die Kostenfrage ist zwischen Daimler-Chrysler und SAP internen Quellen zufolge noch umstritten.

Optimismus bei SAPDie technischen Probleme hingegen sieht man zumindest bei SAP als gelöst. Hierzu gehört vor allem die Leistungsfähigkeit: "Alle von Daimler-Chrysler gesteckten Ziele in Bezug auf die Performance unserer Lösung haben wir mittlerweile erfüllt oder übertroffen", stellt Zwerger klar. Zum Beispiel lassen sich mit herkömmlichen Techniken die Fertigungsdaten bei der Produktion von mehr als 2000 Fahrzeugen am Tag in 24 Stunden nicht berechnen. Nach Angaben von Zwerger kann aber ein Sindelfinger Jahresprogramm mit der SAP-Lösung in zwei Stunden aufgelöst werden. Und auch Probleme bei der Ausfallsicherheit des Livecache, einer Kernkomponente bei APO, wurden kürzlich überwunden.

"Vom Volumen und der Funktionalität her können wir auch das Fahrzeugwerk Rastatt bedienen", so Zwerger. Nur für Sindelfingen müssten noch zusätzliche Funktionen entwickelt werden. Zwerger ist daher optimistisch, dass die Software in diesen Werken auch über kurz oder lang eingeführt wird.