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07.05.1999 - 

Mysap.com als Portal für E-Business

SAPs E-Commerce-Strategie ist mit heißer Nadel gestrickt

NIZZA (bs) - SAP hob auf der Hausmesse Sapphire ''99 in Nizza den Vorhang für die neue E-Commerce-Strategie: Mit "Mysap.com" wollen die Walldorfer einen Web-basierten Marktplatz schaffen. Wie sie allerdings damit Geld verdienen möchten, blieb unklar.

Für Analysten ist Mysap.com nicht mehr und nicht weniger als eine überhastete Marketing-Strategie, die an den brennenden Anwenderproblemen wie schnelle Software-Einführung sowie Jahr 2000 und Euro vorbeigeht.

Ziel der Initiative jedenfalls sei es, so Hasso Plattner, Vorstandssprecher der SAP, die Verbreitung der SAP-Produkte unter den bestehenden, aber auch bei neuen Kunden zu erhöhen und darüber hinaus einen Marktplatz für die Beschaffung via Internet zu bieten. Konkret: Unter www.mysap. com soll eine Art Web-Portal entstehen, auf dem Unternehmen mit ihren Kunden Informationen austauschen können. Im Kern sollen damit Beschaffungsprozesse unterstützt werden.

SAP möchte dabei als Hosting-Service fungieren und Verzeichnisse wie "Wer liefert Was" und Informationen über Geschäftsbeziehungen verwalten. Auch Nicht-SAP-Usern soll ein Zugang zu diesem Marktplatz ermöglicht werden. Zu den Partnern der ersten Stunden gehören Technologiefirmen wie Tibco und Motorola sowie die Kataloganbieter Aspect, Grainger und Requisite. Lieferanten für Applikations-Know-how im Segment E-Commerce sind IBM, Intershop, Microsoft und Pandesic.

SAP in eine "Me-too-Rolle" gedrängt

Derweil wurde von SAP in Nizza eine generelle Internet-Strategie erwartet, da beispielsweise ihre Pandesic-Initiative mit Intel bislang wenig Ergebnisse brachte. "Der Erfolgsdruck ist deshalb jetzt noch größer", sagt Henrik Klagges, Analyst bei Strategy Partners in München. Laurent Lachal, Analyst bei Ovum Ltd., Paris, begrüßt zwar die Strategie der Walldorfer, doch für ihn scheinen die Konzepte nicht ausgereift und sehr überhastet: SAP reagiere damit auf Wünsche US-amerikanischer Anwender. Dort sei derzeit alles angesagt, was "Web-enabled" ist, so daß man sich dieser Strömung nicht verschließen könne. "Alle namhaften ERP-Anbieter haben angekündigt, ihrer Software Portale vorzuschalten, um so den Einstieg in das E-Business zu ermöglichen."

Die SAP sei vergleichsweise "spät dran", zudem werde ihr der Wandel zu einer Web-basierten E-Commerce-Company nicht abgenommen, erklärt Lachal. Speziell Oracle und Peoplesoft seien hier dem Markt voraus: "SAP ist in eine Me-too-Rolle gedrängt worden." Kritik übt der Ovum-Spezialist vor allem an der begrenzten Interpretation von E-Commerce seitens der SAP. Die Walldorfer kündigten zwar an, Usern alle für sie notwendigen Informationen via Web bereitstellen zu wollen, doch beschränke sich SAPs Internet-Computing bei genauer Betrachtung auf die Abwicklung von Beschaffungsprozessen zwischen Geschäftspartnern (Business-to-Business-Procurement).

Für Helmut Gümbel, Managing Director bei Strategy Partners, wurde das Konzept mit der heißen Nadel gestrickt. Noch am Wochenende vor dem Event in Nizza habe man letzte Ergänzungen vorgenommen, so der Insider. Der Feinschliff fehle aber. Außerdem sei überhaupt nicht zu erkennen, ob und wann sich dieses Geschäftsmodell für SAP finanziell rentiere. Unklar sei überdies, mit welchen Kosten Marktteilnehmer rechnen müssen. Laut Plattner will man das neue Geschäftsmodell zunächst etablieren und abwarten, wie die Resonanz bei Anwendern und Partnern ist: "Wir haben auch den ERP-Markt anfangs maßgeblich gepusht und später gut damit verdient", entgegnete Plattner gereizt. Bislang scheint nur die Kostenseite für Mysap.com bekannt zu sein, die Plattner auf mehrere 100 Millionen Mark beziffert.

Als Hemmschuh für die rasche Verbreitung von Mysap.com könnte sich die Notwendigkeit entpuppen, daß nur Anwender, die mit der neuen "Enjoy-SAP"-Oberfläche arbeiten, das Portal nutzen können. Diese ist jedoch nicht vor dem dritten Quartal dieses Jahres mit Release 4.6 verfügbar. Das Gros der rund 20000 Installationen hat aber noch den Stand 3.x, von Ausführung 4.0 sind derzeit etwa 8000 Systeme im Feld, erklärte Vorstandsmitglied Gerhard Oswald. Von Version 4.5, die für Enjoy vorbereitet ist, sind erst 600 Einheiten ausgeliefert.