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17.12.1999 - 

Verschärfte Bedingungen für Beratungspartner

SAPs Internet-Portal Mysap.com findet erste Abnehmer

Walldorf (CW) - Als erster Großkunde will der langjährige Hardware-Partner Hewlett-Packard SAPs Portalprodukt Mysap.com einsetzen. Eine Veranstaltung zum zehnjährigen Bestehen des SAP HP Competence Center in Walldorf nutzte Vorstandssprecher Hasso Plattner, um auf die Perspektiven des Softwarehauses einzugehen und einige Spitzen gegen den Erzrivalen Oracle loszulassen.

In einem Gespräch vor Pressevertretern im neuen Partnerforum in Walldorf zeigte sich Plattner rhetorisch in Höchstform. Neben den erwarteten Artigkeiten - immerhin arbeitete HP mit "an vorderster Front von R/3" und "es laufen noch rund 25 Prozent der über 20000 R/3-Installationen auf HP-Systemen" - übte der SAP-Chef auch leise Kritik am Hardwarepartner. Insbesondere das Bündnis in puncto Customer-Relationship-Management-(CRM-) Software zwischen HP und Oracle scheint ihm ein Dorn im Auge zu sein. Darüber konnte selbst der mit HP geschlossene Lizenzvertrag über die weltweite Nutzung von SAP-Software beziehungsweise Mysap.com nicht ganz hinwegtrösten.

HP setzt auf Mysap.com

So plant HP, das in den eigenen Reihen zwischen 5000 und 10000 R/3-Nutzer hat, das Internet-Portal weltweit einzusetzen, um Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner über eine gemeinsame Plattform zu verbinden. Insbesondere der Service und Handel des IT-Riesen sollen somit auf elektronischem Wege unterstützt werden. Der Auftrag hat ein Gesamtvolumen von 36 Millionen Dollar. HP wird die eigene E-Commerce-Middleware "E-Speak" in die Mysap.com-Lösungen "Workplace" und "Marketplace" integrieren.

Bis zum Ende des Jahres erwartet SAP, mindestens zehn Internet-Marktplätze auf die Beine stellen zu können. Eines dieser Business-Portale soll einen Online-Marktplatz für die chemische Industrie darstellen, auf dem Unternehmen wie Bayer, BASF und Hoechst agieren, hatte Plattner in einem Interview mit dem "Wall Street Journal" verlauten lassen. In einigen Fällen will SAP das Portal für Firmengruppen selbst betreiben und dafür eine Umsatzbeteiligung kassieren. Zur Höhe der Gebühren machte Plattner keine Angaben. In fünf Jahren rechnet er jedoch damit, daß die Einnahmen aus diesem E-Commerce-Geschäft zehn bis 20 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen werden. Analysten und Anleger konnte Plattner anscheinend von seiner Internet-Vision überzeugen. Der Wert der Aktie steht auf dem Jahreshoch und lag am Dienstag bei knapp über 600 Euro.

Selbstverständlich wollen die Walldorfer andere Software-Unternehmen animieren, sich an das SAP-Portal anzuhängen. Die Gestaltungsrichtlinien, die auf die Entwürfe von Frog Design zurückgehen, werden für 500 Dollar im Jahr an Dritte lizenziert. Plattner ließ zusätzlich durchblicken, daß das eine oder andere Fremdprodukt im Rahmen eines OEM-Abkommens hinter der Portaltür verschwinden wird. Der SAP-Chef ist sich sicher: "Portale werden sich mit anderen Portalen leicht verständigen können." Hier setzt er im Gegensatz zu Oracle auf die enge Partnerschaft mit Microsoft und will hier nicht in Konkurrenz zu den Redmondern treten. Schließlich werden gegenwärtig 60 Prozent der SAP-Software auf NT-Systemen ausgeliefert. Einem wie auch immer gearteten Bündel aus Anwendungssoftware, Datenbank und Betriebssystem (Linux) nebst Hardware erteilte der SAP-Chef deshalb eine Absage.

Auch die Fehde zwischen Plattner und Larry Ellison, Chief Executive Officer von Oracle flammte im Vortrag des SAP-Chefs immer wieder auf. Bekanntermaßen ist Oracle in der Zwischenzeit von einem der wichtigsten Entwicklungspartner - Plattner: "Man muß es einmal ganz ehrlich sagen, es gäbe kein R/3 ohne Oracle" - zum Erzrivalen mutiert. Insbesondere in den USA kämpfen beide Unternehmen mit harten Bandagen gegeneinander. Inzwischen zieht man in Walldorf die ersten Konsequenzen. Nach DB2 (siehe CW 49/99, Seite 1) werde künftig auch Microsofts "SQL Server" einen signifikanten Anteil der Entwicklungsdatenbanken bei SAP stellen, teilte Plattner mit: "Das sind jetzt absolut gleichwertige Systeme. In der IBM- und Microsoft-Datenbank sehen wir einen Wachstumsmarkt." Im Rahmen von Mysap.com gewinnt außerdem die eigene SAP-DB, die auf eine ursprüngliche Nixdorf-Entwicklung ("Reflex", später "DDB4" und "Adabas D") zurückgeht, immer mehr Gewicht als Spezialdatenträger für Software wie Advanced Planning and Opitimization (APO), "Knowledge Management" sowie "Catalog". Inzwischen soll es auch einen Workplace-Katalog mit zirka 180 Rollenbeschreibungen geben.

Nicht Prozesse, sondern Arbeitsplätze optimieren

Eine neue Runde im Machtkampf um die Welt der Anwenderdaten und Informationen stehe bevor. Denn mit der Portalstrategie lasse SAP die Welt der ERP-Software hinter sich, während Oracle vom Datenlager auf den Schreibtisch der Anwender rücken will. "Es gibt einen vollkommenen Umbruch von der Prozeßoptimierung zur Arbeitsplatzoptimierung", faßt Plattner die eigenen Anstrengungen zusammen. In diesem Zusammenhang, so spekuliert er, wird das Modifizieren der Standardsoftware an Wert verlieren. "Wir müssen es unseren Beratungspartnern klarmachen, daß es nicht ihr Erlöszweig Nummer eins sein kann, die von uns gebaute Software zu verändern." Im neuen Jahr werden sich die Partner deshalb auf verschärfte Bedingungen einstellen müssen.