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26.04.2002 - 

Commerce One im freien Fall, Siebel enttäuscht

SAPs Lizenzgeschäft geht zurück

MÜNCHEN (CW) - Jetzt lahmt auch das Branchenzugpferd Software: Während SAP einen Rückgang der Lizenzeinnahmen weitgehend mit Erlösen aus dem Wartungsgeschäft kompensieren konnte, gehen Umsatzrückgang und Verluste bei Commerce One ans Eingemachte. Auch Siebel Systems legte enttäuschende Zahlen vor.

Zwar gelang den Walldorfern im ersten Quartal 2002 eine im Vorjahresvergleich neunprozentige Umsatzsteigerung von 1,52 auf 1,66 Milliarden Euro, doch unter dem Strich blieb ein deutlicher Rückgang des Konzernergebnisses, das sich - bedingt durch Abschreibungen auf Akquisitionen und die 20-Prozent-Beteiligung an Commerce One - um 40 Prozent von 109 auf 65 Millionen Euro reduzierte. Beim operativen Gewinn schaffte SAP zwar gegenüber dem ersten Quartal 2001 noch ein leichtes Plus von 117 auf 121 Millionen Euro; herausragende Kennziffer der ersten drei Monate des laufenden Geschäftsjahres dürfte jedoch ein zwölfprozentiges Minus bei den Lizenzeinnahmen sein, die von 458 auf 402 Millionen Euro fielen.

Erstmals haben die Walldorfer damit innerhalb einer Berichtsperiode weniger als ein Drittel ihres Gesamtumsatzes mit Lizenzen erzielt. Analysten, die mit Lizenzeinnahmen von 450 bis 460 Millionen Euro gerechnet hatten, werteten dies als Indiz dafür, dass der vielfach erwartete Aufschwung bislang ausgeblieben ist. Vor allem in den USA und in Asien haben sich viele Unternehmen mit Investitionen zurückgehalten. Hier musste SAP im Vergleich zum Vorjahresquartal Einbrüche im Lizenzgeschäft von 30 beziehungsweise 32 Prozent hinnehmen.

SAP-Vorstandssprecher Henning Kagermann zeigte sich gegenüber Analysten dennoch optimistisch. Man setze auf ein "deutlich stärkeres zweites Halbjahr" und erneuere die Prognose, "den Umsatz im Gesamtjahr 2002 um rund 15 Prozent zu steigern". Konkrete Anhaltspunkte, worauf sich diese Hoffnung gründet, blieb Kagermann allerdings schuldig. Für seinen Optimismus spricht, dass das erste und dritte Quartal traditionell die schwächeren Perioden im Geschäftsjahr der Walldorfer sind - und für das gesamte Fiskaljahr 2002 könnte das Motto des ersten Quartals gelten: Das schwache Lizenzgeschäft wird durch ein zweistelliges Wachstum bei den Service- und Beratungsumsätzen wettgemacht.

Gefahr für die Bilanz der SAP könnte aber auch noch von anderer Seite drohen: der Beteiligung an Commerce One. Allein im ersten Quartal belasteten die Verluste des Marktplatz-Spezialisten das Finanzergebnis der Walldorfer mit weiteren 52 Millionen Euro. Wie ernst die Lage bei Commerce One mittlerweile ist, machen die aktuellen Zahlen der einstigen Highflyer-Company deutlich. So fiel dort der Umsatz in den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres 2002 gegenüber der vergleichbaren Vorjahresperiode um 81 Prozent von 170,3 auf 31,8 Millionen Dollar. Als Verlust lief nach 228,5 Millionen Dollar im Vorjahr erneut die abenteuerliche Summe von 220,6 Millionen Dollar auf. Der von SAP unabhängige Umsatz des US-Softwarehauses dürfte, wie Insider mutmaßen, in den letzten drei Monaten fast zum Erliegen gekommen sein. Sollte Commerce One nicht mehr aufzufangen sein, drohen Abschreibungen in dreistelliger Millionenhöhe.

Auch CRM-Anbieter Siebel musste im ersten Quartal 2002 deutliche Einbußen an Umsatz und Gewinn hinnehmen. Die Einnahmen der Kalifornier fielen gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres von 598,7 auf 477,8 Millionen Dollar, der Nettogewinn sank von 76,9 auf 64,6 Millionen Dollar. Das Lizenzgeschäft blieb dabei mit 246 Millionen sogar um 27 Prozent unter der entsprechenden Marke des Vorjahres. Interessant dürfte hier auch ein Vergleich zur SAP sein, die im gleichen Zeitraum die Umsätze mit ihrer Suite "Mysap CRM" um zehn Prozent auf 74 Millionen Euro steigern konnte. (gh)

Shai Agassi in den SAP-Vorstand berufenEs war quasi nur die Fußnote einer Pressemitteilung: Der SAP-Aufsichtsrat hat Shai Agassi in einer Sitzung am 17. April 2002 in den Vorstand bestellt. Der 34-jährige Israeli, der erst vor 13 Monaten sein Unternehmen Top Tier an die Walldorfer verkauft hat, legte damit eine für SAP-Verhältnisse kometenhafte Karriere hin. Jetzt soll er den neu gegründeten Geschäftsbereich "Collaborative Applications" leiten, in dem die Mitarbeiter der bisherigen Töchter SAP Markets und SAP Portals weitgehend gebündelt wurden. Keine leichte Aufgabe für den Senkrechtstarter, den manche SAP-Kenner schon als designierten Nachfolger von SAP-Chef Hasso Plattner handeln. Der übrigens soll gar nicht so viel von dieser Zusammenlegung der beiden - wie Insider in Walldorf spöttisch kommentieren - unprofitablen, aber strategisch wichtigen Geschäftsfelder halten. Im gerade abgeschlossenen ersten Quartal sprechen die einschlägigen Zahlen jedenfalls Bände: Da hat Agassis bisheriger Geschäftsbereich "Mysap Portals" nur 44 Millionen Euro und damit um 45 Prozent weniger als im Vorjahr zum Gesamtlizenzumsatz beigetragen. (gh)