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23.01.2006

SAPs Tempo bereitet Kunden Sorgen

Die Walldorfer halten ihre Wettbewerber auf Distanz. Gefahr droht allenfalls von Kunden, die sich neuer Technik verweigern.
Noch halten SAP-Kunden an R/3 fest. Für den Einstieg in die Enterprise Services Architecture sind jedoch modernere Produkte erforderlich.
Noch halten SAP-Kunden an R/3 fest. Für den Einstieg in die Enterprise Services Architecture sind jedoch modernere Produkte erforderlich.
Befragt wurden 3188 SAP-Bestandskunden; Quelle: Raad Consult 2005 In mehr als die Hälfte aller SAP-Umbegungen werden Raad Consult zufolge Integrationslösungen genutzt. Jede dritte "Netweaver"-Installation dient der Anwendungskopplung.
Befragt wurden 3188 SAP-Bestandskunden; Quelle: Raad Consult 2005 In mehr als die Hälfte aller SAP-Umbegungen werden Raad Consult zufolge Integrationslösungen genutzt. Jede dritte "Netweaver"-Installation dient der Anwendungskopplung.

Wer kann SAP gefährlich werden? Das Softwareunternehmen verfügt dank des 1993 eingeführten Erfolgsprodukts "R/3" über eine große installierte Basis und ist im Geschäft für Business-Software klarer Marktführer. In Zahlen ausgedrückt: SAPs Anteil am Geschäft mit Enterprise-Resource-Planning-Lösungen liegt nach Angaben des Beratungshauses Gartner knapp unter 30 Prozent weltweit. Der größte Konkurrent Oracle, der über ein ähnliches Produktportfolio verfügt, hält etwa 13 Prozent.

Die Konkurrenten

Oracle

Auch wenn die Einkaufsstrategie von Oracle in Walldorf zuweilen als "Ausbau des Softwarefriedhofs" verspottet wird, ist der Datenbankspezialist der einzige echte Konkurrent im Geschäft mit betriebswirtschaftlichen Applikations-Suites für das Highend.

Der Datenbankanbieter profitiert von der SAP: Noch immer werden die meisten Installationen der Business-Software auf Datenbanken des kalifornischen IT-Konzerns betrieben.

Oracle hat sich mit "Project Fusion" Ähnliches vorgenommen wie SAP mit der Busi-ness Process Platform. Aus den zugekauften Produkten von Peoplesoft und Siebel baut der Hersteller eine SOA-gestützte Applikationsplattform. Das Pendant zu Netweaver ist hierbei die "Fusion Middleware". Damit wendet sich der Konzern auch an Firmen, die keine betriebswirtschaftliche Software von Oracle einsetzen. Deshalb versucht die Firma, diese Middleware auch SAP-Kunden als Integrationslösung alternativ zu Netweaver schmackhaft zu machen.

Microsoft

Die Gates-Company steht zwar grundsätzlich ebenfalls mit SAP im Wettbewerb und versteht sich auch als Generalist. Der amerikanische Softwarekonzern tummelt sich aber lediglich im Wachstum verheißenden Mittelstandsgeschäft. Nur die Software "Axapta" könnte in puncto Skalierbarkeit auch für kleinere R/3- und Mysap-Anwender ausreichen.

Zwar dürften sich nur sehr wenige Anbieter zugunsten von Axapta von ihren bewährten ERP-Backbones Marke SAP verabschieden, wohl aber können sie auf Niederlassungen, Töchter und Geschäftsbereiche mit dem Microsoft-Produkt ausstatten. Dieses Revier wird SAP zu verteidigen versuchen, denn das Neugeschäft mit der Stammkundschaft ist ein wichtiger Umsatzbringer.

Im Wettbewerb stehen Microsoft und SAP auch in Sachen Infrastruktur: Dort treffen die .NET-Plattform und Windows auf Netweaver.

Trotz ihrer Rivalität agieren Microsoft und SAP auch als Partner: Im gemeinsamen Projekt "Mendocino" entwickeln Software-spezialisten beider Firmen ein Produkt, mit dem Anwender des Office-Pakets von Microsoft auf Backend-Daten und Geschäftsprozesse von Mysap ERP zugreifen. Eine erste Version soll Mitte des Jahres auf den Markt kommen. SAP hofft, so weitere Nutzerlizenzen verkaufen zu können und Microsoft will Office als ERP-Frontend pushen.

IBM

Ähnlich wie Microsoft ist auch IBM gleichsam Freund und Feind. IBMs Beratungssparte implementiert bei Kunden in großem Stil SAP-Lösungen. Andererseits steht Big Blues die Infrastrukturplattform "Websphere" im Wettbewerb mit SAPs Netweaver. Zwar lassen sich auf Websphere keine SAP-Applikationen betreiben, doch vermag die Integrationstechnik der IBM sowohl SAP- als auch Nicht-SAP-Systeme für übergreifende Geschäftsprozesse zu koppeln - mit diesem Anspruch tritt auch die SAP mit Netweaver an die Kunden heran. SAP ist vor allem dort im Vorteil, wo die wichtigsten Geschäftsprozesse des Kunden über die eigene Business-Software abgewickelt werden. Lösungen von Dritten sollen sich über Adapter integrieren lassen. IBM dagegen ist wesentlich länger im Middleware-Geschäft und kann als applikationsunabhängiger Integrations- und Geschäftsprozessanbieter auftreten.

Infor, SSA Global und Sage

Diese und andere ERP-Player konzentrieren sich meist auf bestimmte Industrien wie etwa die Fertigung, vermarkten ihre Produkte nur an mittelständische Kunden oder sind lediglich in bestimmten Regionen stark.

Salesforce.com

Die Vermieter von Anwendungsfunktionen haben Zulauf, allen voran der CRM-Anbieter Salesforce.com. Inzwischen vermarktet das Unternehmen nicht mehr nur eine Vertriebssteuerung, die Kunden per Browser bedienen, sondern stellt den SOA-Konzepten der ERP-Giganten die Web-basierende Entwicklungsplattform App Exchange entgegen. Zwar steht der kalifornische Anbieter hier noch ganz am Anfang, hat aber, falls genügend Softwarepartner aufspringen - die zum Teil auch mit SAP zusammenarbeiten - grundsätzlich Potenzial.

ESA-Adaption

Nach den Erfahrungen von Alfons Wahlers, Vorsitzender der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG), beschäftigen sich allenfalls IT-Leiter und -Vorstände mit SAPs Enterprise Services Architecture (ESA). Vorwiegend werde das Thema durch die technische Brille betrachtet. Vielen Anwendern sei nicht klar, welchen wirtschaftlichen Vorteil Service-orientierte Architekturen bringen sollen. "Die Fachbereiche und das Unternehmen selbst interessiert das weniger", so Wahlers. Diese müssten jedoch mit ins Boot, da ohne Änderung der Abläufe und der Organisation keine ESA-Einführung möglich ist.

Zudem würden sich Anbieter von Business-Process-Outsourcing bis dato kaum mit SAPs Web-Services-Technik auseinander setzen. Doch gerade hier lägen dem DSAG-Leiter zufolge große Vorteile für Anwender, insbesondere solche aus dem Mittelstand, die Service-orientierte Plattformen nicht selbst betreiben können oder wollen. Die Auslagerung ist aber auf interne Vorbereitung angeweisen: "Sie setzt jedoch voraus, dass Anwender in der Lage sind, externe Services in die interne IT zu übernehmen."

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de/go/

571040: SAP stellt in Deutschland Mitarbeiter ein;

570804: Branchenlösungen von SAP;

570717: SAP auf Linux;

571092: Oracle Fusion ist zur Hälfte fertig;

571048: Salesforce.com.

Historie

1972Gründung durch die Ex-IBM-Mitarbeiter Claus Wellenreuther, Hans-Werner Hector, Klaus Tschira, Dietmar Hopp und Hasso Plattner.

1973 R/1 erscheint (R steht für Realtime) und bietet gegenüber damals noch Batch-orientierte DV eine Finanzbuchhaltung mit Transaktionsverarbeitung im Dialog.

1993 Das Client-Server-System "R/3" folgt auf die Mainframe-Lösung "R/2". Auf R/3 begründet sich der weltweite Erfolg des Unternehmens.

1999SAP stellt "Mysap.com" vor, zunächst als Web-basierenden Marktplatz. Später wird daraus die "Mysap Business Suite".

2002Die Übernahme der israelischen Firma Top Manage soll das Mittelstandsgeschäft beflügeln. Aus dem Deal geht "SAP Business One" hervor.

2003Vorstellung des Konzepts der "Enterprise Services Architecture" (ESA), "SAP Netweaver" und "Mysap ERP". Letzteres enthält anfangs im Kern noch R/3.

2004Auf Kundendruck erarbeitet SAP einen übersichtlicheren Wartungsplan für R/3 und Mysap.

2005Ankündigung der "Business Process Platform" (BPP). Auslieferung des R/3-Nachfolgers Mysap ERP 2004. Künftig sollen ERP-Basisfunktionen Bestandteil der BPP sein.

Hier lesen Sie …

• wie SAP Kunden von den Enterprise Services Architecture überzeugen will;

• wie Anwender zu ESA stehen;

• über SAPs Konkurrenten;

• welche Branchen und Marktsegmente der Konzern künftig ins Visier nimmt.

Stärken und Schwächen

-- Globale installierte Basis,

- zukunftsweisende Produktstrategie,

- Marktführer bei ERP,

- gute finanzielle Situation,

- keine Integration von gekauften Produkten erforderlich,

- eigene Infrastrukturplattform Netweaver und damit Potenzial für indirektes Geschäft über Partner.

- Produkteinführung ist komplex,

- viele Kunden halten an R/3 fest,

- wenig Erfolg mit SAP Business One.

An diesem Rückstand konnten zumindest bisher auch die Kampfansagen von Oracle-Chef Lawrence Ellison (er prophezeite SAP einen "nuklearen Winter") nichts ändern.

Im vierten Quartal des mit dem Kalenderjahr 2005 endenden Geschäftsjahres konnten die Walldorfer ihre Softwarelizenzeinnahmen um 18 Prozent auf 1,180 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum steigern. Wachstum erzielt SAP da, wo es Oracle am meisten wehtut, nämlich in dessen US-amerikanischem Heimatmarkt. Dort kletterte SAPs Softwarelizenzumsatz um 35 Prozent auf 315 Millionen Euro. Im asiatisch-pazifischen Raum konnte SAP mit 131 Millionen Dollar ein Viertel mehr einnehmen. Noch trägt die Region Europa, Naher Osten und Afrika mit 625 Millionen Euro am meisten zum Geschäft bei, dies jedoch mit einem vergleichsweise geringen Wachstum von acht Prozent. Im Heimatmarkt Deutschland betrug der Zuwachs sogar nur noch zwei Prozent auf 238 Millionen Euro. Eigenen Angaben zufolge ist SAP unter anderem deshalb in den USA gewachsen, weil Softwarekäufer von der aggressiven Akquisitionsstrategie Oracles abgeschreckt wurden. In Walldorf hofft man, den Datenbankhersteller auch künftig auf Distanz halten zu können.

Wettrennen zwischen SAP und Oracle

Im asiatischen Markt sind die IT-Hersteller zwar schon länger unterwegs, ein Sieger zeichnet sich indes noch nicht ab. "Die USA sind das aktuelle Schlachtfeld zwischen beiden Kontrahenten. Letztlich entschieden wird das Rennen in Asien", meint Nils Niehörster, Geschäftsführer des Marktforschungsunternehmens Raad Consult in Münster.

Die größte "Bedrohung" für SAP geht von den eigenen Kunden aus: Wie andere Hersteller sind die Walldorfer darauf angewiesen, ihre Client-Server-Systeme in Richtung Service-orientierte Architekturen zu modernisieren. Doch die Konzepte stoßen bei der Klientel noch nicht so recht auf Gegenliebe. Zum Teil hat sich der Softwarekonzern das selbst zuzuschreiben: "Der Hersteller hat ESA und Mysap ERP als Revolution dargestellt, was viel Verwirrung gestiftet hat", meint Peter Wesche, der beim Beratungshaus Gartner das "Executive Program" verantwortet. Mittlerweile versucht SAP den Firmen den Umstieg auf die Enterprise Services Architecture (SAPs Ansatz für eine Service-orientierte Architektur) als Evolution der Client-Server-Ära näher zu bringen. Wie lange es dauern kann, bis Anwender Architekturwechsel akzeptieren, hat sich beim Wechsel von R/2 auf R/3 gezeigt.

Zunächst gilt es, SAP-Nutzer dazu zu bringen, die lieb gewonnene R/3-Welt zu verlassen und auf Mysap zu migrieren. Doch SAP verlangt den Anwendern noch mehr ab: Sie sollen sich schon jetzt auf die kommende Softwareära einstellen, die der Anbieter als "Enterprise Services Architecture" (ESA, SAPs Ansatz für eine Service-orientierte Architektur) beschreibt.

Nach dem ESA-Konzept besteht die Software nicht mehr aus umfänglichen R/3-Modulen etwa für das Rechnungswesen und die Materialwirtschaft, sondern aus Diensten, die sich flexibel für unterschiedliche Geschäftsprozesse verbinden lassen. Diese Dienste verfügen über Schnittstellen, die es erlauben, die dahinter liegenden Programmfunktionen flexibel in unterschiedlichen Softwareprozessen zu verwenden.

Grundlage für die Prozessorientierung bildet die Anfang 2005 vorgestellte "Business Process Platform" (BPP), ein aus der Infrastrukturplattform "Netweaver" und einer Sammlung ("Enterprise Services Repository") von Softwarediensten bestehendes Framework, das im Jahr 2007 fertig sein soll. Ein ehrgeiziges Projekt, meinen Experten. "Grundsätzlich liegt die SAP mit BPP richtig. Das Unternehmen muss jedoch aufpassen, die Entwicklungsgeschwindigkeit nicht zu übertreiben", warnt Gartner-Manager Wesche.

Der Weg von R/3 zur SOA-Plattform ist weit

Welche Vorteile SAP-Kunden aus BPP und Netweaver ziehen können - von der modernen Technik einmal abgesehen - haben viele noch nicht erkennen können. Dies liegt zum einen daran, dass ein großer Teil der Firmen derzeit noch damit beschäftigt ist, seine R/3-Systeme auf Vordermann zu bringen. Diese Anwender stehen vor der Entscheidung, in der R/3-Welt zu verbleiben und künftig höhere Wartungsgebühren an SAP abzuführen oder auf den Nachfolger "Mysap ERP" zu migrieren. Neben technischen Erwägungen müssen sich Kunden, die noch einen R/3-Vertrag besitzen, entscheiden, wann sie einen Mysap-Vertrag erwerben, da ihr Softwarelieferant die Anrechnung der R/3-Investitionen auf den Neuvertrag jedes Jahr verringert.

Nur wenige Firmen beschäftigen sich mit ESA

Angesichts der Mysap-Umstellung verwundert es nicht, dass nur wenige Kunden bisher Gelegenheit gefunden haben, sich näher mit ESA zu befassen. "Lediglich 13 bis 15 Prozent der Anwender beschäftigen sich mit der Service-orientierten Architektur der SAP", so Alfons Wahlers, Vorsitzender der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG). Die Zahl betrifft zwar nur die in der DSAG organisierten Mitglieder, dürfte aber die Stimmung unter den Anwendern widerspiegeln. Wahlers zufolge warten die Nutzer darauf, bis es Enterprise-Services gibt, mit denen sich Anwendungen stricken lassen. Zwar hat SAP solche Dienste schon beschrieben und zur Verfügung gestellt, doch das sind nur Schritte auf dem Weg zur ESA: "Man muss mindestens auf dem Stand von Mysap ERP 2006 oder 2007 nebst der Netweaver-Infrastruktur sein, um von ESA Gebrauch machen zu können." Für Anwender böten sich dann ganz neue Szenarien. Sie könnten zum Beispiel ihre Kreditorenbuchhaltung - bisher Kernfunktion im ERP-System - bei einem Business-Process-Outsourcer einkaufen.

Mit neuer Technik allein ist es nicht getan

Der Sprung in die schöne neue Welt der Service-orientierten Architekturen (SOA) bedeutet für SAP wie für seine Kunden einen Paradigmenwechsel. Voraussetzung ist ein neues Softwareverständnis und auf Anwenderseite die Bereitschaft zu grundlegenden organisatorischen Einschnitten. Ob die Kunden diesen Weg mitgehen wollen, ist noch nicht ausgemacht, vor allem nicht im Mittelstand. Während große Unternehmen über viel SAP-Know-how und personelle Ressourcen verfügen, haben mittelständische Betriebe weder Zeit noch Geld, um umfangreiche komplexe Software einzuführen. "In den heutigen Mittelstandsprodukten der SAP ist die Komplexität der Mysap Business Suite enthalten", kritisiert Wahlers.

Der Mittelstand ist erklärter Wachstumsmarkt für SAP - und das nicht zum ersten Mal. Nur in diesem Segment könne der ERP-Spezialist in Deutschland noch zweistellig wachsen, meint Michael Kleinemeier, Geschäftsführer von SAP Deutschland.

Auf 30 Prozent beziffert SAP den Anteil des Mittelstands am Umsatz. Gemeint sind nach der Walldorfer Arithmetik Unternehmen mit bis zu einer Milliarde Euro Jahresumsatz und weniger als 2500 Mitarbeitern. Diesen Firmen hat SAP in erster Linie Mysap sowie "Mysap All-in-One" verkauft. Das speziell für diese Kundschaft gedachte "SAP Business One", dessen ersten Hersteller, das isrealische Softwarehaus Top Manage, SAP im Jahr 2002 übernommen hatte, konnte bislang die Erwartungen nicht erfüllen. "Microsoft verkauft in einem Halbjahr mehr Navision-Lizenzen als SAP mit Business One insgesamt bislang", bringt es Analyst Niehörster für den deutschen Markt auf den Punkt.

Seit Anfang dieses Jahres zeichnet mit Andreas Naunin ein neuer Manager für das deutsche Mittelstandsgeschäft verantwortlich. Er soll vor allem für mehr Wachstum sorgen. Doch Niehörster glaubt, dass sich der Hersteller zu viel von dem Mittelstandsgeschäft verspricht: "Es ist ja nicht so, dass diese Firmen bisher keine Software gekauft hätten." Ein Unternehmen mit 200 Mitarbeitern habe aber eben ein viel kleineres IT-Budget als eines mit 20 000.

Wachstumsmotor Business Intelligence

Auf der Suche nach neuen Umsatzquellen wildert SAP zusehends im Revier von Spezialanbietern. Mit "SAP Analytics" entsteht eine Vielzahl an kleinen analytischen Applikationen für Detailvorgänge wie etwa die Prüfung eines Kreditantrags. Die Programme stützen sich auf das Business Information Warehouse und Netweaver. Zumindest Ersteres haben viele Kunden bereits installiert.

Der Bedarf für solche Anwendungen wächst. Sie waren bislang die Domäne von auf Business Intelligence spezialisierten Herstellern wie Cognos oder Business Objects. Darunter sind solche, die nun versuchen, über eine Netweaver-Zertifizierung überhaupt bei SAP-Kunden einen Fuß in die Tür zu bekommen. Manche ERP-Anwender, die in großem Stil SAP-Lösungen einsetzen, sind der Meinung, alles aus einer Hand beziehen zu müssen. Bei ihnen verfängt das Argument der Walldorfer, die eigenen BI-Lösungen seien am besten in die SAP-Anwendungen integriert. Auch hier zeigen sich regionale Eigenheiten: "In Deutschland fahren Cognos und andere BI-Anbieter einen Schmusekurs mit SAP, in den USA treten sie sich als Konkurrenten gegenüber", weiß Niehörster aus Projekten bei SAP-Kunden zu berichten.

Expansionspläne verfolgt SAP auch bei branchenspezifischen Lösungen und Spezialtechnik. Obwohl die Walldorfer zahlreiche industriespezische Ausprägungen ihrer Software ("Industry Solutions") vermarkten, gibt es Branchen, die in großem Stil selbst entwickelte Programme und keine Standardsoftware nutzen. Dazu zählen die öffentliche Hand, Banken, Versicherungen und der Handel. In Firmen dieser Wirtschaftszweige läuft SAP-Software zum Teil in der Buchhaltung und im Personalwesen, doch viele Kernprozesse etwa im Handel decken andere IT-Systeme ab. Bot SAP bislang nur Branchenlösungen beispielsweise für die Pharmaindustrie an, legt der Konzern nun verstärkt Angebote für Unterbranchen auf, beispielsweise eine Ausprägung seiner Pharmasoftware für Generikaproduzenten.

Lösungen nicht nur für Fachanwender

So will der Hersteller Kunden dazu bringen, wesentlich mehr Nutzer an SAP-Software anzuschließen und dafür Lizenzen zu erwerben. Zum Beispiel werden SAPs Personal-, Finanz- und Controlling-Systeme in Banken nur von einigen Fachanwendern bedient. Würde SAP auch das Kernsystem für den Zahlungsverkehr stellen, kämen zahlreiche Sachbearbeiter hinzu.