Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

22.12.2006

SAS Institute stößt Emea-Mitarbeiter vor den Kopf

Die Schließung der in Heidelberg angesiedelten Emea-Organisation (Europa, Naher Osten, Afrika) des Business-Intelligence-Spezialisten geht nicht so reibungslos vonstatten wie vom Management vorhergesagt.

Anders als zunächst mitgeteilt sind nicht 240, sondern 266 Mitarbeiter betroffen. Die Zukunft vieler bleibt auch mehrere Wochen nach der Ankündigung ungewiss. Zwar ist klar, dass es sich juristisch um eine Betriebsschließung handelt und damit zunächst jeder von der Massenentlassung betroffen ist. Andererseits hält sich SAS zumindest für einen Teil der Betroffenen mit neuen Stellenangeboten zurück. Das Management hatte von Anfang an versprochen, man werde sich um alle Mitarbeiter kümmern und ein Jobprogramm aufsetzen. Tatsächlich haben aber bisher nur rund 150 Mitarbeiter ein internes Jobangebot erhalten und diesem mehrheitlich mündlich zugestimmt, erklärte Mikael Hagström, Executive Vice President of SAS Inc., gegenüber der computerwoche.

Neue Jobs im Ausland

Zwar gibt es laut Hagström neben den genannten Angeboten weitere 135 offene Stellen bei den SAS-Ländergesellschaften in Europa, zu denen noch einmal etwa 75 in den USA hinzukämen. Doch würden diese nicht unbedingt zu allen Betroffenen passen, oder die Mitarbeiter würden aus privaten Gründen wohl nicht auf die vorwiegend im Ausland befindlichen Stellen wechseln. Zahlen wollte der Manager nicht nennen. Deutlicher wurde kürzlich Jim Davis, Chief Marketing Officer von SAS, gegenüber dem Brancheninformationsdienst "Computerwire": "Wir hätten schon viel erreicht, wenn die Hälfte bleibt." Für viele Emea-Mitarbeiter dürfte daher der Umbau das Aus bedeuten.

Aus dem Kreis der Betroffenen kommt der Vorwurf, SAS mache entgegen den Verlautbarungen weder genügend Stellenangebote, noch gebe es einen Sozialplan oder Abfindungen. Allerdings kommen diese Forderungen aus rechtlicher Sicht zu spät, da sich die Mitarbeiter bei SAS Emea stets gegen einen Betriebsrat ausgesprochen hatten: Viele Arbeitnehmer hierzulande wissen nicht, dass es ohne einen Betriebsrat auch keinen Anspruch auf einen Sozialplan und Abfindungen gibt.

Klagen hilft wenig

Den Betroffenen bleibt zwar eine Klage vor dem Arbeitsgericht. "Eventuelle Kläger werden aber vermutlich alle verlieren, weil die SAS-Emea-Organisation komplett aufgelöst wird", kommentiert Bernd Knauber, Gewerkschaftssekretär der IG Metall in Heidelberg. Ein Teil der Stellen soll nach neuesten Entwicklungen in die SAS Deutschland integriert werden.

Betriebsrat und Firmenkultur

Laut einem Bericht der Gewerkschaft hatte man in der Emea-Organisation auch aus Angst vor einer Verlagerung der Abteilung ins Ausland davor zurückgeschreckt, eine Mitarbeiterver- tretung zu bestellen. Kämpferischer war es hingegen in der ebenfalls in Heidelberg ansässigen Deutschland-Organisation zugegangen. Insidern zufolge hatten dort schlechte Geschäftszahlen in den Jahren 2004 und 2005 zu Einschnitten geführt, woraufhin sich die Arbeitnehmer organisierten. Auf der Versammlung zur Bildung des Wahlvorstands sprach sich dennoch eine knappe Mehrheit zunächst für eine informelle Mitarbeitervertretung und gegen einen Betriebsrat aus. Dieser wurde dann nach einer Klage vor dem Arbeitsgericht und mit Unterstützung der Gewerkschaft vor zwei Jahren eingerichtet.

Da SAS Deutschland und SAS Emea zwar eine GmbH bilden, aber als zwei eigenständige Betriebe geführt werden, gab es Versuche, die Mitarbeiter der Emea-Organisation ebenfalls zur Bildung eines Betriebsrats zu ermutigen. Dies schlug fehl, nicht zuletzt da die Unternehmensleitung E-Mails an die Emea-Mitarbeiter verschickte, um das Vorhaben zu verhindern. Darin wurden die Unternehmenskultur und das gute Arbeitsklima beschworen, die sich nicht mit einem Betriebsrat vertrügen. "Die Firmenkultur, mit der SAS wirbt und die dem Unternehmen mehrmals Plätze unter den Top 10 der beliebtesten Arbeitgebern eingebracht hat, wird jetzt mit Füßen getreten", klagt ein Betroffener gegenüber der computerwoche.

Doch SAS-Manager Hagström widerspricht energisch. Man habe vor gut fünf Wochen die Mitarbeiter informiert und seitdem über 2000 Gespräche mit ihnen geführt. Leider habe es manchmal einige Tage gedauert, bis Anfragen beantwortet werden konnten, was wiederum Unmut bei den Betroffenen hervorgerufen haben könnte. Es gebe zwar keinen Sozialplan, aber SAS wolle Kündigungsfristen verlängern und Mitarbeitern einen freiwilligen Bonus zum Ende des Arbeitsverhältnisses auszahlen. Dies dürfte zumindest für jene Betroffenen ein kleiner Trost sein, die erst Anfang des Jahres für die Emea-Organisa- tion nach Heidelberg umge- zogen waren und nur kurze Kündigungsfristen haben. Ferner arbeite man mit externen Beschäftigungsgesellschaften zusammen und helfe bei der Organisation von Bewerbungsunterlagen, sagte Hagström. Auch widersprach der Manager der Behauptung, es gebe keine Stellenangebote bei der deutschen Organisation. Diese Posten seien aber in erster Linie für Mitarbeiter sinnvoll, die fließend Deutsch sprächen, was nur für einen Teil der Emea-Organisa- tion zutreffe.

Internen Aufwand reduzieren

Die Neuorganisation soll bis Mitte 2007 geschafft sein, der Emea-Betrieb in Heidelberg im Januar eingestellt werden. Großkunden werden künftig immer durch lokale Büros von SAS betreut, von denen es laut Marketing-Manager Jim Davis weltweit 400 gibt. Diese ständen im direkten Kontakt mit der weltweiten Support- und Serviceorganisation. Der bisherige interne Abstimmungs- und Koordinationsaufwand zwischen der Emea-Zentrale und dem Hauptquartier in Cary, North Carolina, werde künftig entfallen. Weitere Umbauten sind laut Hagström nicht geplant: "Wir wollen in den kommenden Monaten mehr in vertikale Hubs und Global Practices sowie unseren indirekten Vertrieb investieren."