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29.11.2004

SAS wirbt mit Branchenwissen

Vor allem kürzere Einführungszeiten sprechen für vertikal ausgerichtete Business-Intelligence-Lösungen.

Anbieter von Analyse- und Berichtssoftware für Business Intelligence (BI) versuchen seit längerem, ihren Tools und Systemen durch eine stärkere Ausrichtung an den Fachbereichen einen Mehrwert zu geben. Typischerweise werden die Produkte als analytische Anwendungen für Prozesse im Customer-Relationship-Management, Supply-Chain-Management oder die Finanzverwaltung beworben und enthalten an die Aufgaben angepasste Datenmodelle, Templates und Kennzahlen. Als Vorteil gegenüber dem Aufbau einer BI-Lösung mit Standardwerkzeugen gelten vor allem die kürzeren Implementierungszeiten. Eine darüber hinausgehende Branchenausrichtung, wie sie SAS Institute zusätzlich anstrebt, ist hingegen die Ausnahme im Markt.

Alle Branchen im Visier

Einen Eindruck vom Aufbau und Umfang dieser BI-Lösungen vermittelte die Kundenveranstaltung "SAS Forum" in Würzburg, zu der laut Hersteller rund 700 Teilnehmer kamen. Danach sortiert sich das Branchenportfolio derzeit nach "SAS Banking Intelligence" (Banken), "SAS Insurance Intelligence" (Versicherer), "SAS Telco Intelligence" (TK-Industrie) sowie "SAS Retail Intelligence" (Einzelhandel). Jürgen Fritz, zuständig für Marketing und Strategie bei SAS Deutschland, deutete zugleich an, dass das Portfolio weiter wachsen werde, da es für SAS keine "uninteressante Branche" mehr gebe. So sind beispielsweise Lösungen für die Fertigungs- und Pharmaindustrie geplant.

Alle Angebote nutzen die BI-Infrastruktur, die der Hersteller im April mit "SAS 9" vorgestellt hat (siehe www.cowo.de/go/147789). Diese verheißt eine durchgängige Metadatenverwaltung, eine skalierbare Architektur, einheitliche Benutzeroberflächen und das umfassendste Portfolio an integrierten Werkzeugen auf dem Markt - Insider schätzen, dass es heute über 200 Produkte und Partnerlösungen gibt. Branchenlösungen sind zunächst einmal nur vorkonfigurierte Datenmodelle, die zum Aufbau eines "Detailed Data Store? (DDS) dienen. Diese Datenbank verwaltet alle relevanten Detaildaten der Vorsysteme, die für spätere Analysen und Berichte gebraucht werden. So sind in Banking Intelligence laut Thomas von Wickeren, Sales Manager Financial Intelligence, beispielsweise alle Informationen über den Kunden sowie für das Risiko-Management nach Basel II im Modell angelegt.

Auf dem DDS lassen sich Aufgaben- und fachspezifische Data Marts aufbauen, die von Kunden entweder selbst erstellt werden oder als vordefinierte Lösungen von SAS kommen. Viele solcher Analyse- und Berichtsmodule sind bei SAS schon seit längerem einzeln oder im Paket erhältlich. Neueste Versionen basieren auf SAS 9 und haben nun ebenfalls ein vordefiniertes Datenmodell, konfigurierbare Standard-Reports und lassen sich je nach Benutzerrolle lizenzieren. So setzt sich beispielsweise "SAS Financial Intelligence" aus den Bausteinen zusammen: u "Financial Management" (Konsolidierung, Finanz-Reporting, Planung),

- "Activity based Management" (Prozesskostenanalyse),

- "Credit Risk Management" (Risiko-Controlling) und

- "Compliance Management" (gesetzliche Vorgaben).

Lösungen aus dem Baukasten

SAS Financial Intelligence kann wiederum als Baustein in den Branchenlösungen beispielsweise neben dem Paket für analytisches CRM "SAS Customer Intelligence" eingesetzt werden. Möglich macht diese freie Kombinierbarkeit der Bestandteile das DDS und die technische Infrastruktur von SAS 9. Allerdings sind heute noch nicht alle Module auf der neuen Architektur erhältlich.

Branchenangebote sind aber keine 100-Prozent-Lösungen, räumt Manager von Wickeren ein. Ihr Nutzen bestehe vielmehr darin, dass sie sich schnell einführen und ohne Programmieraufwand erweitern ließen. Doch auch so sind Projektkosten im hohen sechsstelligen Bereich einzukalkulieren. Anders als Wettbewerber wie SAP oder Cognos liefert SAS neben dem Datenmodell zudem nur wenig "Content" in Form vordefinierter Berichts-Templates und Kennzahlen. Grund hierfür sei, dass die Anforderungen bei Kunden meist zu speziell sind, sagte von Wickeren. "Sie brauchen weniger Standardberichte als vielmehr die Möglichkeit, schnell neue erstellen zu können." Berichte wie etwa Anlagenspiegel, die beispielsweise immer für eine Konsolidierung wichtig sind, seien aber enthalten.

Von den Kunden gelernt

Das Branchen- und Fachwissen destilliert SAS aus Projekten bei offiziell 18000 Kunden. So betreue man beispielsweise weltweit 1000 Versicherer, sagte Jost Dörken, frisch gebackener General Manager für Deutschland. Neben dem Neukundengeschäft wolle man laut Manager von Wickeren auch die bereits vorhandene Klientel angehen, da kaum ein Kunde das ganze SAS-Portfolio nutze und die SAS-9- Lösungen mehr Fachfunktionen, niedrigere Projekt- und Hardwarekosten sowie eine erweiterbare Architektur versprächen. Allein hierzulande sollen laut Geschäftführer Dörken in den letzten zehn Monaten rund die Hälfte der Abschlüsse auf Branchen- oder Fachlösungen entfallen sein.

Allerdings ist laut Analysten eine Migration älterer Versionen auf SAS 9 und die Lösungen gerade wegen der vielen technischen und funktionalen Neuerungen nicht immer problemlos und könne gar zur Neuentwicklung zwingen. Trotz Tools "für bestimmte Bereiche" ist eine automatische Migration von Version 8 auf 9 nicht ohne weiteres machbar, räumt denn auch von Wickeren ein. Laut Manager Dörken hätten aber rund die Hälfte aller deutschen Kunden den Sprung auf das aktuelle Release bereits geschafft oder seien in der Implementierung. SAS-Kunden stehen dennoch vor der Wahl: Migration, paralleler Betrieb alter und neuer Lösungen oder Neuanfang.