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23.11.2001 - 

Kolumne

"SBS: Für den Erfolg zu klein?"

Christoph Witte Chefredakteur CW

Seltsamerweise hat Siemens Business Services (SBS) ein Problem (siehe Seite 8). Zwar ist es in diesen Zeiten nichts Besonderes, wenn ein Unternehmen der IT-Branche rote Zahlen schreibt, aber wenn das in einem wachsenden Marktsegment geschieht, dann deutet es auf hausgemachte Schwierigkeiten hin.

Die Ertragsschwäche wird vor allem mit zwei in Schieflage geratenen Outsourcing-Projekten erklärt. Offenbar hat hier der Kunde - was selten genug vorkommt - den Lieferanten über den Tisch gezogen, der anscheinend das Kleingedruckte der Verträge nicht gelesen oder seine Konsequenzen nicht ausreichend bedacht hat. Dieser Fehler dürfte die Demission von SBS-Chef Friedrich Fröschl beschleunigt haben, der zwar bei Siemens-Chef Heinrich von Pierer einen guten Ruf als Stratege genießt, aber als Macher inzwischen wohl durchgefallen ist.

Doch schwerer als die Ertragsschwäche wiegt der Umsatzrückgang. Das Servicesegment erfreut sich im Gegensatz zu SBS den Marktforschern und den Ergebnissen des Mitbewerbs zufolge eines nach wie vor guten Wachstums im hohen einstelligen Prozentbereich. Eine Ursache für den Einnahmenrückgang der Siemens-Tochter hat sicher mit der Positionierung des Unternehmens zu tun. Fröschl hat sich vor allem auf die Themen M-Commerce und M-Business festgelegt. Damit wollte er das Profil von SBS schärfen und es in Zusammenhang mit den IuK-Aktivitäten des Gesamtkonzerns bringen. Da aber das Geschäft mit der Mobilität sowohl bei Siemens als auch in vielen Anwenderunternehmen viel schwächer ausgeprägt ist als erhofft, hat Fröschl wohl auf die falsche Karte gesetzt.

Ein weiterer Grund für das im Branchenvergleich bescheidene Abschneiden besteht in der fehlenden Internationalität des Dienstleisters. SBS ist immer noch ein Unternehmen, das vor allem in Deutschland agiert. Schon in Europa lässt die Präsenz stark zu wünschen übrig, in den USA und anderen Regionen konnte man bis auf die Übernahme von Entex bisher kaum punkten. Doch die ganz großen Deals sind international, und in dieser Liga kann SBS offensichtlich noch nicht mitspielen.

Möglicherweise wäre eine Herauslösung aus dem Mutterkonzern Siemens, der aufgrund seiner Kostenstruktur nicht ganz unschuldig an der Misere ist, mittelfristig eine Lösung. Auf diese Weise würde von Pierer nicht nur die Notbremse ziehen, sondern SBS könnte ohne Rücksichten auf die anderen Siemens-Bereiche frei am Markt agieren. Außerdem würden so Überschneidungen in den Dienstleistungsangeboten von ICN und Fujitsu-Siemens vermieden. Ein eigenständiges SBS könnte allerdings nur erfolgreich sein, wenn der Bereich vorher auf gesunde Füße gestellt worden ist. Keine leichte Aufgabe für den neuen Chef Paul Stodden, der sich bisher nicht als großer Visionär oder Stratege profiliert hat, wohl aber als Sanierer und Macher.