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21.03.2005

SBS schöpft wieder Hoffnung

Der Siemens-Beschluss, die IT komplett an die eigene Tochter Siemens Business Services (SBS) auszulagern, beschert dem Münchner IT-Dienstleister einige hundert Millionen Euro Mehreinnahmen pro Jahr.

Anfang März hatte der Siemens-Konzern angekündigt, die IT- und Netzinfrastruktur aller zwölf Konzernbereiche weltweit künftig von SBS zu betreiben lassen. Auf der CeBIT zeigte sich das oberste SBS-Management hoch erfreut über diese Entscheidung: "Das ist ein starkes Signal für uns", sagte Deutschland-Chef Ulrich Assmann. "Es zeigt, dass die Konzernführung Vertrauen in die professionelle Arbeit des hausinternen IT-Dienstleisters hat." Die beiden ersten Projekte haben bereits begonnen. Ist die gesamte Siemens-IT erst einmal übernommen, werde sich der Umsatz von SBS durch diesen Beschluss um mehrere hundert Millionen Euro jährlich verbessern, hofft Assmann.

Zurzeit erwirtschaftet SBS rund 23 Prozent seiner weltweiten Einnahmen, also mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr, mit Services für Siemens. Umgekehrt gibt der Elektrokonzern weniger als die Hälfte seines gesamten IT-Budgets für Dienste von SBS aus - das ist zu wenig, meint Assmann: "Die Wettbewerber unter den IT-Ausgründungen machen einen erheblichen Anteil ihres Geschäfts im Konzernumfeld, wohingegen SBS stark im externen Geschäft ist und nur einen geringen Umsatzanteil mit der Muttergesellschaft erzielt."

Siemens hat nun mit SBS einen bevorzugten Provider. Damit läuft der Konzern Gefahr, für IT-Leistungen mehr als den marktüblichen Standard zu zahlen, weil künftig das wichtige Benchmark-Instrument der Ausschreibung fehlt: Kaum ein externer Dienstleister wird sich noch der mitunter aufwändigen und teuren Leistungsschau bei Siemens unterziehen, wenn SBS bereits als Gewinner eines anstehenden Servicevertrages feststeht. Assmann beruhigt: "Siemens hat eine starke CIO-Organisation, die die Leistungen genau begutachten wird. Wir müssen weiterhin zu wettbewerbsfähigen Preisen liefern."

Für Standarddienste dürfte die Einkaufsorganisation Preise vergleichen können, schwerer fällt dies für individuelle, unternehmensspezifische Aufgaben. Zudem konnten die einzelnen Siemens-Geschäftsbereiche auch bisher schon SBS beauftragen - es gab ja keine Ausschlussklausel für den internen Dienstleister. Nichtsdestotrotz wählten viele Konzernbereiche einen externen Anbieter, vermutlich weil SBS entweder zu teuer war oder nicht über die erforderlichen Kompetenzen verfügte. Beide Argumente haben auch nach dem Siemens-Beschluss nicht an Gültigkeit verloren.

Assmann beurteilt die neue Marschrichtung der Mutter gegenüber SBS jedoch anders: "Früher gab es eine Zentralabteilung. Dann wurde die Verantwortung in die Einheiten verlagert. Jetzt verfolgt Siemens, den Gedanken, bestimmte Aufgaben in unternehmensweiten Shared Service Centers zu erbringen. Dazu zählen etwa Einkaufs-, Personal- und IT-Dienste. Im Zuge dieser Entwicklung hat sich eine CIO-Organisation herausgebildet, die das professionell verantwortet." Als Beleg nennt er die enormen Standardisierungsanstrengungen des Konzerns, etwa im Umfeld der SAP-Landschaft.

Der Gradmesser für die Wettbewerbsfähigkeit der von SBS erbrachten Leistungen bleibt weiterhin das externe Geschäft, nur dort muss sich die Siemens-Tochter der Konkurrenz stellen. In den vergangenen Krisenjahren hat sich gezeigt, dass der Münchner IT-Dienstleister im Massengeschäft den Anschluss verloren hat und dem enormen Preisdruck nicht mehr standhalten konnte. Aus diesem Grund veräußerte SBS Anfang März seine Hardware-Maintenance-Tochter Sinitec an A&O Systems & Services: Mit PC-Services ist für SBS kein Geld mehr zu verdienen.

Und Sinitec ist nur der Anfang, denn SBS zieht sich aus dem Massengeschäft zurück. "Wir integrieren in das Geschäft mit Hardware-Rollout oder Reparatur verstärkt Partner mit anderen Kostenstrukturen", erläutert Assmann. "In diesen Feldern sind die Stundensätze auf ein Niveau gesunken, dem wir in der bisherigen Aufstellung nicht profitabel entsprechen können."

Künftig will sich SBS in diesem Geschäftsbereich auf das Management von Servicepaketen konzentrieren, etwa auf das PC-Lifecycle-Management (Anschaffung, Installation, Betrieb, Ersatz und Entsorgung von PCs). Benötigt SBS dafür entsprechende Wartungsleistungen, kauft man sie im Bedarfsfall von externen Dienstleistern á la Sinitec ein. Der Outsourcing-Spezialist verkürzt die eigene Wertschöpfungskette. Ganz aussteigen möchte man nicht: "Bei Product Related Services konzentrieren wir die eigenen Ressourcen künftig stärker auf höherwertige Bereiche wie etwa Server-Konsolidierung oder Security." Gerüchten, Siemens plane die Integration des Problemsegments der produktnahen Services in die Hardwaretochter Fujitsu-Siemens, tritt Assmann entgegen: "Dieser Bereich ist anbieterunabhängig aufgestellt."

Im Outsourcing-Geschäft konnte SBS jüngst einige bemerkenswerte Erfolge verzeichnen, etwa einen Auftrag der britischen Rundfunkanstalt BBC. Einen Meilenstein im deutschen Auslagerungsgeschäft stellt die Übernahme der RAG Informatik, mittlerweile umbenannt in SBI Ruhr, samt Outsourcing-Auftrag des Essener Energie- und Chemiekonzerns RAG vom Dezember vergangenen Jahres dar. In den kommenden sieben Jahren wird SBS Betriebsdienste im Wert von rund 500 Millionen Euro erbringen.

RAG-Deal birgt Potenzial

Der Vertrag birgt laut Assmann Potenzial für eine weitaus höhere Summe: "Die RAG Informatik hat nur etwa ein Drittel aller Services geliefert, die der Konzern für den Betrieb benötigt. Viele geforderte Services konnte RAG Informatik nicht leisten. SBS kann das", zeigt sich der Deutschland-Chef zuversichtlich.

Mit der Übernahme von RAG Informatik begrüßt SBS rund 800 neue Mitarbeiter von RAG am Haupteingang und schickt durch die Hintertür 950 der rund 15000 deutschen SBS-Angestellten nach Hause. Gehen müssen auf jeden Fall diejenigen Mitarbeiter aus dem Competence Exchange Center (CEC), die ohne Arbeit sind. Insgesamt hatte SBS 400 Kollegen ins CEC verschoben, deren Fähigkeiten im Projektgeschäft nicht mehr angefordert werden. 170 konnten so und weitergebildet werden, dass sie wieder in Lohn und Brot stehen. Für die übrigen 230 Mitarbeit besteht keine Hoffnung auf Weiterbeschäftigung bei SBS.

Verkauf bleibt eine Option

Siemens-Auftrag, Portfolio-Bereinigung und Entlassungen - alles ordnet sich dem Ziel unter, endlich die vom Konzernvorstand seit Jahren geforderte Marge von fünf bis sechs Prozent zu erreichen. Die Spekulationen, Siemens wolle SBS verkaufen, sind auch nach der aktuellen Entwicklung nicht verstummt. "Sie schmücken die Braut", kommentierte etwa Ovum-Analystin Katharina Grimme: Siemens mache SBS hübsch für den Verkauf.