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22.03.2002 - 

Siemens-Tochter spart mit rüden Methoden

SBS setzt Ausbildungspartnern Pistole auf die Brust

HANNOVER (jm) - Steht Siemens Business Services (SBS) das Wasser bis zum Hals? Die letzten zwei Quartale schloss der IT-Dienstleister zwar nach eigenen Aussagen mit einer schwarzen Null ab. Gleichzeitig zwingt er aber Geschäftspartner zu Knebelvereinbarungen. Wer nicht mitzieht, bekommt keine Aufträge mehr. SBS-Chef Paul Stodden strukturiert zudem das Geschäft in drei Aufgabenfelder um.

"Volkswagen hat das auch schon mal probiert - aber die verlangten nur, dass wir unsere Preise um fünf Prozent senken sollten." Der Mann, der am Telefon im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE fast schon wieder lachen kann über die "Unverschämtheit, die sich SBS jetzt geleistet hat", hält im Auftrag des bajuwarischen Dienstleisters Seminare rund um das Thema Internet ab. Zielgruppe der Weiter- und Ausbildungsmaßnahmen sind in der Regel SBS-Kunden.

Die "Unverschämtheit" kam Ausbildungspartnern per Brief der SBS vom 26. Februar 2002 ins Haus. "Die gegenwärtige wirtschaftliche Situation wirkt sich verstärkt im Beratungs- und Dienstleistungsgeschäft aus", schreibt die Siemens-Tochter. Der "Preisdruck" zwinge sie dazu, "zahlreiche Maßnahmen zu treffen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten".

Hierbei drängt SBS seine Partner, eine Einverständniserklärung binnen einer Woche zurückzuschicken. Darin sollen sie sich bereit erklären, in Zukunft für ihre Leistungen 25 Prozent weniger zu berechnen. O-Ton: Man müsse "von allen Lieferanten ab 1.3.2002 einen Beitrag zur Kostenreduzierung in Höhe von 25 Prozent bezogen auf die heute gültigen Preise einfordern".

Ab dem 4. März 2002, zu dem SBS die Erklärungen zurückhaben möchte, "werden wir diejenigen (...), die unserem Wunsch entsprechen, bevorzugt beauftragen". SBS unterlässt es nicht, zu versichern, "dass wir an einer auch weiterhin partnerschaftlichen Zusammenarbeit festhalten möchten".

Was wie eine Nettigkeit klingt, kommt einer unverhohlenen Drohung gleich. Der Informant sagt, man habe ihm unmissverständlich auf Nachfrage bedeutet: "Keine Unterschrift, keine Aufträge mehr." Schlimmer noch: Auch für bereits erteilte Seminaraufträge hagelt es Stornos, wenn SBS-Partner den 25-prozentigen Preisnachlässen nicht zustimmen. SBS-Sprecher Jörn Roggenbuck bestätigte die Praxis weitgehend. Man durchleuchte alle Geschäftsprozesse und lote Kostenoptimierungspotenziale aus. Hierbei nehme man auch die Leistungen der SBS-Partner unter die Lupe.

Um das Geschäft des Dienstleisters wieder zu stabilisieren, hat SBS-Chef Stodden eine neue Firmenstruktur eingeführt, die er auf der CeBIT bekannt gab. In Zukunft werden die Aktivitäten der Siemens-Tochter in drei Bereiche geteilt: Beratung, Outsourcing und Wartung. Im Zuge der Umstrukturierung werde man auch das Angebotsportfolio straffen, sagte Stodden in Hannover. Ziel ist, bis zum Ende des Geschäftsjahres (30. September) Gewinne zu erwirtschaften. In zwei Jahren soll die Umsatzrendite von SBS nach den Vorstellungen von Siemens-Chef Heinrich von Pierer bei fünf bis sechs Prozent liegen. Dieses Ziel werde man erreichen, sagte Stodden auf der CeBIT.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2001 (Ende: 30. September 2001) belastete SBS die Siemens-Bilanz mit einem operativen Verlust vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 259 Millionen Euro. Allein im vierten Quartal verbuchten die Münchner einen Fehlbetrag von 304 Millionen Euro, der Umsatz fiel von 1,76 Milliarden Euro im Vorjahresquartal um fast acht Prozent auf 1,62 Milliarden Euro. In den zwei Quartalen des laufenden Geschäftsjahres will SBS eine schwarze Null geschrieben haben.