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15.11.2004

SBS-Tochter Sinitec entlässt jeden zweiten Mitarbeiter

Auftragsrückgang in der Hardwarewartung kostet 600 der1100 Beschäftigten den Arbeitsplatz.

An 29 Standorten der Tochter von Siemens Business Services (SBS) sollen Arbeitnehmer ihren Job verlieren. Einige der Niederlassungen werden komplett geschlossen. Welche das sind, wollte Sinitec-Sprecher Gerd von Hassel nicht sagen: "Da ist noch alles offen." Die Sinitec Vertriebs GmbH ist von den Massenentlassungen nach den Worten von Hassels momentan nicht betroffen. Ob auch hier Überlegungen zum Personalabbau angestellt würden, wollte er nicht kommentieren.

Von Hassel bestätigte, dass in erster Linie Mitarbeiter im Kerngeschäft der Hardwarewartung entlassen werden würden. Man werde innerhalb der kommenden 14 Tage mit den Betroffenen sprechen. Mit dem Betriebsrat habe man erste Gespräche am vergangenen Freitag geführt.

Grund für den Kahlschlag ist laut Geschäftsführer Stefan Schlosser eine gravierende Unterauslastung. Überkapazitäten müssten dringend abgebaut werden. Das Unternehmen habe in den vergangenen Jahren mit kontinuierlichen Geschäftsrückgängen zu kämpfen gehabt. Die Umsätze, so von Hassel, seien "gewaltig zurückgegangen", das Unternehmen befinde sich "in den roten Zahlen".

Schlosser sagte, der IT-Infrastruktur-Dienstleister Sinitec sei "in starkem Maß vom geringen Wachstum und der prognostizierten Stagnation im IT-Markt betroffen". Dies gelte sowohl für den Bereich Personal Computer (PC) wie auch für die Segmente Selbstbedienungsautomaten für Kreditinstitute (SB), Retail, Netze und verbundene Servicebereiche.

Marktforscher wie IDC und Gartner hatten demgegenüber eine Gesundung des Marktes prognostiziert. Bernhard Rohleder, Geschäftsführer des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom), rechnete erst vergangene Woche für das laufende Jahr mit einem Wachstum der deutschen ITK-Branche um 2,5 Prozent auf 131,6 Milliarden Euro. Von Hassel wollte diese Zahlen nicht als Fehleinschätzungen bewerten, er müsse aber feststellen, dass der "Aufschwung bei Sinitec und seinen Kunden nicht stattgefunden hat".

Das Unternehmen hat verschiedene Probleme, die sich in den nächsten Jahren fortsetzen würden: Auf Kundenseite müsse man von sinkenden IT-Budgets ausgehen. Auch hätten diese selbst Personal entlassen, weswegen die Zahl der von Sinitec zu betreuenden Arbeitsplätze und Rechenzentren gesunken sei.

Da alle Anbieter von IT-Dienstleistungen mit einer deutlich besseren Marktentwicklung gerechnet hätten, seien personelle Überkapazitäten entstanden. Diese hätten zu einem Verdrängungswettbewerb und zum Preisverfall im IT- Infrastruktur-Dienstleistungsgeschäft geführt.

Sinitec sei deshalb gezwungen, massiv Mitarbeiter zu entlassen, um so das wirtschaftliche Überleben zu sichern. Man habe in diesem Zusammenhang bereits im Frühjahr mit allen Gesamtbetriebsräten einen bis Ende 2005 gültigen Rahmensozialplan vereinbart. Dessen Bestandteil sei unter anderem eine Transfergesellschaft. Sinitec sagte, man werde alle vertraglich zugesicherten Dienstleistungen erbringen. Erledigt würden diese Tätigkeiten durch Mitarbeiter benachbarter Standorte der jeweiligen Sinitec-Niederlassung oder durch ausgewählte Partner. Von Hassel bestätigte, dass man insofern auch Wartungsaufgaben an Dritte auslagern könnte. "Das kommt aber auf die jeweiligen Verhältnisse vor Ort und an den Standorten an. Prinzipiell versuchen wir, alle Maintenance-Tätigkeiten durch eigene Mitarbeiter erledigen zu lassen." (jm)