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18.04.1995

Scanner/Vorausschau mit Augenmass bringt optimales Scanning

Die Flut bedruckten Papiers reisst trotz - oder auch gerade wegen - des zunehmenden PC-Einsatzes nicht ab. Vieles davon moechte der Anwender in seinem eigenen Rechner speichern und weiterverarbeiten. Scannen heisst die schnelle Loesung. Doch auch hier bestimmen Anwendung und Konfiguration, ob Scannen zur Qual oder zur ersten Wahl wird.

Von Horst-Joachim Hoffmann und Edgar Koribalski*

Immer leistungsfaehigere PCs, kostenguenstige Speicher und eine Veraenderung des Umganges mit der Ware "Information" vom einfachen Konsum hin zur Verarbeitung und Veredelung fuehrten in den letzten Jahren zu einem kraeftigen Schub in der Scannertechnologie. Systeme sind bereits fuer unter 2000 Mark zu erhalten (siehe Marktuebersicht auf Seite 32). Ausserdem wurde die Handhabung der Geraete immer einfacher. Dennoch ist die Umwandlung gedruckter Poesie, geschaeftlicher Information oder faszinierender Fotomotive in digital Gespeichertes zur Archivierung oder Weiterverarbeitung per PC nur vordergruendig trivial und einfach.

Eine gute Analogie bietet der fotografische Bereich: Mit einer Pocket-Kamera koennen zwar recht akzeptable Urlaubsfotos geknipst werden, aber normalerweise keine professionellen Aufnahmen. Dennoch kann ein Vollprofi aus seinem fotografischen Hintergrundwissen heraus auch mit der Pocket in vielen Bereichen gute Aufnahmen machen.

Drei Ablaeufe machen das Scanning aus

Je staerker sich der Scananwender aehnlich dem Fotoprofi in die Professionalitaet auch hinsichtlich der gewuenschten Weiterverarbeitung und Ausgabe der Vorlagen bewegt, desto vielfaeltiger sind die Wuensche an das System nach Gestaltungsmoeglichkeiten. Doch "Scannen" ist nach wie vor ein Zusammenspiel der Komponenten Scaneingabe, Verarbeitung und Ausgabe.

Schon bei der Wahl des Eingabegeraetes kommt es deshalb darauf an, was fuer Materialien einzuscannen sind - Hochglanzprospekte, Texte aus Zeitungen, Grafiken, Fotos, Dias oder Folien. Fuer jede dieser Vorlagen halten die Hersteller spezielle Scanner bereit, die sich in Hardwaretechnologie, Software und Komplexitaet der Bedienung unterscheiden.

Vorweg ein Hinweis: Der Wunsch, Formulare einzuscannen, bewegt zwar einige Kaeufer zur Anschaffung eines Scanners, ist aber fuer die praktische Arbeit meist unrealistisch. Das Formular in der Textverarbeitung als Hintergrundbild zu verwenden ist zwar in modernen Programmen moeglich, das Vergnuegen aber wird in der Praxis durch den staendigen neuen Aufbau der MB-grossen Bilder unter Umstaenden stark getruebt. Auch die Umwandlung der pixelorientierten Bilder in Vektorgrafiken (Tracing) ist problematisch. Hier ist eher die aufwendige, aber dafuer genaue und in der taeglichen Arbeit nicht hinderliche Methode zu empfehlen, Formulare als Vektorgrafik mit wenig Speicherbedarf neu zu zeichnen. Auch Logos sollten aus dem gleichen Grund besser einmal aufwendig gezeichnet werden als nur eingescannt. Der Ausdruck wird meist um Klassen besser.

Fuer professionelle Anwendungen sind Trommelscanner wichtig. Um ihre Faehigkeiten umfassend nutzen zu koennen, bedarf es einer intensiven Ausbildung. Die Geraete arbeiten mit teuren Photomultiplier-Roehren (PMTs), die extrem lichtempfindlich sind. Auf den transparenten Zylindern dieser Systeme koennen nur flexible Vorlagen montiert werden. Zu den gaengigsten Geraeten fuer den Bueroalltag gehoeren Handscanner und Flachbettscanner. Die Handscanner eignen sich fuer plan liegende Schwarzweiss- oder Farbvorlagen und sind in ihrer Aufnahmeflaeche meist kleiner als DIN-A4-Formate. Zu ihren Anwendungsgebieten gehoeren teilweise die optische Zeichenerkennung (Optical Character Recognition = OCR) fuer kleine Vorlagen oder das schnelle Erfassen von Vorlagen als Platzhalter bei Layoutentwuerfen.

Dennoch bringen Handscanner Probleme bei der taeglichen Arbeit mit sich. Im Gegensatz zu Flachbettscannern liegt das einzuscannende Objekt nicht fest fixiert auf einer Glasplatte, unter der sich der Abtastmechanismus bewegt. Wird ein Handscanner per Hand auf einem Blatt bewegt, fuehren auch schon allerkleinste Abweichnungen in der Handbewegung zu Fehlern. Alle Scanner koennen nur so praezise erkennen, wie sie die Informationen zur Verfuegung gestellt bekommen. Schon bei 300 Dots per Inch (dpi), also 300 Bildpunkten pro Zoll (1 Inch = 2,54 Zentimeter) laesst sich die Entfernung von Bildpunkt zu Bildpunkt schnell berechnen: Ein Bildpunkt entspricht 0,08 Millimeter. So genau kann auch ein Chirurg seine Hand kaum fuehren.

Auch aus diesem Grund gehoeren die Flachbettscanner fuer DTP- Anwendungen mittlerweile wohl zu den am haeufigsten gewaehlten Scansystemen. Bei ihnen setzte sich Charge Coupled Device (CCD) als kostenguenstige Halbleiter-Technologie auf breiter Front durch.

CCD arbeitet in diesen Scannern mit Tausenden winzigen lichtempfindlichen Rezeptoren, die variierende Lichtintensitaeten in digitale Signale umwandeln. Da Flachbettscanner sowohl einzelne Blaetter als auch starre Vorlagen wie Buecher meist bis zu DIN A3 verarbeiten koennen, liegt ihre Hauptanwendung in Bueros, bei der optischen Zeichenerkennung und als Druckvorstufe fuer Schwarzweiss- und Farbdruck. Moderne Software macht ihre Ansteuerung relativ einfach, denn die optimale Farbbalance und Bilddichte werden meist automatisch oder mit wenigen Handgriffen ermittelt.

Insbesondere bei der optischen Zeichenerkennung (OCR) sind Abweichungen inakzeptabel, und daher werden Flachbettscanner in Bueros auch hierfuer haeufig verwendet. Mit entsprechenden OCR- Programmen bedarf das Einlesen von gedrucktem Papier nur geringer Nachkorrektur. Nur eines kann Standard-OCR auch heute noch nicht: Handschriften erkennen. Auch sehr muehsam gemalte Bustaben werden "bestreikt".

Bevor in der Praxis auch im zweiten grossen Bereich des Scannens, der Bildverarbeitung, gute Ergebnisse die Arbeit kroenen, ist ein wenig Theorie vonnoeten. Scannen bedeutet auch eine intensive Auseinandersetzung mit fototechnischen Grundlagen. Viel theoretisches Wissen fand allerdings mittlerweile Eingang in die Scanprogramme.

Standards entlasten von Vorarbeiten

So vereinfacht die Software in der Praxis der standardisierten Anwendung heute einen grossen Teil der anstehenden Vorarbeiten. Zu ihnen gehoeren bei der Eingabe die Ermittlung des dunkelsten Bildbereiches (maximale Dichte) und des hellsten Bereiches (minimale Dichte) oder auch die Berechnung von Tonwertumfang, Kontrast und vieles mehr.

Den Spezialisten sei Dank, dass exakt auf die Hardware abgestimmte Scansoftware beim Kauf heutiger Scanner in den meisten Faellen zum Lieferumfang gehoert. Doch auch ueber andere Layout- und Bildbearbeitungsprogramme von Fremdanbietern sind die Scanner mit - hoffentlich vorhandenen - adaequaten Treibern ansprechbar.

Damit nicht proprietaere Treiber fuer alle moeglichen Kombinationen von Software und Scannern geschrieben werden muessen, einigte sich die Industrie auf den TWAIN-Standard. Er wurde 1991 von Hewlett- Packard, Kodak, Aldus und anderen Herstellern erarbeitet. Dieser plattform-uebergreifende Schnittstellen-Standard erlaubt es, beliebige TWAIN-kompatible Scanner mit TWAIN-kompatibler Software anzusteuern.

Moderne Programme unterstuetzen die Arbeit mit verschiedenen Automatismen, wie zum Beispiel der direkten Eingabe der gewuenschten Rasterweite und automatischen Berechnung der Scanaufloesung, der eigenstaendigen Dichtesteuerung mit Messung der hellsten und dunkelsten Stellen oder Ausschnittwahl, Saettigungsverstaerkung und Kompensation von CCD- Ungleichmaessigkeiten.

Wichtige Anforderungen an Software fuer den Profibereich sieht Peter Schahn, Produkt-Manager bei Oce Graphics, einem internationalen Anbieter grafischer Peripheriegeraete mit Niederlassung in Wiesbaden, in der Kalibrierungsunterstuetzung, der Variabilitaet der Aufloesung, der automatischen Bildausrichtung, der Kompatibilitaet der Scansoftware zu Dateiformaten und Anwendungssoftware. Auch die Drehung der Zeichnungen, die Linienverstaerkung, Spiegelung, Negativ-Positiv-Umwandlung sowie die Moeglichkeit, direkte Hardcopies zu erstellen, sollte vorhanden sein.

Angenehm zu haben sind laut Schahn auch die automatische Horizontalausrichtung von Zeichnungen mit Schraeglauf sowie das - einstellbare - Entfernen von Flecken auf den Vorlagen und eine automatische Anpassung an die Zeichnungsqualitaet. Fuer Batch- Scanning hilfreich ist ein automatisches Indizieren von Dateien, bei dem die Bezeichnungen nicht gesondert eingegeben werden muessen.

Der Kaeufer muss sich schlau machen

Diese Anforderungen werden nur zum Teil von den mitgelieferten Standardprogrammen erfuellt. Ein Vergleich der Software-Unterlagen ist deshalb ratsam.

Der kaufwillige Anwender sollte sich auch mit der Scanaufloesung und ihrem Einfluss auf die Qualitaet und Geschwindigkeit der Verarbeitung auseinandersetzen. Auch das Farb-Management (vgl. Kasten "Farb-Management-Systeme"), das fuer die korrekte Wiedergabe der Vorlage von Bedeutung ist, ist je nach Anwendungsbereich sehr wichtig. Von Fall zu Fall steht zudem die Optimierung der Ausgabeleistung und -qualitaet im Verhaeltnis zur Zeit auf dem Programm.

Die Scanaufloesung bezeichnet die Anzahl der Pixel pro Zoll, die von den Sensoren des Scanners erfasst wird. Sie wird in dpi oder auch in Pixel per Inch (ppi) gemessen. Ein Abtasten der Vorlage mit 100 ppi ordnet einer Linie von einem Inch oder Zoll 100 Pixel zu, einem Quadratzoll also 10000 Pixel. 200 ppi ergeben 40000 Pixel pro Quadratzoll. Die Erhoehung der Scanaufloesung fuehrt also zur Aufnahme von mehr Details der Vorlage und einer schaerferen Reproduktion. Gleichzeitig aber bedingt eine Verdoppelung der Aufloesung eine Vervierfachung der Datenmenge. Im Arbeitsablauf muss deshalb zwischen Detailwiedergabe und zu verarbeitender Datenmenge abgewogen werden, erlaeutert Gabriele Herken, Leiterin Marketing Inputsysteme im Geschaeftsbereich Grafische Systeme von Agfa Gevaert.

Wird das Bild zum Beispiel nur fuer den Monitorhintergrund benoetigt, reicht auch bei einem 17-Zoll-Monitor mit 1024 x 768 Bildpunkten eine recht geringe Aufloesung aus. Bei einem 9 x 13 Zentimeter grossen Urlaubsfoto genuegt eine Abtastrate von zirka 200 dpi, um das Foto bildschirmuebergreifend abzubilden. Druckt man diese Datei auf einem 600- dpi-Laserdrucker in optimaler Qualitaet aus, erscheint aber nur ein Minibild in der Groesse von zirka 3,3 x 4,3 Zentimetern.

Die Scanaufloesung korrespondiert also stark mit der gewuenschten Ausgabe. Laut Harald Peters, Scannerspezialist bei Hewlett- Packard, sollte fuer eine optimale Darstellung jedem Ausgabepunkt ein gescanntes Pixel entsprechen. Auch bei Groessenaenderungen um ganzzahlige Faktoren ist eine Umrechnung fuer den Computer ein leichtes. Wird dagegen eine Zwischenstufe von zum Beispiel 107 Prozent benoetigt, tut sich auch die beste Software sehr schwer damit, die neu hinzugefuegten Pixeldaten optimal zu errechnen. Ferner stimmen Ein- und Ausgabe nicht immer ueberein. So errechnet die Software durch Weglassen von Pixeln oder Hinzurechnen von neuen Pixeln aus Nachbarpixeln andere Aufloesungsstufen.

Alle Bearbeitungsparameter wie Helligkeit, gewuenschte Farbverschiebungen und Groessenaenderungen sollten, wenn irgend moeglich, bereits im Scan-Programm eingestellt werden. Denn nachtraeglich mit einer Bildbearbeitungssoftware aus einem zu dunkel gescannten Bild wieder die eigentliche Qualitaet herauszuzaubern ist mit digitalen Mitteln nur sehr begrenzt moeglich.

Diffizil ist die Frage der Aufloesung beim Scannen von Grauwert- oder Farbbildern, denn hier kommt zusaetzlich der Raster ins Spiel. Ein einfacher Rasterpunkt besteht aus einer Anordnung von schwarzen und weissen Druckpunkten und gaukelt dem Auge so einen bestimmten Grauwert vor. Die Rastergroesse oder Rasterweite wird in Deutschland in Linien je Zentimeter angegeben. So hat beispielsweise ein 54er Raster 54 Linien in der Hoehe auf einen Zentimeter mit 54 Rasterpunkten in der Breite, also 2916 Rasterpunkte.

Agfa Gevaert gibt als Hilfe zur Bestimmung der Scanaufloesung fuer Grau- und Farbvorlagen die Faustregel "2 x Rasterweite x Umrechnungsfaktor Inch auf Zentimeter (2,54)" an; fuer eine gute Ausgabequalitaet ohne Vergroesserung im hierzulande gaengigen 60er Raster sollten also 300 ppi gewaehlt werden. Marketing-Frau Herken haelt einen Tip fuer die praktische Arbeit bereit: "Eine hoehere Scanaufloesung bringt hier keinerlei Bildverbesserung, sondern fuehrt lediglich zu laengeren Scanzeiten, groesseren Datenmengen und laengeren Belichtungszeiten."

Bestimmend fuer Verarbeitungsqualitaet und Zeitaufwand ist zudem die Farb- oder Grauwerttiefe, die die Anzahl der erfassten Graustufen oder Farben festlegt. So kann ein 1-Bit-Scanner nur Weiss oder Schwarz identifizieren. Wird der Wert jedes Pixels mit 8 Bit beschrieben, sind schon zwei hoch acht oder 256 Graustufen moeglich.

Farbbilder setzen sich aus den additiven Farben Rot, Gruen und Blau (RGB) zusammen, so dass die Farbtiefe in diesem Fall 3 x 8 Bit, also 24 Bit, betraegt. Hierfuer haben sich die Bezeichnungen "True Color" oder auch werbewirksamer "16,7 Millionen Farben" eingebuergert. Die logische Konsequenz: Ein dementsprechendes Farbbild braucht dreimal soviel Speicherplatz wie ein Halbtonbild.

Somit ist der benoetigte Speicher beim Scannen ein nicht zu vernachlaessigender Parameter. Auch wenn es theoretisch moeglich ist, mit 4 MB Hauptspeicher Bilder einzuscannen, werden die SWAP- Datei und damit die Nerven des Anwenders so stark beansprucht, dass eine Speicheraufruestung auf mindestens 16 MB meist angemessen erscheint.

Wieviel Speicherplatz wirklich benoetigt wird, laesst sich recht einfach berechnen (vgl. Kasten "Komprimierte Speicherung"). Zum vom Betriebssystem und dem vom Scannerprogramm belegten Hauptspeicher kommt noch der fuer das Bild benoetigte Speicher hinzu. Der Bild-Speicherbedarf haengt von den Faktoren Bildgroesse, Aufloesung und Farbtiefe ab. Wird zum Beispiel eine DIN-A4-Seite mit 600 x 600 dpi und 24 Bit Farbtiefe (16,7 Millionen Farben) eingescannt, kommen dabei schon 8,3 x 11,7 x 600 x 600 x 24 Bit gleich 839 Mbit zusammen. Betraegt die Aufloesung dagegen nur die Haelfte, naemlich 300 dpi, geht der Speicherbedarf auf ein Viertel zurueck.

Teilweise werden Scanner unkalibriert genutzt, weil es in einigen Faellen nicht auf eine exakte Farbwiedergabe ankommt. Wird die gesamte Arbeit an nur einem Arbeitsplatz getaetigt, ist meist nur eine Abstimmung dieses Gesamtsystems notwendig. Das heisst, ein mit dem eigenen Drucker gedrucktes und wieder eingescanntes Bild kommt anschliessend auf dem Drucker wieder mit den gleichen Farben heraus. Diese einfache Kalibrierungsmoeglichkeit bieten viele Scanprogramme.

Eine genaue Kalibrierung aller einzelnen Komponenten ist im professionellen Bereich gefragt, da hier auch systemuebergreifend Daten ausgetauscht werden. Um aber nicht zum hundertsten Mal so verbreitete Geraete wie etwa den "HP-Scanjet IIc" und den "HP Deskjet 560C" miteinander abstimmen zu muessen, einigte sich die Industrie im Laufe des vergangenen Jahres unter aktiver Mitwirkung von Adobe, Agfa, Apple und Kodak, aber auch Microsoft und Sun, auf einen hersteller- und plattformuebergreifenden Farbstandard in Form des ICC-Formates (International Color Committee).

Neben der Optimierung von Rechengeschwindigkeit und Arbeitsablaeufen kommt es Anwendern beim Farb-Management vor allem auf Reproduzierbarkeit, Konsistenz und Portabilitaet an.

Die Forderung nach reproduzierbarer Farbe beinhaltet, dass die Vorlage mit ihrer Bildschirmdarstellung nach dem Einscannen und beim spaeteren Druckergebnis farblich uebereinstimmt (Color Matching). Konsistenz meint, dass gleiche Farbdefinitionen mit gleichen Farbdarstellungen je nach Verarbeitungssoftware einhergehen. Der Begriff Portabilitaet schliesslich besagt, dass identische Farben auf verschiedenen Plattformen gleich dargestellt werden.

Schon aus technisch-physikalischen Gruenden laesst sich der Wunsch nach reproduzierbaren Farben nur zum Teil durchsetzen. Der RGB- Farbraum ist umfangreicher als der CMYK-Farbraum vieler Ausgabegeraete.

Die Sekundaerfarben Cyan, Magenta und Yellow (CMY) sowie die Zusatzfarbe Black (K) entstehen durch Mischung der Primaerfarben Rot, Gruen und Blau respektive der Subtraktion der Leuchtstaerke durch verschiedene Filter. So ist beispielsweise der Farbumfang eines Monitors schon weniger ausgedehnt als der der Natur, da er durch die Leuchtstoffbeschichtung begrenzt wird. Darueber hinaus gibt es Monitorfarben, die nicht druckbar sind und durch aehnliche ersetzt werden muessen. Es kommt deshalb bei der Software auch darauf an, mit Hilfe von Softproof-Optionen schon moeglichst fruehzeitig ueber Simulation des Druckergebnisses auf dem Monitor die Qualitaet der Ausgabe erkennen zu koennen.

Ob ein Schwarzweiss- oder Farbscanner benoetigt wird, haengt im wesentlichen von der Ergebnisdarstellung ab, die der Anwender beabsichtigt. Es kann sinnvoll sein, einen Farbscanner anzuschaffen, obwohl spaeter nur Schwarzweiss-Ausdrucke benoetigt werden. Dies ist etwa dann der Fall, wenn zum Beispiel ein farbiger Stadtplan mit gelben und gruenen Linien eingescannt wird. Fuer einen Schwarzweiss-Scanner sind diese Farben moeglicherweise beide Mittelgrau, bei einem Farbscanner dagegen kann das farbige Bild nachbearbeitet werden, so dass der Anwender aus Gelb Hellgrau und aus Gruen Dunkelgrau machen kann.

Um optimale Ergebnisse zu erzielen, sollte der Anwender also schon vor dem Scannen genau wissen, wofuer das digitalisierte Ergebnis verwendet wird. Die heute verbreiteten Inselloesungen mit einem relativ kleinen, aufeinander abgestimmten System werden immer staerker an uebergreifenden Normen ausgerichtet. Im Zeitalter der extensiven Nutzung von Computerpower und ausgefuchsten Softwareloesungen heisst bald die vorwiegende Nutzung nicht mehr nur Computer to Paper, sondern im professionellen Druckbetrieb Computer to Plate (direkte Belichtung von Druckfolien ohne Zwischenfilm) und Computer to Press (digitale Uebertragung auf Offset-Druckwalzen) und fuer viele Scananwendungen - Computer to Network.

Scanner/Weiterfuehrende Literatur:

Agfa-Gevaert AG, Eine Einfuehrung in das digitale Scannen, aus der Schriftenreihe "Digitale Farbe" (Band 4), Lieferadresse: Agfa- Gevaert AG, Geschaeftsbereich Grafische Systeme, Informationsservice, Postfach 4120, 50155 Kerpen. Schutzgebuehr 25 Mark.

Blana, Hubert, Die Herstellung, Grundwissen Buchhandel - Verlage (Band 5), herausgegeben von Wolfgang Goehler und Joachim Merzbach, K.G.Saur Verlag KG, Muenchen.

Drei Arten des Abtastens

Scannen: In der DV ganz allgemein das Verwandeln von in Datentraegern enthaltenen Informationen in elektrische Impulse. Abgetastet werden Lochungen, Markierungen und Schriften. Dabei unterscheidet man zwischen elektrischem, magnetischem und optischem Abtasten. (. . .) Die optischen und magnetischen Verfahren sind schneller als die elektrischen. Die vom Abtastgeraet abgegebenen Impulse koennen mittels Datenuebertragung an entfernte Stellen uebermittelt und dort wieder auf Datentraeger aufgezeichnet werden. Sie lassen sich aber auch in Speicher aufnehmen oder direkt in DV-Anlagen verarbeiten. (aus: Lexikon der Datenverarbeitung).

Komprimierte Speicherung

Viele Scanprogramme unterstuetzen die Verwendung von komprimierten Grafikdateien. Da in einzelnen Bildern haeufig gleichmaessig getoente Flaechen enthalten sind, werden entsprechende Bitfolgen zusammengefasst und benoetigen somit erheblich weniger Speicher. Wie stark eine Datei komprimiert werden kann, haengt massgeblich vom Anteil der gleichmaessigen Flaechen und dem verwendeten Komprimierungsverfahren ab. Gaengig ist unter anderem das Tag Image File Format (TIFF). Es kann zum Beipiel Schwarzweiss-, Graustufen-, RGB- und CMYK-Bilder mit mehr als zehn Komprimierungsverfahren beschreiben. Diese Flexibilitaet hat jedoch den Nachteil, dass Programme zum Lesen von TIFF-Dateien gleichermassen vielseitig sein muessen, um alle darin enthaltenen Daten verstehen zu koennen.

SCSI

Die meisten Scanner werden ueber SCSI angeschlossen. Hochwertige Computer besitzen einen SCSI-Anschluss, andere muessen mit der beim Scanner meist mitgelieferten Karte des Herstellers nachgeruestet werden. Dieser Ersatz ist aber im allgemeinen keinesfalls ein vollstaendiger SCSI-Host-Adapter, sondern nur eine befriedigende Loesung fuer den Anschluss dieses speziellen Scanners.

Werden die als kompliziert verrufenen, aber im Grunde recht einfachen Regeln zum Anschluss von SCSI-Geraeten bezueglich Identifikation, Terminierung und Stromversorgung beachtet, ist der Anschluss kein Problem. Sporadisch auftretende Fehler deuten haeufig auf falsche Konfiguration oder nicht konforme Host-Adapter hin. Vor allem die Kabellaenge sollte so kurz wie moeglich gehalten werden. Dann muessen nur noch die Standard-SCSI-Treiber inklusive ASPI oder bei den mitgelieferten Karten herstellereigene Treiber in der Config.sys installiert werden, und das System ist einsatzbereit.

Farb-Management-Systeme

Ohne den Abgleich der spezifischen Farbumfaenge von Ein- und Ausgabegeraeten kommt es zu ungewollten Farbverschiebungen. Im Idealfall wird der Umfang jedes Geraetes relativ zu einem Standard abgeglichen. Abweichungen werden in einem geraetespezifischen Profil festgehalten und bei einer spaeteren Arbeit exakt fuer dieses Geraet abgestimmt. Standardisierte Farbreferenzvorlagen fuer Durchsichts- und Aufsichtsvorlagen werden mit normalen Einstellungen eingescannt, um eine Farbabstimmung zwischen allen Geraeten in der Kette zu erzielen. Die Referenzvorlagen umfassen 264 Farb- und Neutralgraufelder. Das Farb-Management-System setzt die gescannten Messwerte fuer jedes Feld mit den Referenzvorlagen in Beziehung. Daraus entsteht die entsprechende Referenzdatei.

Interpolation

Interpolationssoftware arbeitet nach drei gaengigen Methoden. Als schnellstes, aber auch ungenauestes Verfahren gilt die Nachbar- Interpolation, bei der jedes Pixel die Farbe des ihm in der Linie naechstgelegenen annimmt. Ein genaueres Ergebnis liefert die bilineare Interpolation, bei der die Mittel der Farben auf jeder Seite des neuen Pixels zur Bestimmung herangezogen werden. Die zeitaufwendigste, aber genaueste Methode ist die bikubische Interpolation, bei der alle das neue Pixel umgebenden Punkte gemittelt werden, um die Farbe des neuen Pixels zu bestimmen.

* Horst-Joachim Hoffmann und Edgar Koribalski sind freie Fachjournalisten in Muenchen