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22.04.1988 - 

Das Fernziel ist ein integriertes Warenwirtschaftssystem:

Scanning-Systeme sind nur der erste Schritt

Scanning gilt als das wichtigste Mittel, um die Wettbewerbsfähigkeit von Einzelhändlern zu verbessern. Heinz Heiner* sieht darin jedoch lediglich die "Ouvertüre" zu einer modernen Warenwirtschafts-"Oper", die auch den Wareneingang elektronisch erfassen sowie den Datenträgeraustausch mit den Lieferanten einbeziehen sollte.

In den USA werden derzeit mehr als 40 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes über Scanning erzielt; in der Bundesrepublik sind es noch keine fünf 5 Prozent - allerdings mit starken Zuwachsraten.

Ein namhafter Anbieter von elektronischen Kassen- und Kontrollsystemen hat folgendes ermittelt: Von etwa 250 000 westeuropäischen Lebensmittelgeschäften haben bis jetzt nur die dreitausend größten Unternehmen einen Teil ihrer Filialen mit Scannern ausgerüstet. In den nächsten drei bis fünf Jahren sei jedoch mit einem größeren Durchbruch zu rechnen. Der westeuropäische Lebensmittelhandel dürfte damit rund 23 Prozent der weltweiten Nachfrage auf sich vereinigen.

Die Einführung des Scanning hat deutliche Veränderungen in der US-Einzelhandelsstruktur mit sich gebracht. So sank die Zahl der Supermärkte mit mehr als zwei Millionen Dollar Jahresumsatz um mehr als die Hälfte, von 25 000 auf 11 000, während Großbetriebsformen (Super Stores, Warehouse Stores, Convenience Stores) deutlich an Boden gewannen.

Fehler beim Kassieren sollen weniger werden

Die Laser-Scanner-Kassen werden in absehbarer Zeit zur Grundausstattung von Lebensmittelabteilungen in deutschen Einzelhandelsfirmen gehören. Scanning ist jedoch nur die Ouvertüre zum modernen Warenwirtschaftssystem, das auch Ein- und Ausgang über DV erfaßt.

Scannerhersteller versprechen die folgenden operativen Vorteile (hard savings): Steigerung der Kassenproduktion und Einsparung von Kassenplätzen sowie weniger Fehler beim Kassieren. Darüber hinaus entfalle das Auszeichnen von Einzelpreisen oder Umzeichnen bei Preisänderungen; außerdem sollen Tages- und Wochenabrechnungen die Administration erleichtern. Last but not least können Kassenpersonal und Kunden keine (Preis-)Manipulation mehr vornehmen.

Die strategischen Vorteile (soft savings) sehen wie folgt aus: Abbau von Inventurdifferenzen, bewußtere Steuerung des Sortiments, die Möglichkeit, Einkaufsanalysen durchzuführen und Marktwirkungen festzustellen, reduzierte Bestände und schnellerer Warenumschlag.

Die zahlreichen Informationen, die Scanning durch eine präzise Erfassung des Warenausgangs liefert, können nach Meinung von Scanningexperten erst dann optimal interpretiert werden, wenn über den Wareneingang und den Warenbestand ebenfalls genaue, sofort abrufbare Zahlen vorliegen. Der erste Schritt hin zum Scanning sollte also eigentlich dazu genutzt werden, das gesamte Warenwirtschaftssystem zu modernisieren. Konkret heißt dies: Auch der Wareneingang wird DV-mäßig erfaßt (hier hat man schon gute Erfahrungen gemacht), während ein weiterer Schritt den Datenträgeraustausch mit den wichtigsten Lieferanten einbezieht.

Etwa zwei Drittel des Einkaufs können aufgrund der verfügbaren Warenein- und -ausgangsdaten erledigt werden. Die Einkaufsgespräche werden dadurch grundlegend verändert, weil der Handel beziehungsweise der Einkäufer mit genauen Informationen über "Renner" und "Penner" den Industrievertretern ganz anders entgegentreten kann.

Der Wert dieser Kassendatentechnik liegt eindeutig in der schnelleren Erfassung von Lücken, also Verkaufschancen, und der geringen Kapitalbindung in den Warenbeständen. Mittlerweile ist die artikel- und preisgenaue Erfassung am Verkaufspunkt nicht mehr allein den großen Einzelhändlern vorbehalten; vielmehr erwägen auch Klein- und Mittelbetriebe den Einstieg in die elektronische Warenwirtschaft. Insbesondere diesen kleinen und mittleren Geschäften sollen die Vorteile der Scanningtechnik unter vertretbarem Investitionsaufwand eröffnet werden.

Der praktische Einsatz kann anhand eines Beispiels, nämlich eines deutschen Warenhauses mit rund 2900 Quadratmetern Verkaufsfläche, demonstriert werden: Etwa 8000 Artikel führt die Lebensmittelabteilung, die mit 75 Prozent den Schwerpunkt des Gesamtumsatzes bildet. Die verbleibenden 25 Prozent verteilen sich auf ein Nonfood-Sortiment von ungefähr 7000 Artikeln. Die Erstellung der Artikelstammdatei für den Preisabruf ergab einen Anteil an EAN-codierten, und somit Scannerfähigen, Artikeln von rund 65 Prozent des gesamten Food-Sortiments. Diese 65 Prozent erzielen über drei Viertel des wertmäßigen Umsatzes. Somit wurde die Rentabilitätsschwelle bereits, mit der Einführung des Systems erreicht.

Alle sieben Kassenplätze sind über eine einfache Datenleitung mit einem Datensammelgerät verbunden das vom Kassenbüro aus die tägliche Gesamtabrechnung aller Kassenterminals rationell und zeitsparend ermöglicht. In direkter Verbindung mit alten Kassenterminals stehen zwei Artikelspeicher, die - über einen Schalter steuerbar - die volle Sicherheit für die Preisabrufdatei gewährleisten.

Nach einer kurzen Einweisungs- und Gewöhnungsphase des Kassenpersonals wurde eine leichte Verbesserung der Kassiergeschwindigkeit bei absoluter Preissicherheit für 75 Prozent des wertmäßigen Food-Gesamtumsatzes ermittelt. Dies ist einer der wichtigsten Vorteile der Preisabruftechnik mit Hilfe des Scanning. Nicht EAN-codierte Ware wird manuell mit Preisangabe über vier Hauptgruppentasten der Modultastatur in entsprechenden Summenspeichern erfaßt.

Der Kunde legt kaum Hand an die Ware

Ein ungewöhnliches Konzept hat die US-amerikanische Firma Woodman's entwickelt. In einem 12 000 Quadratmeter großen Mega-Markt in Madison (rund 200 000 Einwohner) präsentiert Woodman's das "Cage and Circus Concept", zu deutsch Käfig- und Zirkus-Konzept". Der Kunde betritt zunächst die sogenannte Käfigzone, wo Massenlebensmittel in riesigen Regalen zu absoluten Niedrigpreisen aufgetürmt sind.

Aus dem Käfig kommt er dann in eine sehr hochwertige Warenwelt, die von Boutiquen, Spezialabteilungen und Erlebniszonen geprägt ist. Hier arbeiten im Kassenbereich 18 Scannerkassen, die 98 Prozent aller Waren abtasten. Per Knopfdruck wird die Ware auf einem Förderband an der Kasse vorbei transportiert, ohne daß der Kunde sie berührt. Bedienungspersonal bringt die verpackten Einkäufe schließlich zum Auto des Kunden.

Die britische Handelskette Sainsbury (Umsatz: vier Milliarden Mark) hat vor einiger Zeit die amerikanische Kette "Shaw's" mit 42 Supermärkten (im Durchschnitt 3000 Quadratmeter) übernommen. In jedem dieser Märkte ist ein Scanning-System installiert. Sämtliche Läden können mit dem Außenlager kommunizieren und je nach Bedarf Ware anfordern. Das Kommunikationssystem gewährleistet, daß ständig eine bestimmte Warenmenge in den Regalen vorrätig ist.

Über das System werden 96 Prozent aller Artikel automatisch bestellt. Die Geschäftsführer der Supermärkte haben Personalcomputer, über die sie alle wichtigen Informationen abfragen können. Die Scanning-Daten an den Kassen geben darüber Auskunft, welche Waren gut laufen und entsprechend neu vom Lager abgerufen werden müssen oder welche Artikel zu Kundenreklamationen geführt haben und ausgemustert werden sollten.

Auch im Nonfood-Bereich wächst die Nachfrage stetig

Im Lager selber gibt es ein computergesteuertes Beladesystem für die Lastwagen, die täglich die angeforderten Artikel in die einzelnen Supermärkte transportieren. 90 Prozent der Ware gelangt so direkt vom Lager ins Ladenregal.

Mittlerweile dringt das Scanning auch vermehrt in den Nonfood-Bereich vor. Es gibt hier schon deutsche Handelsbetriebe, die Scanning benutzen, obwohl nur 40 Prozent ihres Sortimentes mit einem Balkencode versehen sind. Die restlichen Preise werden, wie bisher beim Kassenvorgang, manuell eingegeben.

Das Filialunternehmen "dm-Drogerie-Markt", das in der Bundesrepublik und Österreich 380 Zweigstellen hat, will die Zahl der Scanning-Installationen auf über die Hälfte des Filialnetzes erweitern. Dazu wurde eine Checkliste für die Umrüstung er stellt, die 87 Punkte enthält. Die wichtigsten davon sind: frühzeitige Information und Schulung der Mitarbeiter und umgehende Scanning-gerechte Auszeichnung jener Artikel, die nicht über die entsprechende EAN-Herstellercodierung verfügen.

Eine gewisse Größe des Betriebs ist Voraussetzung

Discounter im europäischen Einzelhandel mit begrenztem Warenangebot, die sich früher auf das gute Preisgedächtnis ihres Kassenpersonals verließen, konnten einer Untersuchung der Schweizer Unternehmensberatung POS Development A.C. Nielsen Management Services zufolge aufgrund der Preiskontrollanlage ihres Scanning-Systems den Umfang ihres Warenangebots erweitern. Andere Einzelhandelsbetriebe haben Scanning-Daten zur Erfassung langsam umschlagender Produkte genutzt und damit zur Rationalisierung ihres Sortiments beigetragen.

Wer Scanning einführen will, muß wohl über eine gewisse Betriebsgröße verfügen. Außerdem ist zu berücksichtigen, daß Scanning nur der erste Schritt zu einem modernen Warenwirtschaftssystem ist und der optimale Nutzen erst dann erreicht wird, wenn es nicht bei diesem Schritt bleibt. Bis das System richtig funktioniert, dauert es ungefähr zwei bis drei Jahre.

*Heinz Heiner ist als freier Journalist in Landau/Pfalz tätig.