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23.01.2004 - 

Nach Verlusten und stagnierendem Umsatz setzt der Server-Spezialist auf die Softwarekarte

Schafft Sun Microsystems die Wende?

MÜNCHEN (CW) - Auch im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2004 kommt Sun Microsystems aus den roten Zahlen nicht heraus. Zwar verweisen die Verantwortlichen auf deutliche Fortschritte gegenüber dem vorangegangenen Vierteljahr, im Jahresvergleich hat sich jedoch kaum etwas bewegt. Nun sollen neue Produkte vor allem aus dem Softwarebereich die Trendwende erzwingen.

"Das zweite Quartal war ein Fortschritt für uns", interpretierte Sun-Chef Scott McNealy die aktuellen Zahlen. Mit neuen Produkten und Kooperationen beispielsweise mit dem Chiphersteller AMD besitze das Unternehmen eine gute Ausgangsposition für das laufende Jahr. Die Investitionen sowie der Fokus auf Effizienz und Qualität würden auch künftig die Wertsteigerung für Kunden und Partner sichern, wirbt der Chief Executive Officer (CEO), Chairman und President des Server-Spezialisten.

Positiver Kurzfristtrend

Die vorgelegten Zahlen spiegeln die von den Verantwortlichen beschworene Aufbruchsstimmung auf den ersten Blick jedoch kaum wider. Die Einnahmen lagen mit 2,89 Milliarden Dollar knapp ein Prozent unter dem Umsatz des Vorjahresquartals, als rund 2,92 Milliarden Dollar zu Buche standen. Unter dem Strich blieb ein Verlust von 125 Millionen Dollar. Das bedeutet zwar im Vergleich zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2003 einen deutlichen Fortschritt, als ein Minus von rund 2,28 Milliarden Dollar die Bilanz tiefrot gefärbt hatte. Allerdings hatte Suns Finanzchef Steve McGowan damals etwa 2,13 Milliarden Dollar Abschreibungen verbuchen müssen.

Statt des Jahresrückblicks bemühen die Finanzverantwortlichen den Vergleich mit dem ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2004, um die Fortschritte zu belegen. So sei es im zweiten Quartal gelungen, den Umsatz gegenüber den Monaten Juli bis September 2003 um 14 Prozent zu steigern, betonte McGowan. Dies sei der größte sequenzielle Quartalszuwachs seit Mitte 2000.

Vor allem die Produktumsätze seien für diesen Trend verantwortlich, erläuterte der Finanzchef. Mit 1,94 Milliarden Dollar gingen die Einnahmen zwar im Jahresvergleich um drei Prozent zurück. Zum vorangegangenen Quartal bedeutete dieser Wert jedoch eine Steigerung um 19 Prozent. Im Server-Bereich verzeichnete Sun nach eigenen Angaben im Highend-Segment mit Systemen der "Sun Fire V1280"- und "Sun Fire 15K"-Reihe steigende Absatz- und Umsatzzahlen. Auch im Volumenbereich, in dem Server mit bis zu acht Prozessoren zusammengefasst werden, verbuchte der Hersteller McGowan zufolge vor allem mit der "Sun Fire V440" Zuwächse.

Im Gegensatz zu den Produktumsätzen legten die Einnahmen mit Services sowohl im Jahres- als auch im Quartalszyklus zu. 944 Millionen Dollar bedeuten in beiden Kategorien einen Zuwachs um rund fünf Prozent, berichtete McGowan.

Nach der geografischen Verteilung der Umsätze wird Europa für den im kalifornischen Santa Clara beheimateten Hersteller immer wichtiger. Während die Einnahmen in den USA und Japan im unmittelbaren Quartalsvergleich lediglich um vier Prozent wuchsen, verzeichnete die Alte Welt eine Steigerung um 19 Prozent. Fast ein Drittel der Sun-Umsätze stammen mittlerweile aus Europa. So zeigt sich auch der deutsche Geschäftsführer Helmut Wilke zufrieden mit den Zahlen. Im Bereich der Volumen-Server sei es gelungen, den Absatz um 40 Prozent zu steigern. Vor allem bei den Telekommunikationsunternehmen beobachte er eine wachsende Investitionsbereitschaft.

Software soll Zuwachs bringen

"Der Telko-Bereich gleicht einem Leuchtfeuer", ergänzt der deutsche Marketing-Leiter Martin Häring. Wenn dieses Segment anziehe, gehe es generell im Markt wieder vorwärts. Auf die erhoffte Trendwende sieht der Marketier Sun gut vorbereitet. Beispielsweise machten sich erste Effekte der neuen Softwarestrategie bemerkbar. Die Volksrepublik China habe schon 800000 Lizenzen des auf Linux basierenden "Java Desktop System" (JDS) geordert. Im Gespräch seien bis zu 200 Millionen integrierte Softwarepakete. Auch das britische Gesundheitsministerium erwäge die Anschaffung von rund einer Million Lizenzen. In Deutschland stehe ein Vertrag mit einem großen Telko-Provider, der laut Häring mehrere tausend Arbeitsplätze mit der Sun-Software ausstatten will, kurz vor dem Abschluss. "Mit diesen Deals wird Sun über Nacht zum weltweit größten Linux-Distributor."

Neben den neuen Produktstrategien verweist der Marketing-Leiter auf die Restrukturierungsmaßnahmen. Mit der angekündigten Schließung einer Fabrikationsanlage im kalifornischen Newark und dem Abbau von etwa 200 Arbeitsplätzen seien diese nun abgeschlossen. Auch die zuletzt hohen Abschreibungen seien jetzt Vergangenheit. "Wir gehen mit einer neuen Struktur und neuen Produkten in das Jahr. Das gibt Hoffnung."

Ob die Zuversicht gerechtfertigt ist, bleibt abzuwarten. Bislang haben alle Restrukturierungen kaum Einfluss auf die Kostenstruktur des Unternehmens gezeigt. Mit 1,68 Milliarden Dollar liegen die Aufwendungen für das operative Geschäft auf einem gleich bleibend hohen Niveau. Auch die Verwaltungs- und sonstigen Ausgaben bewegen sich mit 828 Millionen Dollar im Rahmen der vorangegangenen Quartale. Für Forschung und Entwicklung hat Sun in den Monaten Oktober bis Dezember 2003 rund 471 Millionen Dollar ausgegeben. Auch diese Größe hat sich in den beiden letzten Jahren fast nicht geändert. Für die Zukunft ist unter diesem Posten ebenfalls kaum mit Veränderungen zu rechnen. McNealy erteilte Spekulationen über eine mögliche Zusammenarbeit im Highend-Segment mit Fujitsu, das in Lizenz Sparc-Prozessoren und -Rechner fertigt, eine Absage. Stattdessen träumt der Firmenchef bereits von der nächsten - seiner Einschätzung nach revolutionären - Chipgeneration.

Cashflow rutscht tief ins Minus

Ein böses Erwachen gab es für McNealy dagegen in Sachen operativem Cashflow. Der Sun-Chef hatte diesen Punkt der Bilanz in der Vergangenheit meist als Lichtblick präsentiert. Neun Jahre war dieser Posten positiv gewesen. Erstmals hatte der Hersteller im Eingangsquartal des Geschäftsjahres 2004 mit einem Minus von 49 Millionen Dollar einen deutlichen Einbruch erlitten. Im zweiten Quartal steigerte sich der Cashflow im negativen Sinne auf ein Minus von 282 Millionen Dollar.

"Diese Zahl ist nicht positiv und darf auch nicht schöngeredet werden", räumt Marketing-Manager Häring ein. Als Begründung für den Rückgang führt er notwendige Investitionen des Unternehmens beispielsweise in neue Fertigungsstraßen an. "Wir haben das künftige Wachstum finanzieren müssen." Allerdings besitze das Ziel oberste Priorität, sich in den letzten beiden Quartalen des laufenden Geschäftsjahres wieder Cashflow-positiv zu präsentieren.

Analysten bleiben skeptisch

Analysten bezweifeln, ob die Verantwortlichen diese Vorgabe erreichen können. Zwar habe der Server-Spezialist mit dem jüngsten Quartalsergebnis die Erwartungen übertroffen. An der langfristigen Perspektive habe sich dagegen kaum etwas geändert, moniert Steven Milunovich, Analyst von Merrill Lynch. Sun müsse weiter an seiner Effizienz und den Kostenstrukturen arbeiten, fordert er. Das Jahr 2004 werde zeigen, in welche Richtung es gehe. Sollte sich keine deutliche Verbesserung der finanziellen Ergebnisse abzeichnen, werde das Board of Directors gezwungen sein, einschneidende Veränderungen im Unternehmen durchzusetzen. Zur Disposition dürfte dann niemand Geringerer als Firmenchef Scott McNealy selbst stehen. (ba)

Abb: Sun Microsystems: Umsatzentwicklung 2002 - 2004

Der Umsatz lässt zu wünschen übrig. Während sich in den Bilanzen von Konkurrenten wie IBM bereits eine Trendwende abzeichnet, muss Sun Microsystems weiter um den Aufschwung bangen. Quelle: Sun