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10.10.1980 - 

Sparkassen-Schnell-Service mit Olivetti-ATS:

Schalterdialog durch Plastikkarte

Klaus Rosenthal ist EDV-Fachjournalist.

Das "Karsruher Modell" hat mit der Inbetriebnahme des ersten automatischen geldausgabesystems ATS (Automatic Teller System) von Olivetti einen weiteren Akzenter halten Im.Gegensatz zu landläufigen Meinungen über die "Entpersönlichung" der maschinellen Geldausgabe sieht Heinrich Jäger Vorstandvorsitzender der Sparkasse Karlsruhe,eher Vorteile eines solchen Systems für eine individuelle und universelle Kundenbetreuung.

Bereits vor Jahren hatte Jäger durch sein "Karlsruher Modell" für Aufsehen gesorgt. Die Sparkasse kreierte, als besondere Art der Kundenbetreuung, Zweier- und Dreierlösungen - benannt nach der Anzahl von Spezialberatern, die mit einem Bankkunden bei einem Besuch in Kontakt kamen. Grundsätzlich ging man.davon aus, daß jeder Kunde an jedem Schalter nahezu jeden Service erhalten sollte. Lediglich komplexere Aufgaben, zum Beispiel im Anlagen- oder Kreditbereich, sollten in der Beratungszone bildschirmorientiert abgewickelt werden. Zwischen den Schaltern sollte jedoch trotz divergierender "Produkte" kein großer Bruch entstehen. Daher wurden organisatorische Verfahren entwickelt, um "Kundenanbindungs- und Überleitungsprobleme" besser in den Griff zu bekommen.

Als sich die Sparkassse Karlsruhe bereits vor mehreren Jahren für Geldausgabeautomaten entschloß und die Hersteller um Offerten bat, setzte Jäger das Pflichtenheftniveau gleich ein Stück.höher: "Eine reine Offline-Bargeldausgabe", so der Karlsruher Direktor, "war uns nicht ausreichend."

Der Automat sollte zwar Bargeld an Kontoinhaber ausbezahlen, darüber hinaus jedoch auch einige typische Tagesroutinearbeiten aus der Schnellzone abwickeln können. Olivetti kam diesen Extrawünschen offenbar am besten nach, so daß der Auftrag an den Terminal-Hauslieferanten ging.

Kern des ATS ist ein Rechner der Serie 800 mit 56 KB für die Zentraleinheit als autonomes System. Als Satellit kann ein weiteres ATS nut 32 KB angeschlossen werden. Integriert ist ein Bildschirm, über den der Kunde im Klartext mit seinen Kontodaten und anderen freien Informationen in den Dialog treten kann. Ein- und Ausgabemodule sind für Einzahlungen und Formularausgabe ebenfalls integriert.

Der Dialog beginnt über die Kunden-Plastikkarte, auf der die Zugriffsberechtigung im codierten Magnetstreifen enthalten ist. Erst dann fährt automatisch die kugelsichere Glasplatte hoch und gibt die Tastatur frei.

Eine weitere Kontrolle ist die: Eingabe der vom Kunden selbst gewählten Geheimnummer. Der Kunde kann mehrere Funktionen abrufen. Sie sind jeweils auf den Kommandotasten einzugeben. Nach Angabe von Olivetti handelt es sich bei dem ATS um das derzeit weitestentwickelte System mit den meisten Funktionen.

Folgende Kundenbetreuung wird derzeit über das System in Karlsruhe angeboten:

- Geldauszahlung in Mark,

- Geldauszahlung in französischen Francs wegen der Grenznähe,

- Geldeinzahlung durch ein vom System ausgegebenes Kuvert. Es nimmt sowohl Bargeld als auch Euro- oder Verrechnungsschecks auf. (Spätere Durchsicht von zwei Bankangestellten durch ,,Vier-Augen-Kontrolle wie bei Einzahlungen per Nachtschalter.)

- Kontostandsabfragen und Kontoauszugsabruf,

- Formularbestellungen,

- Umbuchungen,

- Beratungsanforderungen.

Eine Achse durch Karlsruhe

Zweck des ATS ist einmal die Geldversorgung der Bankkunden nach den Schalteröffnungszeiten. Nach Meinung von Jäger ist durch ständige Arbeitszeitverkürzungen die Schwelle bereits erreicht, wo derartige Automaten sich bezahlt machen. Er sieht die Anschaffung von ATS-Systemen als unausweichlich an.

Online-Kundendienst gewährt die Sparkasse bis 20.00 Uhr und ab 7.00 Uhr. In der Zwischenzeit wird auf Offline-Betrieb geschaltet. Das heißt, der Kunde kann in dieser Phase von seinem Konto Geld abheben und Schecks sowie Bargeld einzahlen, jedoch keine Kontostände abfordern oder Auszüge drucken lassen. Beim Online-Betrieb bedient der zentrale Rechner den ATS direkt mit den aktuellen Kontoinformationen.

Bisher sind in der Sparkasse Karlsruhe am Europlatz zwei ATS-Systeme geplant. Weitere vier sollen 1981 folgen und in anderen Filialen des Stadtgebietes "eine Achse durch Karlsruhe" bilden. Damit soll den 90 000 Kunden, von denen bisher 40 000 Euro-Scheckkarten besitzen, der Weg zum Bargeld nach Schalterschluß etwas erleichtert werden.

Die Banken-Pool-Lösung, an der auch die Sparkasse beteiligt ist, sieht später auch den Zugriff von Fremdkunden auf das System vor. Derartig übergreifende Universallösungen erwartet Jäger jedoch nicht vor 1981/ 1982.

Wohl einmalig ist auch die Umwelt des Automaten in der Sparkasse in Karslruhe. Er ist in einem eigenen Raum untergebracht, in dem sich eine Kunstgalerie befindet. Wechselnde Ausstellungen des kunstbeflissenen Kreditinstitutes sollen für eine gelokkerte Atmosphäre sorgen

Ansonsten schätzt Jäger die Sicherheiten und Risiken nicht höher ein als beim normalen Geldverkehr über Euroschecks. Nur eine ATS-Variante wird es nach dem Willen des EDV- und kunstbegeisterten Vorstandsvorsitzenden nicht geben- Außenwandinstallationen von Geldausgabeautomaten lehnt Jäger wegen der Stör- und Einblickseinflüsse für den Bankkunden rundherum ab.

Klaus Rosenthal ist EDV-Fachjournalist.