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27.10.1989 - 

Marktforscher Dale Kutnick warnt vor Big Blues Software-Offensive

Scharfe IBM -Totale Abhängigkeit durch Bundling

FRANKFURT (CW) - IBMs erklärte Absicht, sich vom reinen Hardware-Hersteller zum Software- und Service-Anbieter zu wandeln, beschäftigt jetzt auch die Marktforscher. So geht Dale Kutnick, Präsident der amerikanischen Meta Group, davon aus, daß die Armonker bis zum äußersten gehen werden, sollten sie bei Konkurrenten und Anwendern auf Widerstand treffen.

Gegenüber Kunden und Geschäftspartner der ECS Deutschland äußerte Kutnick auf einem Seminar in Frankfurt die Besorgnis, daß die Software-Offensive des Mainframe-Monopolisten zu "enormen Konzentration auf der Anbieterseite und zu totaler Abhängigkeit der Anwender von Big-Blue-Produktin führen werde.

Dabei handelt der "blaue DV- Gigant, der noch das meiste Geld mit: seiner Hardware verdient, nach Ansicht Kutnicks durchaus folgerichtig. Vier strategische Überlegungen will der IBM-Beobachter ausgemacht haben: Die IBM brauche, erstens, den Software-Kanal, um Wachstum zu generieren. Zweitens wolle sie damit einen Ausgleich für die Einbußen durch den Preisverfall bei der Hardware schaffen und ein Regulativ, wenn die Gerätezyklen keine Umsatzausweitung zuließen.

Die IBM wolle, drittens, den Hardwareverkauf ankurbeln, indem sie dem Kunden Software aufnötige, die dieser gar nicht brauche, die sich jedoch als Performancefresse erweise.

Der vierte Punkt erscheint Kutnick als der für den Anwender gravierendste: Mit proprietärer Software, die etwa nach Saa- oder AD/Cycle-Konventionen entwickelt wird, will der Marktführer seine Kunden für zehn Jahre und länger an sich ketten (Log-in-Strategie).

Die Bindung an den Branchenriesen nehme dabei um so stärker zu, je mehr Software den IBM-Stempel trage. Kutnick: "Die Softwarebudgets für IBM Großsysteme werden aufgrund von Preiserhöhungen sowie neuer Software, die erforderlich wird, um 20 bis 25 Prozent jährlich steigen."

Was passieren könne, wenn die IBM auch bei der Software einmal eine marktbeherrschende Position und ein gewissermaßen "einzigartiges" Produkt habe, legte Kutnick am Beispiel des IBM-Transaktionsmonitors CICS dar: Preiserhöhungen müßten geschluckt werden, weil der Anwender nicht auf andere Produkte ausweichen könne.

Außerdem betreibe die IBM eine Preispolitik, die den Kunden einen Vergleich mit Konkurrenzprodukten nahezu unmöglich mache. So biete der Mainframer Kabatte auf bloße Abnahmeverpflichtungen. Der Kunde verpflichte sich nämlich, ein bestimmtes Volumen zu ordern - unabhängig von einzelnen Produkten. Dadurch sei der Vorzugspreis immer nur in Relation zur IBM-Liste meßbar.

Keine Sanktionen gegen den Mainfrome Monopolisten

Nach allem, so Kutnick, werde es die unabhängige Software-Industrie schwer haben, sich neben dem neuen Software-Riesen IBM zu behaupten. Gute Botschaft kann Kutnick lediglich drei US-Firmen verkünden: Computer Associates, Oracle und Microsoft werden

auch Mitte der 90er Jahre noch am Markt sein. Für Kutnick wird DEC, den lBM-Weg gehen (Bundling) und als Software-Spieler mitbieten; überdies läßt er für die entferntere Zukunft eine internationale Unix-Allianz gelten, ferner eine europäische Softwaregruppe und ein japanisches Supersoftwarehaus.

Glaubt man Kutnick, dürfte für viele Software-Unternehmen das Aus kommen. Auf Hilfe vom Staat dürfen die IBM Wettbewerber nicht hoffen. Der IBM-Kritiker: " Anttrust ist in US-

Regierungskreisen zur Zeit ein schmutziges Wort." +