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14.09.2001 - 

Orange zeigt Kaufinteresse an KPN-Tochter E-Plus

Schattenboxen auf dem deutschen UMTS-Markt

MÜNCHEN (CW) - Verschwindet einer der sechs deutschen Lizenznehmer für UMTS bald von der Bildfläche? Diese Frage stellt sich, nachdem Orange, die Mobilfunktochter von France Télécom, deutliches Kaufinteresse an E-Plus signalisiert hat.

Der Druck auf die Konsortien, die insbesondere in Deutschland und Großbritannien für Wahnsinnssummen eine der UMTS-Lizenzen ersteigert haben, nimmt unerbittlich zu. Die Wirtschaftskrise, dramatisch gefallene Aktienkurse, düstere Prognosen hinsichtlich Akzeptanz und Return-on-Invest (ROI) von UMTS, hohe Netzaufbaukosten sowie gewaltige Schulden setzen die Unternehmen unter Zugzwang. Es geht nicht mehr nur darum, die Analysten und Anleger zufrieden zu stellen, es geht mittlerweile ums Überleben.

Besonders in Schieflage ist die niederländische KPN geraten, die mit 77,8 Prozent die Mehrheit am deutschen Netzbetreiber E-Plus hält. Das Unternehmen schiebt derzeit einen Schuldenberg von rund 23 Milliarden Euro vor sich her, der dringend abgebaut werden muss. Die Hoffnung der Holländer, durch eine Fusion mit dem belgischen Carrier Belgacom den Kopf aus der Schlinge ziehen zu können, hatte sich im August zerschlagen. Ein Merger mit einem anderen Partner oder etwaige Allianzen sind momentan eher unwahrscheinlich.

Ein geordneter Abbau der Schuldenlast scheint für KPN deshalb nur noch durch den Ausstieg aus dem Mobilfunkgeschäft möglich zu sein. Zum einen würde der Verkauf von E-Plus Geld in die Kasse spülen, zum anderen wären die Holländer die Hypothek hoher Investitionskosten in Netztechnik los. Die Verpflichtung, ein UMTS-Netz aufzubauen, ginge auf den Käufer über.

Der jetzt über die Finanzkrise gestolperte CEO Paul Smits hatte deshalb auch schon vor seinem Ausstieg laut über den Verkauf von Unternehmensteilen nachgedacht. Die Veräußerung des 22-prozentigen Anteils an dem indonesischen Mobilfunkkonzern Telkomsel scheint bereits beschlossene Sache zu sein, wäre für die Schuldentilgung aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Smits designierter Nachfolger Ad Scheepbouwer, der eigentlich noch bis Ende des Jahres als Chairman an das niederländische Logistikunternehmen TPG gebunden ist, wird sich bei der Sanierung deshalb wahrscheinlich vom Tafelsilber trennen müssen, und dazu gehört auch E-Plus. Als erste Amtshandlung setzte der Neue alle Verhandlungen zunächst bis Januar 2002 aus.

E-Plus hatte mit Rückendeckung der Mutter im Sommer vergangenen Jahres für 16 Milliarden Mark eine der sechs UMTS-Lizenzen ersteigert und steckt jetzt mitten in den Vorbereitungen für den Netzaufbau. Möglicherweise wird es dazu aber nicht mehr kommen, wenn das Kaufinteresse von Orange Realität wird. Weil die Orange-Mutter France Télécom mit 28,5 Prozent auch an Mobilcom beteiligt ist, das ebenfalls eine UMTS-Lizenz besitzt, käme es zu einer unzulässigen Doppelbeteiligung der Franzosen.

Da ein Ausstieg bei Mobilcom den französischen Carrier sehr teuer kommen würde, ist eher davon auszugehen, dass E-Plus im Falle einer Übernahme durch Orange in einem Konsortium von Orange und Mobilcom aufgeht. E-Plus und Mobilcom hätten zusammengenommen rund 13 Millionen Kunden. T-Mobil und D2-Vodafone verbuchen gegenwärtig jeweils rund 22 Millionen Teilnehmer.

Sollte es zu dem Kauf kommen, so der stellvertretende Orange-Chef Graham Howe, werde sein Unternehmen die E-Plus-Lizenz wahrscheinlich zurückgeben. Damit wären die 16 Milliarden Mark Lizenzgebühren zwar in den Wind geschossen, der teure Aufbau eines UMTS-Netzes würde aber entfallen. Ob die Anleger diese Maßnahme gutheißen, ist allerdings fraglich. Andererseits strickt Orange fleißig an seinem Plan, im Jahr 2005 in 50 Ländern der Welt, vornehmlich in Europa, als Top-Carrier im Mobilfunk aufzutreten.

Die Finanzlage des Unternehmens lässt laut Howe noch Spielraum für eine Erhöhung seiner Nettoverschuldung, da Orange vergleichsweise gute Zahlen vorweisen kann. In der ersten Jahreshälfte hat Orange einen Nettoverlust in Höhe von 500 Millionen Euro geschrieben, im Vorjahreszeitraum waren es noch 592 Millionen Euro. Der Umsatz ist um 31 Prozent von 5,4 auf 7,1 Milliarden Euro gestiegen.

Orange fühlt bei Schmid vorBeim Kaufinteresse von Orange handelt es sich um ein erstes Schattenboxen, um die Reaktionen der Konkurrenten und vor allem die von Mobilcom-Chef Gerhard Schmid auszuloten. "Wir glauben nicht, dass es in Deutschland sechs UMTS-Netze geben wird", sagte Howe bedeutungsschwanger. Eine Lösung gegen die Interessen von Schmid schließt er aus. Schmid soll sich ebenfalls in Verhandlungen mit E-Plus befinden, wenn auch offiziell nur über die mögliche gemeinsame Nutzung von Infrastruktur-Ressourcen. Es spricht also einiges dafür, dass nicht alle sechs Lizenznehmer in Deutschland an den Start gehen werden.