Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

10.09.1976 - 

Wie man die Wirtschaftlichkeit einer MDT-Anlage nachweist:

Schilda im Schwabenland?

ROTTWEIL - Über die Anschaffung eines Magnetkontencomputers Kienzle 6000 hatte im Landkreis Rottweil der Finanz- und Verwaltungsausschuß des Kreistages zu befinden. Die Anlage sollte an die Stelle von zwei Buchungsmaschinen treten, die das stattliche Alter von 14 und 19 Jahren erreicht hatten. Dabei war für die Entscheidungsfindung jedoch wichtig, daß mehrere Landkreise der Region vor Jahren das Kommunale Rechenzentrum Reutlingen gründeten, um die Kreisverwaltungen von EDV-Problemen zu entlasten.

Doch die Kienzle-Verkäufer machten folgende Rechnung auf: Bei der Landkreiskasse seien 1975 zirka 100 000 Buchungen angefallen. Die Zahl werde sich durch die Übernahme des Rottweiler städtischen Sozialamtes erhöhen. Das Kommunale Rechenzentrum verlangt pro Buchung einen Betrag zwischen 80 und 90 Pfennig. Damit fallen jährlich mindestens 85 000 Mark Buchungskosten an. Hingegen koste ein Magnetkonten-Computer 90 000 Mark. Dazu kämen jährliche Wartungs- und Materialkosten von 11 000 Mark. Bei Miet-Kauf der Anlage müßten also jährlich 31 700 Mark aufgebracht werden. Nach sechs Jahren wäre der Landkreis Eigentümer der Anlage.

"Unsichtbare Abspeicherung"

Diese Argumente überzeugten einige Kreisräte, die sich dann für die Anschaffung einer eigenen Anlage einsetzten, zumal es nach Magnetkonten-Ideologie zusätzlich "Nachteile" der Gemeinschafts-Rechenzentrums-Lösung gab: "Unsichtbare Abspeicherung der Konten", dadurch die Notwendigkeit, Konten im Bedarfsfalle auszudrucken, "mangelnde Aktualität und Aussagefähigkeit". Das fand in der Kienzle-nahen Schwarzwald-Randzone offene Ohren.

Die Gegenseite versuchte im Verwaltungsausschuß zu retten, was nicht mehr zu retten war: "Erst wurde uns der Anschluß ans Rechenzentrum mit Engelszungen empfohlen." - "Wie sollen wir die Zahlung der Gesellschafter-Beiträge vertreten, wenn wir mit der Buchhaltung eigene Wege gehen." Dann wurde abgestimmt: Sechs Kreisräte sprachen sich für die eigene Anlage aus, drei waren dagegen. Kienzle erhielt den Auftrag und informierte stolz die Presse.

Teure Kommunal-EDV

Die Rottweiler Entscheidung machte den Verband Deutscher Rechenzentren e. V. (VDRZ) mobil. In der neuesten Ausgabe des VDRZ-Organs "RZ-Mandant" suchte man den Fehler und fand ihn auch: "Es zeigt sich, daß das Kommunale Rechenzentrum einen weit höheren Preis als marktüblich verlangt. In freien Rechenzentren werden pro Buchung 3 bis 6 Pfennig berechnet, einschließlich Journal, Formulare, Umsatzsteuervormeldung, Kontenlisten. Für die kameralistische Buchhaltung, die von mehreren VDRZ-Mitgliedsfirmen im Auftrag von Städten und Gemeinden gefahren wird, müssen 15 bis 16 Pfennig bei einer normalen Auswertung einschließlich Formulare, Banklisten, Überweisungsträger, gezahlt werden ohne Datenerfassung)."

Genüßlich wird die Frage gestellt: "Verfügt die öffentliche Band über zu wenig Know-how oder über zuviel Geld, um die EDV wirtschaftlich einzusetzen?"

RZ-Mandant fährt fort: "Offenbar macht die Kommunal-Verwaltung heute einen Entwicklungs-Prozeß durch, der vor zehn Jahren die freie Wirtschaft beherrschte. Auch damals ging es um Autarkiebestrebungen im EDV-Bereich, ging es um den Prestige-Computer, ging es um die Erhaltung entbehrlicher Arbeitsplätze in den Buchhaltungsabteilungen, so lange, bis die Rezession den Rotstift ansetzte." Das Verbandsorgan schloß gar mit einer uneigennützigen Empfehlung: "Bevor neue Investitionen in Richtung MDT getätigt werden, sollte man das Reutlinger Gemeinschafts-Rechenzentrum auf Trab bringen."