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18.04.1986

Schindluder mit ISDN: De facto nur V.24-Standard

18.04.1986

Hart ins Gericht mit den Anbietern von Bürokommunikationslösungen gehen der Bundesverband für Bürowirtschaft (BBW), die Bundesstelle für Büroorganisation und Bürotechnik und die Bifoa. Einzelne Hersteller werden dabei aber ganz bewußt nicht angeschwärzt. BBW-Geschäftsführer Helmut Schmalfuß fordert in erster Linie eine Verlangsamung der Innovationszyklen und ein größeres Augenmerk für die Betriebsorganisationen von kleinen Unternehmen. Für Klaus Höring, Kommunikationsspezialist beim Betriebswirtschaftlichen Institut für Organisation und Automation (Bifoa) an der Universität Köln liegt vor allen Dingen die Softwareergonomie bei Electronic-Mail-Ansätzen und die Kompatibilität zu Mainframes im argen. Aber auch dem in weiten Kreisen als große Errungenschaft gepriesenen diensteintegrierenden Netzwerk der Post steht Höring kritisch gegenüber: "Mit dem neuen digitalen Netz ISDN wird Schindluder getrieben, wenn der heutige Stand als integrierte vereinheitlichte Kommunikation angepriesen wird, wo man sich doch in Wirklichkeit noch auf dem Niveau von V.24 befindet." Klaus Kather schließlich als Telecom-Spezialist bei der Bundesstelle für Büroorganisation und Bürotechnik sieht in dem derzeit immer noch herrschenden Defizit an deutscher Software ein großes Manko. sch

Helmut Schmalfuß

Geschäftsführer beim Bundesverband Bürowirtschaft e. V., BBW In Köln

Die Wunschvorstellungen an die Herstellerkonzepte der Bürokommunikation beginnen mit einer Verlangsamung der Innovationszyklen. Zur Zeit ist es ja so, daß praktisch eine Generation die andere ablöst. Dies führt dazu, daß manche Geräte gar nicht erst richtig in den Markt hinein kommen und andere schon wieder vor der Türe stehen mit noch besseren Leistungsdaten und einem noch besseren Preis-Leistungsverhältnis. Ein Ergebnis davon ist die Verunsicherung des Handels. Er weiß nicht, was er disponieren soll. Auch die Softwarehäuser haben oft keine Chance mehr, für neue Produkte und Konzeptionen die notwendige Software nachzuliefern. Es ist ja immer die Voraussetzung für die Entwicklung von Programmen, daß sie einigermaßen preisgünstig sind, damit man sie über einen längeren Zeitraum hinweg verkaufen kann. Und so gibt es leider eine ganze Reihe von Hardwarekonzepten, für die keine geeigneten Programme vorliegen.

Ein weiteres Problem stellt die Betriebssystemsoftware dar, die ja auch das entscheidende Kriterium für die Kompatibilität ist. Hier sind die Entwicklungen ebenfalls nicht eindeutig. Hinzu kommt, daß der Begriff Kompatibilität eine moderne Form der Luge ist, denn diese absolute Kompatibilität gibt in vielen Fällen doch nur einen Wunschtraum ab. Gedanken machen muß man sich im Zusammenhang mit Office Automation ferner darüber, daß es ein großes Verständigungsproblem zwischen den Herstellern auf der einen und den Anwendern auf der anderen Seite gibt. Experten haben oft gar keine Ahnung davon, was für Probleme an der Basis bestehen. Heute konzipiert man Produkte für eine große Gruppe von Anwendern, deren Probleme man nicht kennt. Man weiß eben nicht, daß es gerade für Kleinunternehmer wahnsinnig schwierig ist, die Betriebsorganisation zu definieren.

Ein Mangel besteht darüber hinaus an deutscher Software. Der Trend, sich stärker auf den deutschen Markt einzustellen, ist inzwischen aber Gott sei Dank überall erkennbar. Man hat jedoch viel zu lange gebraucht, die Probleme in die eigene Hand zu nehmen. So hat sich IBM beispielsweise jahrelang gesträubt, Software mit einem eigenen Zertifikat auszustatten. Erst in neuerer Zeit kümmern sich die Unternehmen um die Software, die auf ihren Rechnern läuft. Hier kann als Firma an der vordersten Front beispielsweise Wang mit seinem Produkt Wang Office genannt werden.

Klaus Höring

Geschäftsführer beim Betriebswirtschaftlichen Institut für Organisation und Automation an der Universität zu Köln (Bifoa)

Noch immer herrscht unter den Bürosystemen ein Mangel an ausgereiften Konzepten und lauffähigen Lösungen. Viele Ansätze sind interessant, aber jeweils fehlt das eine oder andere wesentliche Element. Ein Beispiel dafür sind die Speichermedien. Floppies und Platten am Arbeitsplatz geben eine zumeist teure und schlechte organisatorische Lösung ab und Massenspeicher sind noch nicht für große Textarchive organisiert und nicht wirtschaftlich. Außerdem vermißt man oft eine integrierte Datenbank.

Was die Kommunikation betrifft, so bieten die bestehenden Electronic-Mail-Ansätze eine zu geringe Softwareergonomie und eine zu geringe Integration mit Textverarbeitungsprogrammen und Datenbanken Mit dem neuen digitalen Netz ISDN wird Schindluder getrieben, wenn der heutige Stand als integrierte und vereinheitlichte Kommunikation angepriesen wird, wo man sich doch in Wirklichkeit noch auf dem Niveau von V.24 befindet. Und auch die Kompatibilität zu Mainframes sowie die Bildschirm-Oberflächen der Endgeräte lassen oft zu wünschen übrig. Die Liste ließe sich noch fortsetzen. Wenn bei jedem Hersteller wesentliche Leistungsmerkmale fehlen oder nicht befriedigend und erst irgendwann in der Zukunft ausreichend vorhanden sein werden, steht der Anwender vor schwierigen Auswahlproblemen. Er muß beziehungsweise müßte über die zukünftige Entwicklung der Systeme zuverlässig informiert werden, nicht zuletzt um auch zu verhindern, daß er sich nicht in eine Sackgasse begibt. Mehr gute Lösungen würden ihm auch den eigenen Bedarf leichter vor Augen führen.

Klaus Kather

Sachbearbeiter für den Bereich Telekommunikation bei der Bundesstelle für Büroorganisation und Bürotechnik in Köln

Im Hinblick auf die derzeit vorhandenen Konzeptionen für die Büroautomation muß den Herstellern zunächst einmal der Vorwurf gemacht werden, daß sie mit der Frage der Bedienbarkeit und Beherrschbarkeit ihrer Systeme zu euphorisch umgehen. Es ist nicht zutreffend - wie oft behauptet -, daß alles von selbst geht und sich die Geräte von selbst erklären. Es ist nach unserem Verständnis eine gesicherte Erkenntnis, daß es eingehender Schulung bedarf. Aber mit Beratung allein ist es auch noch nicht getan, wenn die Bedienung an sich verbesserungsbedürftig ist. Ein Anwenderwunsch an den Hersteller geht zum Beispiel dahin, daß man die aus dem englischsprachigen Bereich kommenden Programme in eine vernünftige und nachvollziehbare deutsche Sprache umsetzt. Das gleiche gilt für Bedienungsanleitungen und Bedienungshandbücher. Man muß davon ausgehen, daß im Bereich der Textverarbeitung die Benutzer oft der englischen Sprache nicht mächtig sind und sich nicht mit logischen Schlußfolgerungen beziehungsweise Abkürzungen wie "del" für "delete" oder "esc" für "escape" auskennen. Derartige Abkürzungen sind übrigens leider auch bei Teletex- und Fernschreibgeräten üblich.

Ein anderes allgemeines Problem besteht darin, daß die Anbieter nicht immer sorgfältig genug auf die von ihren potentiellen Kunden aufgestellten Pflichtenhefte eingehen sondern sich von absatzorientierten Gesichtspunkten leiten lassen. Beim Hersteller sollte verstärkt ein Bewußtsein dafür entstehen, daß die Anforderungskataloge oft laienhaft abgefaßt sind, der zukünftige Anwender aber natürlich trotzdem ein Gerät haben möchte, was seinen technischen und ergonomischen Anforderungen gerecht wird. Die Wünsche müssen richtig interpretiert werden, damit beim Anwender kein Frustrationseffekt zurückbleibt.