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16.12.1977 - 

"Blättern" in US-Datenbanken

Schlag nach bei Shakespeare

FRANKFURT AM MAIN - Nicht nur Angaben über die Werke von Herrn Shakespeare findet der Benutzer in den für ihre Qualität und Quantität bekannten Datenbanken amerikanischer Rechenzentren und Hochschulen. Denn neben einem dicken Thesaurus über Literaturhinweise, Geschichte, Pädagogik und Kultur des "Information Retrieval Service" von Lockheed kann jedermann ab sofort in amerikanischen Datenbanken "blättern", bis ihm das "Sein oder Nichtsein" der zukünftigen Geschäftsentwicklung gedruckt auf dem Managertisch liegt.

Den Zugriff zu solchem Know-how ermöglicht seit einiger Zeit die Deutsche Bundespost. Sie will im bereits wohlbesetzten Markt interkontinentaler Datenübertragungsnetze konkurrieren. Das hat sie mit einiger Überlegung getan. Nach Angaben eines DB-Sprechers hat eine gründliche Marktstudie einen erheblichen Bedarf an DFU-vermitteltem US-Know-how für Deutschland ergeben.

Den neuen Switching-Service bietet die Bundespost mit ihren Dateldiensten an. Zugreifen kann man entweder über das Wähl-Telefonnetz oder zu gegebener Zeit über die Datexeinrichtungen. Die minimale Hardwareausstattung ist ein Telefon mit Fernschreiber bzw. Ausgabedrucker und Modem. Die langsamste Übertragungsrate beträgt 10 Zeichen pro Sekunde, die nicht gerade schnellste liegt bei 30 Zeichen/sec. Wer sich mit dem Datenbanken-Know-how amerikanischer Thesauri vollsaugen will, muß vorher mit den jeweiligen Rechenzentren handelseinig werden und einen Benutzervertrag mit seiner User Number in sein Terminal tippen können. Vorerst sind diejenigen Datenbanken anzapfbar, welche im "Telenet" und "Tymnet" repräsentiert werden. Beide Vereinigungen zusammen bieten etwa 150 verschiedene Rechenzentren an. Fast jedes verfügt über eine Fülle von auserwählten Themen oder Fachgebieten, die in oft jahrelanger Recherche für den Rechner aufbereitet und dokumentiert worden sind.

Neben so bekannten Retrieval-Systemen wie die von Lockheed, Systems Development Corp und The Information Bank bieten andere Servicegeber etwa Datenfernverarbeitung für Unternehmensprognosen (APL Plus International), Wirtschaftlichkeitsberechnungen für Forschungsprojekte (Data Resources) oder komplette Patent- und Herstellerangaben über die Gewinnung von Sonnenenergie (Dvorkovitz & Associates). Insgesamt sind in beiden US-Netzen rund 50 Fachgebiete abgespeichert.

Benutzer mit 2 Paß -Wörtern

Die Betriebserlaubnis von deutscher Seite gibt auf Antrag das Telegrafenamt in Frankfurt am Main, Dienststelle UT, Postfach. Mit einem deutschen und einem amerikanischen pass word kann der Benutzer nunmehr die gewünschte US-Datenbank anwählen. Switching-Punkt ist Frankfurt am Main. Dort speichert ein Varian-72-Rechner die Anfragen und gibt sie über einen schnellen Kanal (4800 Bit/ sec) seinem amerikanischen Gegenstück weiter. Dieser Konzentrator gleichen Typs wird Von einer privaten Dispatching-Stelle betrieben. Sie leitet die Anfragen an die jeweiligen Datenbanken weiter. Alle Leitungen sind "value added carriers", so daß es bei den unterschiedlichen Codes und Transferraten einer Vielzahl von Datenendgeräten zu einheitlichen Dialogen in verlangsamter Form kommen kann.

Hinsichtlich der Übertragungsgeschwindigkeit will die Bundespost "noch die weitere Entwicklung abwarten". Das läßt hoffen, daß alsbald auch Benutzer von Großanlagen, die naturgemäß auch stärkste Kundengruppe dieses Service sein werden, mit ihren schnellen Datenstationen durch eine 1200-Baud-Rate bedient werden können. Innerhalb der USA ist das für beide Netze bereits selbstverständlich.

Steigen die Gebühren?

Vorerst ist das Blättern" mit Hilfe der postalischen Übersee-Vermittlung noch billig: Jede angefangene Minute einer Verbindung kostet DM - ,90. Je angefangene 1000 übermittelte Zeichen kosten nochmals DM 1,50. Die Minimalabnahme muß je Verbindung DM 10, - betragen.

Dazu kommen noch die Gebühren, die man mit den Amerikanern ausgehandelt hat.

Bei der Frage nach den zukünftigen Gebühren für ihren Switching-Service will die Post sich allerdings nicht festlegen. Das kann durchaus heißen, daß die Preise dafür alsbald angehoben werden, wenn der Switching-Umsatz steigt. Seitdem dieser Dienst in Betrieb ist, sei, so die Bundespost, die Anzahl der übertragenen Minuten pro Woche auf fast 4000 gestiegen. Der Start lag bei rund 1500 Minuten pro Woche.

Interessant dürfte das "Blättern" in den inhaltsschweren US-Dateien besonders für forschungsintensive Chemie- und -Pharmazieunternehmen, Banken und Versicherungen sowie für Hochschulen und Planungs- und. Beratungsfirmen sein.

* Klaus Rosenthal ist freiberuflicher EDV-Journalist in Aschdfenburg