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02.12.1994

"Schlanke Produktion ist nur mit schlanker DV moeglich"

Business Re-Engineering: Der Weg zu einer schlanken Produktion bedeutet fuer die meisten Unternehmen auch eine dezentrale Organisation der Fertigung. Kurz: Der Kunde rueckt in den Mittelpunkt der geschaeftlichen Prozesse.

Fuer die Mitarbeiter der Produktion war er bis dato ein eher anonymer Begriff. Ihre Informationen beschraenkten sich auf Arbeitsanweisungen, die von einem zentralen DV-System mit seinen PPS-Modulen geplant, koordiniert und staendig aktualisiert wurden.

Die dezentrale Organisation loest sich jedoch von dieser tayloristischen Arbeitsteilung: Kuenftig sind Verantwortung, Kompetenz, Eigeninitiative und Motivation der Mitarbeiter vor Ort gefragt. Als Teams in sogenannten Fertigungsinseln planen und organisieren sie ihre Arbeit selbstaendig. Damit sind sie auch fuer Termintreue, Qualitaet und Materialbeschaffung verantwortlich. Instanzen, die bisher nur verwalten und planen, werden kuenftig verschwinden und flachen Hierarchien Platz machen.

Die Dezentralisierung faellt um so leichter, je mehr die Fertigung Seriencharakter besitzt und Varianten ueberschaubar bleiben. So wird unter anderem die Kfz-Zulieferindustrie eher diese Organisationsform nutzen als ein Produzent von Unikaten.

Anbieter gaengiger DV-Pakete reagieren jedoch kaum auf die veraenderten Anforderungen beim Nutzer: PPS-Systeme werden immer komplizierter und detaillierter. Auf die Minute genau wollen Software-Entwickler den Fertigungsablauf in seinen Einzelheiten planen und die Reaktionen der Bearbeiter bestimmen. Tendenziell eine Mit-Kanonen-auf-Spatzen-schiessen-Methode, denn weniger ist hier mehr. Je einfacher die Produktion in den Fertigungsinseln organisiert ist, um so effektiver kann sie von den Mitarbeitern gesteuert werden. Ausgekluegelte Planungssysteme sind eher ungeeignet, zumal sie auf die betriebsinternen Kunden-Lieferanten- Beziehungen und Auftragssteuerung nach dem Pull-Prinzip - Fertigung nach Bedarf - nicht reagieren koennen.

Eine Loesung bietet derzeit die Syskoplan GmbH aus Guetersloh an. Mit ihrem Integrated-Logistic-System (Ilos), einer Unix-Anwendung mit integrierter Datenbank (Oracle), werden die Beziehungen zwischen Kunden und Lieferanten unter den Fertigungsinseln ueber mehrere dezentrale Systeme (Workstation und Terminals) realisiert. Die Ilos-Anwendungen uebernehmen die Auftraege von den nachgelagerten Fertigungssegmenten (Kunden), planen sie und bestellen das erforderliche Material bei den zuliefernden Partnern im Bereich oder von externen Lieferanten. Automatisiert sind unter anderem die Auftragsgenerierung, Lagerbestandsfuehrung sowie Nettobedarfsrechnung. Der Bearbeiter braucht die meisten Arbeitsablaeufe nur noch zu kontrollieren und zu bestaetigen.

"Dabei konzentriert sich das System ausschliesslich auf die Steuerung von Zeiten und Mengen in und zwischen den Fertigungsinseln", erklaert Dieter Kuechler, Prokurist bei Syskoplan. Das Guetersloher Produkt arbeitet mit allen gaengigen betriebswirtschaftlichen Anwendungen zusammen, indem es Aktionen wie Auftragsannahme, Materialbestellung, Warenein- und -ausgang etc. meldet. Ueber die miteinander direkt kommunizierenden Ilos sei das Pull-Prinzip realisiert, ist der Manager ueberzeugt. Mit diesem Angebot habe seine Firma derzeit "eine Vorreiterstellung im Markt". Auf der diesjaehrigen CeBIT erstmals vorgestellt, wurde das Softwarepaket nun um eine Schnittstelle zu SAPs R/3 erweitert und auf der Systec '94 in Muenchen mit Erfolg praesentiert. Konkurrenz zu PPS-Modulen anderer Hersteller sieht Kuechler nicht: "Wenn ein Anwender seine Fertigung dezentral organisieren oder die Auftraege bedarfsorientiert steuern will, dann machen klassische PPS- Loesungen keinen Sinn." Fertigen Betriebe jedoch nach dem Push- Verfahren, also einer zentralen und detaillierten Vorgabe fuer jeden Auftrag, so sei der Einsatz eines PPS-Systems durchaus gerechtfertigt, raeumt Kuechler ein. Zu hoffen bleibt, dass Firmen, die ihre Produktion kuenftig reorganisieren wollen, auch die Auftragssteuerung und deren rechnergestuetzte Anwendungen kritisch unter die Lupe nehmen.

Liegen dann die erhofften Effizienzen unter den Erwartungen, so ist es nicht selten eine Frage des derzeit angewendeten Programmpakets.

Von Stephan Wilksch

Der Autor ist Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut fuer Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik, Bereich Planungstechnik, in Berlin.