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03.09.2004 - 

Wenn der Postmann gar nicht klingelt - die Packstation der DHL

Schlanke Prozesse, besserer Service

03.09.2004

Im Internet einen Lampenschirm oder ein Modellauto zu bestellen, kostet allenfalls ein paar Minuten. Das Produkt dem Käufer zuzustellen nimmt Tage, wenn nicht Wochen in Anspruch. Einen beträchtlichen Teil dieser Zeit verbringen viele Pakete auf dem Weg vom Postamt zum Empfänger und wieder zurück - weil der Adressat nicht zu Hause ist.

Dieser Fall ist nicht nur für den Kunden, sondern auch für den Dienstleister ärgerlich. Der Rücktransport sowie das Einlagern und Aushändigen der Sendungen verzögern den Zustellprozess und kosten Mehraufwand. Deshalb treibt die Deutsche Post AG seit dem Höhepunkt des E-Commerce-Hype ein Gedanke um: Warum sollte das Sieben-mal-24-Paradigma nicht auf das "Fulfillment" anwendbar sein? "Angesichts der zunehmenden Beschleunigung des Transports von Informationen und Waren schien es uns nur logisch, auch die Sendungszustellung moderner und flexibler zu gestalten", erinnert sich Boris Meyer, Leiter des Projekts "Packstation".

Unter dieser Bezeichnung betreibt die Post-Tochter DHL in derzeit sieben deutschen Städten bereits mehr als 100 Automatensysteme. Dort können derzeit etwa 100 000 registrierte Kunden zu jeder Tages- und Nachtzeit Pakete abholen oder auch abgeben. Dafür benötigen sie eine Kundenkarte ("Gold Card"), die ihnen im Postident-Verfahren ausgehändigt wird, und eine Persönliche Identifikationsnummer (PIN). Via E-Mail oder SMS auf das Mobiltelefon werden sie informiert, sobald ihre Sendung in der als Lieferadresse angegebenen Packstation eingetroffen ist.

Was sich hier so rasch liest, benötigte von der Idee bis zur Realisierung beinahe vier Jahre. Anfangs hatte das - ursprünglich "Post24" genannte - Vorhaben eher experimentellen Charakter. Vom Deutsche-Post-Vorstand erhielt Mayer immer nur ein "Go" für das nächste Dreivierteljahr. Im Januar 2002 wurden erstmals 24 Prototypen in den Ballungszentren Ruhrgebiet (Dortmund) und Rhein-Main (Mainz) freigegeben. Im März 2003 nahm das Projekt dann konkrete Formen an, und plötzlich ging alles sehr schnell. Seit Juni dieses Jahres läuft der Rollout; nach Frankfurt, Offenbach, Darmstadt, Wiesbaden und Bad Vilbel sowie Bremen und Hannover werden bis zum Ende dieses Jahres auch die Großräume Berlin/Potsdam, Hamburg und München/Augsburg mit Packstationen ausgestattet. 2005 sollen 43 mittlere Städte folgen.

Nach der größten Herausforderung des Projekts gefragt, nennt Mayer die Angleichung der IT-Prozesse an die Abläufe der Transportlogistik: "Wir haben eine minimal invasive Lösung gesucht", erläutert der Projektleiter, "die Prozesse der Packstation sollten die der Post so wenig wie möglich beeinträchtigen".

Im Endeffekt wird die Packstation wie eine x-beliebige Lieferadresse behandelt. Die für eine Benachrichtigung des Kunden notwendigen Informationen liegen dabei auf dem zentralen Serversystem. Die Pakete selbst und die von dem österreichischen Hersteller Keba gelieferten Stationen halten nur die Daten vor, die zum Auffinden und Einstellen der Pakete unmittelbar notwendig sind.

Dafür musste die IT nun die stetig wachsende Anzahl externer Automaten online mit den zentralen Systemen verbinden. Darüber hinaus waren Schnittstellen zu den Track-und-Trace-Anwendungen des Paketdienstes DHL und der konzerneigenen Spedition Danzas zu schaffen.

Diese Aufgaben vertraute das Projektteam dem internen Dienstleister Deutsche Post E-Commerce Services (ECS) an, der im Januar 2002 in der Deutsche Post IT Solutions (ITS) aufging. Die hauseigenen IT-Spezialisten wiederum holten die Unternehmensberatung Avinci ins Boot.

Gemeinsam wurde bereits im Sommer 2001 die zentrale Komponente der Packstation-Lösung konzipiert: der "Post24-Broker". Im Laufe der Jahre haben sich die fachlichen Anforderungen des Projekts und die Ansprüche an die IT-Struktur ständig gewandelt. Doch der zentrale Broker blieb im Kern derselbe.

Interface zu Track & Trace

Der Broker besteht aus einem Sun-Cluster mit dem Application-Server "Weblogic" von BEA sowie einer Reihe von J2EE-Anwendungen. Seine Aufgabe ist die Vermittlung zwischen den zentralen Kunden- und Paketdatenbanken sowie den externen Automaten, die in einem privaten Netz über eine http- und eine JMS-Schnittstelle an das Backend-System gekoppelt sind.

Auf diesem Weg wird die Information über das Einstellen oder die Entnahme eines Pakets an die nachgelagerten Applikationen weitergeleitet. Diese Anwendungen sind beispielsweise für das Versenden einer E-Mail oder einer SMS an den Kunden zuständig, oder sie sorgen dafür, dass die für eine Packstation bestimmten Pakete schon im Postzentrum mit einem Barcode-Label gekennzeichnet werden. Eine interne Schnittstelle stellt die Verbindung zu den Sendungsverfogung-Systemen, dem Call-Center und der Online-Registrierung her.

Für die technische Umsetzung des Projekts nutzte ITS das von Sun herausgegebene Java Development Kit (JDK). Auch sonst verwendet das Team weitgehend Open-Source-Werkzeuge - angefangen vom Web-Server "Apache" über das Concurrent Version System (CVS) bis zum Entwicklungs-Tool "Kawa", mit dem sich Programmschemata in Java-Code umwandeln lassen. Lediglich in puncto Qualitätssicherung setzt es auf eine proprietäre Lösung - den "Test Director" von Mercury.

Dem Kunden auf der Spur

Zusätzlich zu den zahlreichen Kommunikations-Schnittstellen entwickelten die Post-ITler auch eine Business-Intelligence-Komponente für die Auswertungen der neu gewonnenen Informationen. Denn dank dieser Lösung kann die Post nun auch im B-to-C-Bereich Sendungen und Personen einander zuordnen. "Wir lernen gerade unseren Kunden kennen", fasst Mayer diesen Tatbestand zusammen.

Wieviel der Logistikonzern in die Packstationen investiert hat und noch investieren will, behält Mayer für sich; er verrät lediglich, dass dreieinhalb Jahre lang zwischen 15 und 20 IT-Spezialisten der Post mit dem Projekt beschäftigt waren. Das Ergebnis: ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Dienstleistern.

Hier lesen Sie ...

- wie die Deutsche Post die neuen Packstationen in ihre konzernweiten Prozesse integriert hat;

- welche Anforderungen das an die IT stellte;

- wo die besonderen Schwierigkeiten des Projekts lagen;

- was das für das Geschäft des Dienstleisters bedeutet.

Projektsteckbrief

Projektart: Online-Anbindung von externen Automaten an zentrale Datenbanken mit Schnittstellen zu Track-and-Trace-Systemen und automatischer Benachrichtigung der Kunden.

Branche: Transportlogistik.

Zeitrahmen: Pilotversuche und erste Konzepte für den "Post24-Broker" im Sommer 2001; Entscheidung über die Realisierung im März 2003; Rollout ab Juni 2004.

Stand heute: Rollout läuft; bis Ende 2005 sollen etwa 50 Städte ausgerüstet sein.

Produkte: Enterprise-Server von Sun mit Solaris, Oracle 9i, BEA Weblogic, Java Development Kit (JDK), Apache (Web-Server), CVS (Open-Source-Versionsverwaltung), Kawa (Entwicklungs-Tool) "Test Director" von Mercury, Automaten-Hard- und -Software von Keba.

Dienstleister: Deutsche Post IT Solutions, Avinci.

Herausforderung: die IT-Prozesse mit dennen der Transportlogistik in Einklang zu bringen.

Nächster Schritt: Biometrische Autentifikation angedacht.

Turm oder Station?

Die Idee einer Abholstation für Paketsendungen ist so einleuchtend, dass sie sich auch anderen klugen Köpfen aufdrängte. Ein ähnliches Konzept entwickelte das Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik gemeinsam mit dem Lager- und Systemtechnik-Spezialisten SSI Schäfer Noell. Der Prototyp mit Namen "Tower24" steht seit dem vergangenen Jahr in der Dortmunder Emil-Figge-Straße. Von der "Packstation" unterscheidet er sich zum einen durch seine Größe, zum anderen durch die integrierte Kühltechnik, die ihn auch für die Einlagerung von Lebensmitteln qualifiziert. Laut Packstation-Projektleiter Boris Mayer wird der Tower24 auch von der Post beliefert. Allerdings sei die Akzeptanz relativ gering - wegen der deutlich langsameren Bedienung, vor allem aber wegen der zumeist langen Anfahrtswege. 85 über ganz München verteilte Packstationen seien eben kundenfreundlicher als ein zentral gelegenes Großsystem.