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12.09.1980

Schlaraffenland

Bundesdeutsche Softwerker stießen innerhalb einer Woche gleich zweimal das Tor zum "DV-Schlaraffenland" auf, in dem die Softwarefabriken stehen und strukturierte Programme GOTO-frei fließen. Nachdem ADV/Orga die Schaffung einer selbständigen "Produktionsgesellschaft" verabschiedet hatte (CW 36 vom 5. 9. 1980), koppelte nun auch die Hamburger GMO ihre "Verfahrenstechnik" vom laufenden Beratungsgeschäft ab (vgl. Seite 1).

Kein Zweifel: Weitere Softwarehäuser - so will's das Branchengesetz - werden nachziehen. Sollte es möglich sein, daß den elfenbeinernen Entwicklungen der Software-Science (Dijkstra, Jackson, etc.) endlich ein Systems-Engineering für die Praxis folgt, nachdem - außer klugen Worten - aus dieser Richtung jahrelang nichts gekommen ist? "Die Software-Erstellung zu jedem Preis", sagt GMO-Chef Hasso Wien, "hat keine Chance mehr."

Der hanseatische DV-Methodiker spielt damit auf die Individual-Programmierung "nach Art des (jeweiligen) Hauses" an, die zu einem Vertrauensschwund zwischen Benutzern und DV-Zentralen geführt hat. Dieser Weg der Wurstelei sei bereits zu lange gegangen worden.

Wiens Analyse ist zutreffend. Wir können jedoch seinen Optimismus kaum teilen. Der GMO-Mann glaubt nämlich, die Zeit zu Selbstbesinnung und Selbsthilfe sei gekommen. Daß altgediente Programmierer zu Tools greifen, setzt freilich die Einsicht in die Notwendigkeit des Methodeneinsatzes voraus. In diesem Punkt ist Skepsis angebracht. Vorerst haben die Datenverarbeitungs-Spezialisten beim Anwender alle Hände voll zu tun, mit den Möglichkeiten der Hardware auf der Softwareseite Schritt zu halten.

Man kann nur hoffen, daß genug DV-Manager bereits wissen: Allzuviel Fortschritt auf der Hardwareseite kann halsbrecherisch sein. Oh, wenn sie sich doch baldmöglichst entschließen werden, ihrer Verantwortung entsprechend im Sinne der langfristigen DV-Strategien zu handeln und die Beherrschung moderner Verfahrenstechniken durch ihre Mitarbeiter erzwängen.

In welche Sackgasse viele Anwender durch die Vernachlässigung der neuen Software-Techniken gekommen sind, kann nicht länger vertuscht werden: Termin- und Kostenüberschreitungen sind an der Tagesordnung; die Änderungs- und Wartungskosten haben schwindelnde Höhen erreicht; die Anwendungssysteme sind komplex und instabil geworden.

Die Effizienz der Software-Erstellung wird für das DV-Management zum kritischen Problem. Man will etwas tun. Nur: Diese schwerwiegenden Gründe zur Umkehr müssen auch den Hardware-Herstellern einsichtig gemacht werden. Nun sind die Computerbauer aber alles andere als methodenfreundlich. Gerade ein System-Engineering, das die System-, und damit die Hersteller-Abhängigkeit fördert, gilt ihnen als Garant für die Fortsetzung ihrer Upgrade-Politik.

Vielfach wird den Anwendern heute ganz offen gesagt, daß kein Interesse besteht, portable Software entwickeln. Und die Software-Lieferanten sind nicht davon freizusprechen, daß sie Software-Entwicklungswerkzeuge verkaufen, ohne sich darum zu kümmern ob der Anwender in die Sache reinwächst. Der wird, wie "Werkzeugmacher" Dr. Reinhold Thurner zugibt, "allein gelassen" - kein Wunder, daß die Akzeptanz von Unterstützungstools wie Programm-Generatoren erst noch erarbeitet werden muß.

Alles wie gehabt, könnte man also über das neue GMO-Engagement sagen: Oder haben die "Tooler" aus der Vergangenheit gelernt?