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23.02.2001 - 

Sammelklagen gegen das Management sind eingeleitet

Schlechte Aussichten für Nortel Networks

MÜNCHEN (CW) - Der kanadische Telecom-Ausrüster Nortel Networks musste seine Gewinnerwartungen für 2001 reduzieren. Gleichzeitig wurde angekündigt, dass rund 10000 Stellen abgebaut werden. Aktionäre fühlen sich getäuscht, der Titel fiel um 34 Prozent, und nun drohen zudem Sammelklagen.

Im Januar war die kanadische Wirtschaft noch in Ordnung: Die führende Hightech-Schmiede Nortel Networks spürte zwar den zunehmenden Druck, der auf den Einkaufsbudgets der Telcos lastet, glaubte aber trotzdem, im Jahr 2001 stärker als der Markt wachsen zu können. Diese Ansicht vertrat CEO John Roth, der einige Monate zuvor vom "Time Magazine" zum "erfolgreichsten kanadischen Geschäftsmann" der letzten Jahre gekürt worden war.

Die ursprünglich in Aussicht gestellten 35 Prozent Umsatz- und Gewinnsteigerung seien zwar nicht zu schaffen, verkündete Roth noch am 18. Januar, aber 30 Prozent seien realistisch. Daraufhin stieg der Aktienkurs des Unternehmens um zehn Prozent an. Seit einer Woche ist nun aber klar, dass die markigen Aussagen Makulatur sind: Der Konzern warnte Analysten und Investoren vor einem schlechten Jahr 2001, im ersten Quartal drohen sogar Verluste.

Schuld an der Entwicklung habe der Wirtschaftseinbruch in den USA, so CEO Roth in einer Meldung. Die Kanadier machen rund zwei Drittel ihrer Geschäfte in den USA, wo die Kunden nun jedoch zurückhaltender einkaufen: Statt wie angekündigt um 30 Prozent steigen die Umsätze 2001 voraussichtlich nur um 15 Prozent. Der Gewinn pro Aktie wird im Geschäftsjahr laut Roth lediglich um zehn Prozent wachsen. Für das erste Quartal 2001 gab Nortel sogar eine Gewinnwarnung ab: Die Umsätze sollen sich auf 6,3 Milliarden Dollar belaufen, während ein operativer Verlust von vier Cent je Anteilschein erwartet wird. Die Wallstreet war von 8,1 Milliarden Dollar Umsatz und einem Gewinn von 16 Cent pro Aktie ausgegangen.

Aufgrund dieser Meldung stürzte der Nortel-Kurs in Kanada um rund 30 Prozent ab. Die Börse in Toronto setzte das Papier mehrmals vom Handel aus, da die Computer den Ansturm der Verkaufswilligen nicht verkraften konnten. Insgesamt zehn amerikanische Finanzanalysten stuften ihre Kaufempfehlung für Nortel herab. "Das Vertrauen in Roth ist zerstört", titelte die lokale Zeitung "The Globe and Mail".

Für die Angestellten des Konzerns büßten nicht nur die eigenen Aktiendepots an Wert ein, sie müssen sich zusätzlich Sorgen um den Arbeitsplatz machen. Rund 10000 von etwa 95000 Stellen sollen abgebaut werden, da die kurzfristige Perspektive des Unternehmens nicht mehr stimmt. Laut Roth ist bis ins vierte Quartal des Jahres mit einer reduzierten Nachfrage zu rechnen, da die Carrier bevorzugt bestehende Installationen ausbauen würden, statt in neue Systeme zu investieren.

In den USA haben inzwischen zwei Anwaltskanzleien Sammelklagen gegen den Konzern angestrengt. In einem Fall geht es um zwei hochrangige Nortel-Manager, die kurz nach dem Kursanstieg im Januar Aktienpakete verkauft haben sollen. Dies sei Insiderhandel, so die New Yorker Rechtsanwälte. Eine andere Kanzlei aus Baltimore will Nortel verklagen, weil der Konzern den Markt nicht richtig eingeschätzt und die Nachfrage nach seinen Produkten im Januar falsch angegeben hatte.

Abb: Kurseinbruch

Am 16. 2., dem Tag nach der Gewinnwarnung, musste die Nortel-Aktie mehrfach vom Handel ausgesetzt werden, da die Börsen- computer überfordert waren. (Quelle: Globe Interactive)