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27.05.1994

Schlechte Noten fuer Anwendungswerkzeuge Die Butler Group verabreicht Microsoft schallende Ohrfeige

MUENCHEN (CW) - Harsche Kritik trifft Microsofts Entwicklungs- Tools. Der aktuelle "Client Tools Report" der britischen Butler Group geht mit Access, Visual Basic und Visual C++ hart ins Gericht: Sie boeten wenig oder keine Multiuser-Features und vermittelten nicht einmal die Spur einer Ahnung, was ein Data- Dictionary sein koennte. Negative Folgen fuer Anwender, Konkurrenzanbieter und Microsoft selbst blieben nicht aus.

"Die Technologie, die Microsoft fuer die Anwendungsprogrammierung bereitstellt, ist allenfalls fuer Einzelplatzsysteme tauglich, auf denen relativ simple Anwendungen gestrickt werden. Die Vorstellung, dass derartige Produkte mit professionellen Entwicklungsumgebungen konkurrieren koennten, ist absoluter Unsinn", kommentiert Martin Butler. "Auf der anderen Seite muss man Microsoft wohl zu seinem ganz aussergewoehnlichen Marketing-Erfolg gratulieren - nur diesem verdanken die Tools ueberhaupt Erwaehnung."

Die Vergleichsstudie, in der insgesamt 26 Werkzeuge unter die Lupe genommen werden, beurteilt die MS-Anwendungs-Tools in mehrfacher Hinsicht mit ungenuegend.

- Es existiere kein Konzept, nach dem mehrere Entwickler mit einem Repository arbeiten koennten. Jeder einzelne Programmierer sei vielmehr gezwungen, einen eigenen Weg zu finden, um seine Entwicklungsprojekte zu koordinieren. Unter Umstaenden seien diese fuer andere Entwickler nicht verstaendlich oder einsehbar.

- Die Idee eines Data-Dictionary werde von Access, Visual Basic und Visual C++ nur am Rande unterstuetzt. Definitionen blieben nicht erhalten, sie muessten staendig neu erstellt werden.

- Schon traditionell besitze Microsoft weder die Fachkenntnisse noch eine entsprechende Organisation, um Unternehmen, die sich ernsthaft mit Anwendungsentwicklung beschaeftigen, durch Support zu unterstuetzen.

- Die MS-Anwendungswerkzeuge liefen einzig und allein auf MS- Plattformen: Windows und Windows NT.

Insbesondere bei Access bemaengelt der Butler-Bericht, dass kein Data-Dictionary vorhanden ist. Selbst fuer einfachste Aufgaben muesse neuer Code geschrieben werden. Das Resultat seien Systeme, die aufgrund von unzaehligen Programmteilchen sehr schnell nicht mehr verwaltet werden koennten. Visual Basic wird von der Butler Group nicht als ernstzunehmende Alternative zu professionellen Entwicklungs-Tools gesehen. Fuer "richtige" Applikationen sei es nicht zu gebrauchen.

Visual C++ dagegen ist laut Butler ein Fall fuer Spezialisten. Eine generelle Anwendungsentwicklung mit diesem Tool erscheine kaum vorstellbar.

Die gegenwaertige Faszination, die von den MS-Produkten ausgehe, muendet nach Befuerchtungen Butlers in einer Katastrophe fuer die Anwender: "Viele der heutigen Systeme sind in Zukunft praktisch nicht mehr zu pflegen."

Die Butler Group glaubt, dass Microsoft seinen Zenit bereits ueberschritten habe und an Markteinfluss verliere. "Microsoft wird als Anbieter von Desktop-Tools und Betriebssystemen in Erinnerung bleiben. Auf dem Feld der Anwendungstechnologien jedenfalls bleibt Microsoft eine geisterhafte Erscheinung."

Der 350 Seiten starke "Client Tools Report" kann bei der Butler Group im englischen Hull, bezogen werden. Er kostet rund 220 Mark.