05.03.2014 - 

Warnzeichen erkennen

Schlechte Software entlarvt

Nicolas Zeitler
Die Tests dauern lang, und die Wartung wird immer teurer: Wie nennen Ihnen ein paar Warnzeichen, die andeuten, dass eine Software bald zur großen Last für ein Unternehmen wird.
Immer mehr Fehlermeldungen: Wer das Verhalten der Software-Anbieter regelmäßig beobachtet, kann oft erkennen, ab wann eine Software mehr Ärger als Nutzen einbringt.
Immer mehr Fehlermeldungen: Wer das Verhalten der Software-Anbieter regelmäßig beobachtet, kann oft erkennen, ab wann eine Software mehr Ärger als Nutzen einbringt.

Fast jedes Unternehmen schleppt irgendwelche Software-Altlasten mit sich herum. Schlimmstenfalls sind sogenannte Legacy-Systeme, die seit vielen Jahren im Einsatz sind, irgendwann nicht oder kaum mehr zu warten – weil der Aufwand zu hoch ist oder sich niemand mehr mit ihnen auskennt. Zum Teil liegt der steigende Pflegeaufwand aber auch daran, dass der Anbieter ein Produkt nicht mehr unterstützt.

Die Gefahr, dass ein System mit der Zeit unwartbar wird, ist aber auch erhöht, wenn der zugrunde liegende Code schlecht ist, sagt Sieuwert van Otterloo, Principal Consultant beim auf Software-Qualität fokussierten Beratungsunternehmen Software Improvement Group (SIG) in Amsterdam. Der Berater beschreibt sieben Symptome, die darauf hinweisen, dass eine Software in Bälde zu einer großen Last werden könnte.

1. Lizenzgebühren steigen stark an
Am Ende des Lebenszyklus einer Software heben viele Anbieter die Preise stark an - um bis zu 40 Prozent, beobachtet die SIG. Zum Teil sei das ein ausdrückliches Signal an die Kunden, dass der Anbieter bald keinen angemessenen Support mehr bieten werde. Das hat an sich nichts mit der Qualität der Software zu tun. Sieuwert van Otterloo allerdings sagt: "Ist der Code gut, lässt sich auch eine alte Software noch warten, die nicht mehr unterstützt wird." Für ein wichtiges Merkmal guter Software hält der Berater, dass sie schlank programmiert ist – soll heißen: Dieselbe Funktion ist nicht an mehreren Stellen im Code hinterlegt.

2. Verzögerungen bei Tests
Dass vor allem umfangreiche Programme zu Anfang Fehler enthalten, ist Normalität. Tests und Bug-Fixing sind daher feste Bestandteile des Entwicklungszyklus. Dauert es allerdings viel länger als vorgesehen, Kinderkrankheiten zu beheben, könnte das daran liegen, dass die Software nur schwer zu analysieren oder zu ändern ist.

Van Otterloo berichtet von einem Unternehmen, das bei einem Dienstleister zu einem Fixpreis eine Versicherungsplattform entwickeln ließ. Durch den Festpreis motiviert, setzte der Anbieter Junior-Entwickler auf das Projekt an. Die anfangs auf zwei Monate veranschlagten Tests dauerten letztlich ein ganzes Jahr. "Offenbar hat der Anbieter die Komplexität unterschätzt, die Entwicklung nicht überwacht und deshalb Fehler erst spät entdeckt", sagt van Otterloo. Das zunächst günstige Projekt wurde für den Auftraggeber zuletzt sehr teuer – denn im Festpreis war nur ein Teil der zur Behebung aller Fehler nötigen Tests enthalten.

3. Funktionen sind doppelt vorhanden
Je aufwändiger die Wartung eines alten Systems wird, umso größer wird für IT-Abteilungen die Versuchung, eine Funktion nochmals in einem neuen System abzubilden – statt die nötigen Änderungen in der alten Software umzusetzen. Eine kurzfristige Strategie, wie Sieuwert van Otterloo schreibt. "Aber etwas, das wir sehr oft sehen", sagt der Berater.

Häufig werde die SIG von Unternehmen gerufen, zwei Systeme mit nahezu denselben Funktionen zu vergleichen. Nicht selten sei die Redundanz Folge eines Firmenzusammenschlusses oder einer Übernahme. Sieuwert van Otterloo plädiert dafür, eine Funktion nur in einem System zu verorten. Bei nötigen Änderungen falle sonst immer die doppelte Arbeit an. "Man braucht ja auch mehr Leute dafür."

Auf der nächsten Seite geht es u.a. um zu viel Geld für zu viel Unterhalt.

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